In diesen Wochen fluten wieder Millionen Reisefotos die Social-Media-Kanäle. Urlauber stellen sich an den zu Tode fotografierten Touristen-Hotspots auf und dokumentieren für sich und ihre Follower: Auch ich am Eiffelturm, in der Sagrada Família, an den Faraglioni-Felsen auf Capri. Sollte das Wetter zu grau gewesen sein, kein Problem. Die mit KI zur Perfektion gebrachten Bildbearbeitungsprogramme tauschen die flauen Wolken gegen blütenweiße aus, und auch die matten Farben werden auf Knopfdruck kraftvoll wie glänzendes Bonbonpapier. Selbst ein dunstiger Sonnenuntergang wird in eine orangerote Feuerorgie verwandelt, die sogar die gekräuselte Meeresoberfläche zu entzünden scheint. Dass das Foto eine Wirklichkeit suggeriert, die es so nie gegeben hat, spielt keine Rolle. Hauptsache, das Bild fesselt die Aufmerksamkeit und führt zu Klicks. Das Leben – das sollen diese frisierten Bilder sagen – ist ein Traum und der Reisende mittendrin.
FotografieWas liegt hinterm Sonnenuntergang?
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Lässt Raum für Fantasie: Georg „Giorgio“ Sommers Foto der berühmten Felsen vor Capri um 1870. Sommer hat sogar wie ein Influencer „personality“ ins Bild gebracht: Links sitzt eine Frau, die aber ganz woanders hinschaut. Warum nur?
ALBERTINA, WienNoch nie gab es so viele Bilder aus dem Urlaub – doch etwas fehlt vielen Instagram-Aufnahmen. Helfen könnte eine schöne Ausstellung in der Wiener Albertina, die sich den Anfängen der Reisefotografie widmet.
Von Marc Hoch
