Frankreich Mehrzahl der Bilder in Terrus-Museum gefälscht

Auch eine Fälschung? Selbstporträt, das Étienne Terrus zugeschrieben wird, im Terrus-Museum.

(Foto: AFP)
  • In einem Museum in Südfrankreich haben sich mehr als die Hälfte der ausgestellten Werke als Fälschungen herausgestellt.
  • 82 der 140 ausgestellten Bilder sind nicht vom 1922 verstorbenen Maler Étienne Terrus, dem sie bislang zugeschrieben wurden.
  • Der Bürgermeister der Stadt Elne, die das Museum betreibt, hat sich öffentlich entschuldigt.

Ein französisches Kunstmuseum hat bekanntgegeben, dass mehr als die Hälfte der ausgestellten Bilder gefälscht sind. Das Museum in Elne in Südfrankreich ist dem in Elne geborenen Maler Étienne Terrus gewidmet. Nun hat sich herausgestellt, dass 82 der 140 ausgestellten Werke nicht von Terrus stammen, sondern Fälschungen sind.

Ein Kunsthistoriker war bei einem Besuch des Museums vor einigen Monaten ins Stutzen gekommen und hatte der überraschten Museumsleitung seine Zweifel mitgeteilt. Daraufhin untersuchte eine Kommission die Bilder. Das Ergebnis wurde ausgerechnet am Freitag bekannt, als das Museum nach einer Renovierung wieder eröffnete.

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Die Stadt Elne, die das Museum betreibt, hatte die Bilder nicht auf einmal gekauft, sondern über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten hinweg - für mehr als 160 000 Euro.

In der französischen Presse entschuldigt sich der Bürgermeister der Stadt Yves Barniol: "Ich versetze mich in die vielen Menschen hinein, die das Museum besucht haben, die gefälschte Werke angesehen haben, für die sie ein Eintrittsticket lösen mussten, egal wie günstig der Preis auch war. Das ist inakzeptabel." Er hoffe, dass die Schuldigen gefunden würden.

BBC zufolge ermittelt in dem Fall bereits die örtliche Polizei. Den Ermittlern zufolge sei es möglich, dass andere Werke lokaler Künstler betroffen sein könnten.

Terrus kam 1857 in Elne zur Welt und lebte dort, abgesehen von einem kurzen Aufenthalt in Paris, bis zu seinem Tod 1922. Terrus ist vor allem für Ölgemälde und impressionistisch beeinflusste Landschaftsbilder bekannt. Er war unter anderem mit dem berühmten Henri Matisse befreundet.

Nachdem Terrus fast in Vergessenheit geraten war, eröffnete seine Heimatstadt 1994 das Museum zu seinen Ehren. Es ist neben einer Kathedrale eine der wenigen Sehenswürdigkeiten der 9000-Einwohner-Stadt in den Ostpyrenäen an der spanischen Grenze. Auf der Homepage der Stadt heißt es: "Heute sind fast 200 Werke von ihm in Roussillon, Frankreich und dem Ausland erfasst. Die Kommune Elne konnte einen Teil der Kunstwerke erwerben und stellt sie zusammen mit Spenden und Leihgaben im Terrus-Museum aus." Wie es mit dem Museum weitergehen wird, ist noch nicht bekannt.

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