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Fragen an Daniel Hug von der Art Cologne:Hungrig auf Austausch

Daniel Hug

Daniel Hug.

(Foto: Gene Glover)

Die Art Cologne ist auf den November verschoben. Der Direktor erklärt, warum die Entscheidung so spät fiel und was sie bedeutet.

Die Art Cologne, die älteste Kunstmesse weltweit, sollte Mitte April stattfinden. Nun wurde auch sie verlegt, auf den Herbst. Wir sprachen darüber mit Daniel Hug, dem künstlerischen Direktor der Messe.

SZ: Warum hat es so lange gedauert bis zu dieser Entscheidung?

Daniel Hug: Vor der sehr späten Absage der Art Basel Hong Kong hatte ich mich auch gefragt: Warum dauert das so lange. Denn natürlich sind Galerien bis dahin gefordert, mit Hochdruck an Vorbereitungen zu arbeiten. Aber von so einer Maßnahme sind eben nicht nur die Messe, das Publikum, die Aussteller betroffen - sondern auch Hotels, Restaurants und Messedienstleister. Es gibt viele Protagonisten. Unsere Entscheidung haben wir dann nach den Vorgaben der Landesregierung, Veranstaltungen über 1000 Personen nicht durchzuführen, und in Abstimmung mit dem Krisenstab der Stadt Köln getroffen,. Die drastischen Maßnahmen in Italien und natürlich die vorzeitige Beendigung der Tefaf in Maastricht haben auch eine wesentliche Rolle gespielt.

Haben nicht auch die Galerien Druck gemacht?

Es gab eigentlich nur Absagen aus Asien und Italien. Nur eine bedeutende deutsche Galerie hat sich zurückgezogen.

In einem Brandbrief haben sie vergangene Woche den Ausstellern eingestanden, dass Sie unter gewaltigem Druck standen.

Als Veranstalter stand unsere Verantwortung für die Messeteilnehmer und ihre Gesundheit an erster Stelle. Dem sind wir nachgekommen und verlegen die Art Cologne nun in den Herbst. Sie wird gleichzeitig mit der Cologne Fine Arts stattfinden vom 19. bis zum 22. November. Wer von den Ausstellern nicht teilnehmen möchte, muss auch keine Gebühr für die ursprünglich reservierte Standfläche zahlen.

Im Herbst wird es eng werden. Das Berliner Gallery Weekend hat sich einen zweiten Termin im September gesichert. Außerdem finden dann Fiac, Frieze und Artissima statt.

Der Termin ist gut. In der betreffenden Woche gibt es keine andere internationale Veranstaltung des Kunstmarkts, und wir liegen dann zehn Tage vor der Art Basel Miami Beach.

Glauben Sie, die Sammler werden dann überhaupt schon wieder Kunst kaufen wollen? Wir erleben gerade einen gewaltigen Sturz der Börsen weltweit.

Wir haben experimentelle junge Kunst für 500 bis 10 000 Euro im Angebot. Und der Markt für spekulative und teure Kunst ist ohnehin sehr klein, wir sprechen von vielleicht 500 Sammlern weltweit. Diese Menschen sind so reich, die werden nicht alle pleite gehen. Zudem glaube ich nach wie vor an Kunstmessen. Jetzt, wo wir uns mit den Ellenbogen begrüßen müssen, ist natürlich nicht der Zeitpunkt, Menschen zusammen zu bringen. Aber nach so einer Herausforderung wie Corona werden wir hungrig sein auf Begegnungen, darauf, Kunst anzuschauen, zu diskutieren, uns auszutauschen.

© SZ vom 14.03.2020
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