Nachruf auf Fotograf Mick Rock:Für immer 27

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Nachruf auf Fotograf Mick Rock: Mick Rock im Dezember 2016.

Mick Rock im Dezember 2016.

(Foto: Remy Gabalda/AFP)

"Pink Floyd", David Bowie, "Queen": Mick Rock hat der Popgeschichte zum Sound auch ein Bild geschenkt. Nun ist er mit 72 Jahren gestorben.

Von Willi Winkler

Er war der Bowie-Mann, Leibfotograf, Chefpropagandist, Mythosschöpfer. Vor unfassbaren 49 Jahren erschien das erste Bild, das er sich von diesem androgynen Sänger gemacht hatte, auf dem Titel von Rolling Stone, begleitet von der anmacherischen Frage: "Sind Sie Manns genug für Bowie?" Mick Rock war es, und er verkraftete noch weit mehr, denn er wurde der fotografische Chronist der gesamten partydrogengesäumten Siebzigerjahre. Ende 1969, als Syd Barrett Pink Floyd verließ und grade durchzudrehen begann, lud er seinen Freund Rock zu sich nach Hause ein. Er hatte den Boden seiner Wohnung wie einen psychedelischen Zebrastreifen bemalt und kniete sich fürs Foto drauf; seine Freundin erschien nackt auf der Rückseite, Titel: "The Madcap Laughs" (Der Irre lacht). Die Platte war damals so gut wie unverkäuflich und ist heute eine gesuchte Rarität.

Rock war mit dem allerbesten Namen für die Szene gesegnet, dabei war er ordentlich zur Schule gegangen, hatte sich in Byrons und Shelleys Gedichte hineingeträumt und war, wie es sich damals gehörte, auch kurz verhaftet worden, weil er als Romantiker ein wenig Marihuana mit sich führte, was ihm erkennbar nicht geschadet hat. Er gestaltete zuerst die Plattencover von Cat Stevens, Rory Gallagher und Cockney Rebel, wechselte aber sehr schnell in die USA und wurde Teil der New Yorker Glam-Szene im Habitat von Lou Reed, Iggy Pop, Joan Jett und natürlich den Ramones, die er unbehelligt als schülerhaften Nachwuchs der Barockengel von Queen darstellen durfte. Er verschmähte keine Aufträge von Carly Simon oder Hall & Oates, aber seine bleibenden Bilder stammen aus dem geschlechterverwirrten Glam Rock, wie ihn die "Rocky Horror Picture Show" präsentiert. Als Standfotograf konnte Rock ihr eine halbe Ewigkeit garantieren. Zuletzt inszenierte er, als wär alles noch wie New Yorker Punk in den lauten, schweißtreibenden Siebzigern, die nachgeborene Miley Cyrus für ihr Album "Plastic Hearts" als Debbie Harry rediviva. Jetzt hat Rock, wie es am Donnerstag in einer Erklärung aus dem nächsten Umkreis im perfekten Wahn-Slang der Siebziger heißt, "seine Jungianische Reise auf die andere Seite angetreten". Mick Rock, der, wie er der New York Times einmal unvorsichtigerweise verriet, nach seiner wilden Jugend kein Fleisch mehr aß, keinen Alkohol trank und gern zusammen mit seinen Katzen fernsah, wurde 72, sein Astralleib aber bestimmt nie älter als 27.

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