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Fotografie:Reise in die Melancholie

Der Fotograf Tom Licht hat sein Elternhaus am Südrand des Thüringer Schiefergebirges fotografiert - 25 Jahre nach dem Auszug. Entstanden sind Bilder stiller Melancholie.

Von Hannes Vollmuth

9 Bilder

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Quelle: Tom Licht

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Was bleibt vom Gefühl der Heimat, wenn man von zu Hause ausgezogen ist, jahrelang im Ausland gelebt hat und jetzt den wenigen Dingen von früher begegnet, die übrig geblieben sind?

Zwei Jahre zog der Künstler Tom Licht mit der Großformatkamera durch seinen Heimatort in Thüringen.

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Quelle: Tom Licht

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"Das Gefühl der Fremdheit war der eigentliche Beweggrund für mein Projekt. Ich habe in alten Fotoalben geblättert und anhand der Fotos die Gegenstände im Haus gesucht. Viele Sachen habe ich tatsächlich wiedergefunden, nur an ganz anderer Stelle", so der Fotograf.

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Quelle: Tom Licht

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Am Anfang, sagt Tom Licht, sei seine Familie schon irritiert gewesen. "Man wunderte sich, warum ich den alten Sachen solches Interesse entgegenbringe." Irgendwann hat dann seine Mutter damit begonnen, alte Gegenstände von früher zu suchen. Und der Vater assistierte ihm mit der Kamera.

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Quelle: Tom Licht

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Der Dachboden der Familie Licht: ein alter Spielzeug-Bauernhof, mit der der Junge früher tagelang gespielt hat - halb verfallen, wie eine Ruine, die noch auf irgendwas wartet. "Ich fühlte mich wie im Museum", sagt der Künstler.

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Quelle: Tom Licht

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Ein Gedanke, der Tom Licht bei seiner Arbeit kam: "Wenn man einmal angefangen hat, in der Welt herumzureisen und an verschiedenen Orten zu leben, wird es eigentlich immer schwieriger. Man findet keinen Ort mehr, wo man sich wirklich daheim und vertraut fühlt".

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Quelle: Tom Licht

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"Ich habe es nie bereut, aus meinem Dorf weggezogen zu sein. Ich komme auch gerne zurück nach Mengersgereuth-Hämmern. Aber dieses Projekt zum Beispiel wäre sicherlich nicht entstanden, wenn ich dort noch dauerhaft wohnen würde."

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Quelle: Tom Licht

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Tom Licht arbeitete mit einer Großformatkamera. "Man braucht viel Zeit, manchmal eine ganze Stunde, um ein Bild zu machen. Man ist also mit den Gegenständen und dem Ort lange allein. Der Blick durch die Kamera ist ein anderer, als wenn man bei den Eltern zu Besuch wäre und mit am Kaffeetisch sitzen würde", sagt Licht.

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Quelle: Tom Licht

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"Meine Mutter dekoriert sehr gerne. Natürlich ist das eine Art Kitsch, aber halt auch die Sachen, die einem als Sohn vertraut bleiben."

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Quelle: Tom Licht

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Was bringt einem die Melancholie, die man hat, wenn man an früher denkt? "Melancholie kann einem helfen, zu erkennen, dass alles seinen Wert hat. Auch das Hier und Jetzt, auch der Ort, an dem man gerade lebt. Wenn ich in zehn Jahren an Zürich zurückdenke, werde ich wahrscheinlich auch melancholisch sein. Und deshalb weiß ich schon heute, dass es eigentlich schön ist, wo ich bin", sagt Licht.

Tom Licht, 44, ist ein deutscher Fotograf. Licht studierte Architektur und Fotografie, unter anderem an der renommierten Ostkreuzschule in Berlin. Er lebt in Zürich. Tom Licht: Daheim. Kehrer Verlag, Heidelberg 2016. 112 Seiten, 29,90 Euro. Ausstellung: Galerie für Moderne Fotografie, Berlin, 8.9 - 9.10.2016.

© SZ.de/pak/olkl

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