Frankfurter Buchmesse Publikationsformen wandern ineinander

Leidenschaftliche Büchermacher, für die das nicht gilt, sieht jeder Besucher der Buchmesse, wenn er in den Hallen drei oder vier durch die Gänge wandert und Michael Krüger, den Verleger von Hanser, Jörg Bong, den Verleger von S. Fischer, Ursula Unseld-Berkéwicz, die Verlegerin von Suhrkamp, oder Antje Kunstmann vom Verlag, der ihren Namen trägt, in ihren Ständen arbeiten sieht.

"Content and creativity" mag man den "Shades of Grey" noch zubilligen. Aber wie sieht es mit dem Inhalt aus?

(Foto: dpa)

Sie alle sind, wenn es um die Bücher des eigenen Hauses geht, von Leidenschaft getrieben, an ihnen geht jede Unterscheidung von Chef und Lektor, Presseagent und Vertreter zuschanden. Vor ein paar Jahren galten sie noch als altertümliche, dem "Inhalt" verhaftete Gestalten, wie es sie bald nicht mehr geben werde. Was für ein Irrtum.

E-Book Zeit für Experimente
Revolution durch E-Books?

Zeit für Experimente

Ob im Zug, am Strand oder einfach nur daheim: E-Books haben das Lesen fast nicht verändert. Für die Verleger aber ist die Unsicherheit gewachsen, einen Flop oder einen Bestseller zu publizieren. Deshalb müssen sie ausprobieren, welche Texte sich am Besten für das neue Format eignen.   Johan Schloemann

Die Hälfte aller Exemplare, die von "Shades of Grey" verkauft wurden, bestand in Computerdateien. Dieses Werk wurde zum ersten global erfolgreichen E-Book. Diese 50 Prozent schienen zuerst eine radikale Veränderung des Buchmarkts anzukündigen, die endgültige Hinwendung zum Digitalen. Aber sie markieren offenbar eher eine maximale Ausdehnung, die zudem dem besonders privaten Charakter dieser Lektüre geschuldet war: In den Vereinigten Staaten wächst der Marktanteil des E-Books gegenwärtig kaum noch, in Deutschland verläuft das Wachstum ohnehin eher zögerlich.

Statt eines Triumphes der Digitalisierung entsteht augenscheinlich etwas eher Unerwartetes: Die Publikationsformen differenzieren sich, sie weiten sich aus und sie wandern ineinander. Ein Verlag, der sich auf diesem Markt und auf der Höhe der Zeit bewegt, kann sich eines ganzen Registers von Publikationsformen bedienen, analogen und digitalen.

Die Antwort auf die Frage, für welche Form ein Verlag sich bei einem Projekt jeweils entscheidet, kann nun - in einem Maße, das vor einigen Jahren noch undenkbar war - Überlegungen über Inhalt und Eigenart einer Veröffentlichung gehorchen. Es zeichnet sich bereits ab, was daraus folgt. Es wird nicht mehr ausreichen, lauter "content"-Elemente, die man für verfügbar hält, durch alle verfügbaren Kanäle zu schicken.

Das Verlegen wird auf der neuen technologischen Stufe, die es nun erreicht, zur Kunst des feinen Austarierens von Inhalten und Publikationsformen, in jedem einzelnen Verlag. Die Leidenschaft der Verleger wird in dieser Verwandlung von "content" in "Inhalt" ein neues Betätigungsfeld finden.