bedeckt München

Fotografie von Josef Fischnaller:Witz und Wahn

Spaghetti auf dem Kopf, Lakritzschnecken auf der Brust und der Eiffelturm aus Wurst: Josef Fischnaller fotografiert, wie die alten Meister malten - nur witziger.

11 Bilder

Fotografie

Quelle: Josef Fischnaller

1 / 11

Allein schon das Stillleben namens "Fleisch" ist alles andere als still: Nicht nur zwei fidele grüne Spargelspitzen und eine stolze Pfauenfeder, auch Cocktailschirmchen und eine Sternfrucht haben sich zwischen die Salamischeibchen gesellt in diesem fleischlichen Sittengemälde des Berliner Fotografen Josef Fischnaller.

Wer genau hinschaut, entdeckt auch eine kleine Pistole, ganz in Weiß, ein feines Spießchen aus Marshmellows und Zwiebel, einen Polizisten als Aufpasser und eine Ananas-Deko, aus deren zerbrochenem Bauch Wachteleier quellen. "Die Ananas war ein Geschenk an mich, das schon zerbrochen war, als ich es bekam. Der Schenkenden war das sehr peinlich, aber ich wollte sie unbedingt haben und immer schon in ein Bild einbauen. Jetzt war es soweit", erzählt der Künstler zur Eröffnung seiner Ausstellung in der Galerie Friedmann-Hahn in Berlin.

Ausstellung Josef Fischnaller

Quelle: Josef Fischnaller; Josef Fischnaller

2 / 11

Bilder Josef Fischnallers kennt man bisher eher solche: Schauspieler, wie hier Antoine Monot, auch aus der Werbung bekannt als "Tech-Nick", posieren für ihn als historische Figuren, die wir aus Gemälden kennen.

Dieselbe Haltung, ein ähnlicher Ausdruck, dieselben Accessoires - doch wer genauer hinschaut, entdeckt auch hier die detailreichen Unterschiede: Tech-Nicks Kettenhemd besteht aus Plastikringen.

Ausstellung Josef Fischnaller

Quelle: Josef Fischnaller; Josef Fischnaller

3 / 11

Hannelore Elsners Häubchen ist gar aus einem Fischgrill geformt, wie Stylistin Inga Kusche erzählt, die für Fischnaller die Kostüme macht.

"Manche Leute merken gar nicht, dass die Kleider aus Papier sind", wundert sich der Künstler, aber das ist wohl nur für ihn ein Wunder, denn die Stylistin leistet hier ganze Arbeit. Man muss schon genau hinschauen, um bei Elsners alias Maria de Medicis Gewand ein schlichtes Material wie Papier zu erkennen, so kunstvoll wie es drapiert wurde.

Ausstellung Josef Fischnaller

Quelle: Josef Fischnaller; Josef Fischnaller

4 / 11

Des Betrachters Auge locken unzählige Details, zum Beispiel auch bei diesem Jüngling, der an Caravaggio erinnert: die Blume im Haar, die bunten Früchtchen, der Parfumflakon - beinahe könnte man übersehen, dass sich ein kleines Krokodil in den Finger verbissen hat.

Fischnallers oberste Maxime ist es, mit Licht zu malen, wie auch die alten Meister. Allen voran der italienische Künstler Caravaggio, der schon im Frühbarock als "Magier des Lichts" galt.

Fotografie

Quelle: Josef Fischnaller

5 / 11

"Ich kann nicht malen, aber ich kann fotografieren", sagt Fischnaller, und so führt er die Lichtmalerei mit neuer Technik fort. Und gestaltet sämtliches Dekor neu: Da werden Geleebonbons zu Halsketten und Süßigkeiten zum Haarreif, ...

Fotografie

Quelle: Josef Fischnaller

6 / 11

... Spaghetti zur Perücke und weiße Mäuse zum Kragen. Das Stylistin-Fotografen-Duo schafft aus alltäglichen Gegenständen edle Accessoires - mit viel Humor und manchmal Ironie.

Ausstellung Josef Fischnaller

Quelle: Josef Fischnaller; Josef Fischnaller

7 / 11

So auch bei dem Portrait von Schauspielerin Sophie Rois als mordlüsterne Judith. Das Haupt des frisch geköpften Holofernes spielt der Künstler selbst, inklusive feinstem Blutkragen. Dies ist das einzige Bild, in dem Fischnaller selbst auftritt - ein humorvolles Selbstbildnis.

Überhaupt, die Sache mit den Promis und den Porträts: Fischnaller legt Wert darauf, nicht als Promi-Fotograf wahrgenommen zu werden. Die Porträtierten seien alle mit ihm befreundet, ob nun in der Öffentlichkeit bekannt oder nicht. Und wirklich: Viele der historisierten Persönlichkeiten sind gar nicht prominent, sie sehen nur so aus, sind aber in Wahrheit Kinder aus des Künstlers Bekanntenkreis.

Und die tatsächlich porträtierten Promis (Sophie Rois kam auch zur Ausstellungseröffnung) passen in der Tat gut ins Bild. Man darf dem Künstler wohl abnehmen, dass er die von ihm nachgestellten Charaktere anhand des jeweiligen Antlitzes und Charakters aussucht. Allerdings dürfte der Promifaktor seinem eigenen Bekanntheitsgrad auch nicht unbedingt im Wege stehen.

Fotografie

Quelle: Josef Fischnaller

8 / 11

Der aus Österreich stammende Künstler jedenfalls nimmt es mit Humor. Und zwar so gut wie alles - auch diesen Eiffelturm aus Wurst.

Ausstellung Josef Fischnaller

Quelle: Josef Fischnaller; Josef Fischnaller

9 / 11

Oder diesen goldenen Pudel aus Spülschwämmen. Fischnallers neuere Arbeiten sind vermehrt Objektfotografie. Der Bekanntenkreis ist so gut wie durchfotografiert, jetzt sind Blumen und Würste dran.

Fotografie

Quelle: Josef Fischnaller

10 / 11

Das ist mit Blick auf die Vielfalt seiner Portraits, die zwar immer im selben Stil, aber immer amüsant mit neuen aktuellen Alltagsgegenständen verknüpft werden, fast schade. Die unbändige Detailvielfalt macht aus den Bildern nicht nur auf den ersten Blick ein sinnliches Erlebnis, sondern auch auf den zweiten und sogar noch auf den dritten. Von Künstler und Stylistin mit fast wahnhafter Akribie umgesetzt, entsteht am Ende trotzdem ein federleichtes, vergnügliches Gemälde. Diese Bilder machen nicht nur dem Künstler, sondern auch dem Betrachter viel Spaß.

Ausstellung Josef Fischnaller

Quelle: Josef Fischnaller; Josef Fischnaller

11 / 11

Weil aber Fischnaller seiner Idee treu bleibt, in einem einzigen Bild viele so winzige wie witzige Augenfreuden zu verstecken, sind auch die Stilleben ein Schmaus für die Sinne. Haben Sie den Federball entdeckt? Und den Helikopter? Falls nicht: Die großzügig kuratierte Ausstellung läuft noch bis zum 1. August, weitere Infos hier.

© SZ.de/rus/aper/dd
Zur SZ-Startseite