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Fotografie: Juergen Teller:Nackt im Louvre

Für ein Foto von Juergen Teller tun Models fast alles. Aber ist er wirklich ein Künstler? Eine Nürnberger Werkschau in Bildern.

Birgit Sonna

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Kate Moss

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Für ein Foto von Juergen Teller tun Models fast alles. Aber ist er wirklich ein Künstler? Eine Nürnberger Werkschau.

Nie zuvor und nie wieder danach gab sich Victoria Beckham so possierlich. Den mageren Körper in eine monströse Einkaufstüte von Marc Jacobs gepackt, streckt Beckham nur ihre beiden keilabsatzbewehrten Beinchen aus dem Luxuslabel-Etui heraus. Schließlich sieht man das Fashion Victim aus der überdimensionierten Tüte krabbeln, die verschreckten Augen wie ein ertapptes Nagetier auf den Betrachter gerichtet. Im vergangenen Jahr fotografierte Juergen Teller diese kuriose Kampagne für den Modedesigner Marc Jacobs.

Kate Moss / Foto: Juergen Teller

Text: Birgit Sonna/SZ vom 11.12.2009/sueddeutsche.de/iko

Juergen Teller

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Der Mann, der vor einer Dekade die Modefotografie mit seinen blitzlichthellen und oft bewusst verunschärften Bildern revolutionierte, gilt als Agent Provocateur der Modewelt. Dank Tellers durchweg mit der flexibleren Kleinbildkamera geschossenen Fotos beginnt man selbst ausgemachte Zickenwesen in milderem Licht zu betrachten, während die glamoursüchtige Szene offenherzig ihre Blessuren, Narben, Abstürze anstelle aalglatter Schönheit zu Markte trägt. In der Kunsthalle Nürnberg liefert der Wahllondoner nun eine Art Heimspiel.

Teller ist in Erlangen geboren, seine Mutter und sein Onkel leben nach wie vor im fränkischen Bubenreuth. In die familiäre Zirbelstube kehrt der 45-Jährige auch immer wieder gerne zum leicht obszönen Inszenierungsspiel zurück.

2004: Aus der Serie Louis XV, Paris / Foto: Juergen Teller

Juergen Teller

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Ein Rätsel, wie er Stars jedweder Couleur die skurrilsten Verrenkungen entlockt. "Ich möchte eine hypnotisierende Wirkung auf das Subjekt ausüben", so Teller, "deshalb lasse ich gleich Kleinbildkameras beim Shooting wie bei einer Filmaufnahme laufen." Sogenannte Schlüsselbilder, in Deutschland entstanden, wollte Teller in dieser Soloschau präsentiert wissen: darunter die mittlerweile legendären Backstage-Aufnahmen mit dem erschöpften Model Kristen McMenamy 1996 für das SZ-Magazin. Für eine neuere Arbeit drückte ihm Gloria von Thurn und Taxis die Schlüssel zu ihrem Regensburger Schloss in die Hand, öffnete sogar ihren mit Punk-Klamotten der 1980er Jahre gefüllten Kleiderschrank.

2008: Aus der Serie Zimmermann, Bubenreuth / Foto: Juergen Teller

Juergen Teller

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Gerade dann, wenn Teller ohne Auftraggeber agiert, höhlt er allerdings den Ansatz lasziv choreographierter Langeweile bis zum Gähneffekt aus. Seine penetrante Nabelschau mit biographischen Teeniebezügen läuft zunehmend in die Leere. Teller ist dem bei Magazinfotografen grassierenden Virus erlegen, sich als autonomer Künstler beweisen zu wollen. Peinlich sei ihm früher die Bezeichnung "Modefotograf" gewesen, sagt er jetzt auf der Pressekonferenz. "Da denkt man doch automatisch an Männer, die nichts als Frauen kennenlernen, Macht ausüben und Geld verdienen wollen."

Mittlerweile ist ihm nichts mehr peinlich, nicht das Kokettieren mit dem eigenen Celebrity-Faktor, nicht das demonstrative Herausstrecken von nacktem Wanst vor der Kamera, nicht das infantile Schmusen in den mütterlichen Armen von Charlotte Rampling. Zusammen mit ihr gelang es Teller nun, nachts bis in die heiligen Hallen des Louvre vorzudringen. Dort fotografierte er Rampling sehr beiläufig als wertvoll wie ein Gemälde gealterten Akt neben eiskalten Marmorstatuen und seiner neuen Muse, dem brasilianischen Model Raquel Zimmermann.

2008: Santa Juergen, Venice / Foto: Juergen Teller

Juergen Teller

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Dabei sind die konzeptuell schärferen Arbeiten immer noch die im Modebusiness entstandenen. "New York, Paris, Milan I'm coming", heißt eine Modefotografie von 2004. Herausfordernd hat sich dazu eine kopftuchtragende Schönheit auf zerknitterte Reflexionsfolie in Gold und Silber geworfen. Zwischen den gespreizten Beinen sprudelt Champagnerschaum als Aphrodisiakum - ein recht sarkastischer Kommentar zu den Abgründen des Catwalks.

"Juergen Teller, Logisch!", bis 14. Februar. Info: www.kunsthalle.nuernberg.de

2004: New York, Milan, Paris I'm coming / Foto: Juergen Teller

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