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Frankfurter Buchmesse:Am Ende wird nur noch das "Buch vom Putzen" wichtig sein

Literatur gleiche einem Gemälde, Journalismus der Fotografie, sagte Salman Rushdie. Bei den ausgestellten "schönsten" Büchern wird die Literatur ganz buchstäblich zum Teil der bildenden Kunst, als Buch-Objekt nämlich. Am Ende, wenn alles vorbei ist, wird in Frankfurt aber nur noch das "Buch vom Putzen" wichtig sein. Denn für die rund 7000 akkreditierten Journalisten reichen 69 Hotelzimmer beileibe nicht aus.

Bedrohung Big Data

Der Autor sei "ein Bürger mit einem Megafon", hatte Salman Rushdie bei der Auftakt-Pressekonferenz gesagt. Was aber, wenn dieses Megafon verstopft ist? Rushdie nannte zwei Bedrohungen für die Meinungsfreiheit des Schriftstellers: religiösen Fundamentalismus einerseits und "Political Correctness" als eine Form von Selbstzensur andererseits. Um die dritte, die bei ihm nicht zur Sprache kam, ging es bei einer Diskussion mit dem Titel "Und wo bleibt die Kunst? Literatur und Quote". Diese Bedrohung heißt Big Data. Neben das gedruckte Buch sind längst elektronische Formen des Lesens getreten. Die Gestalt, die ein Buch annehmen kann, ist mittlerweile so vielfältig wie die Realität selbst, über die sich, laut Salman Rushdie, kein Konsens mehr herstellen lasse.

In der Hochzeit des realistischen Romans habe es, so Rushdie, noch ein Einverständnis gegeben über das, was wir Realität nennen. Heute sei der Realitätsbegriff jedoch ein Schlachtfeld. Und das gilt auch für die verschiedenen Realitäten des Mediums Buch. Das Problem dabei: Beim elektronischen wird der Leser selbst gelesen, seine Daten werden gesammelt und ausgewertet. Und auch das ist, mit Rushdie gesprochen, eine Kontrolle der Narrative.

Christopher Schmidt