Fotograf Kevin McElvaney Die Menschen vor der Kamera wirken wie Statuen

Agbogbloshie "Europas Giftmüll sollte in Europa bleiben"
Platz 14 - 14 aus 2014

Computer-Friedhof Agbogbloshie

"Europas Giftmüll sollte in Europa bleiben"

Dieser Ort in Ghana war einmal ein Paradies, heute ist er einer der weltweit größten Friedhöfe für elektronischen Müll: Agbogbloshie. Im Gespräch erzählt Umweltschützer Mike Anane, wie das Gift die Persönlichkeit von Kindern verändere und dass in letzter Zeit besonders viel Müll aus Deutschland komme.   Von Oliver Das Gupta

In Ghana gelang ihm später sein bislang größter Coup: Seine Fotos vom Computer-Friedhof Agbogbloshie gingen um die Welt. Schon früher war über Rechner, Mikrowellen und Monitore aus Europa berichtet worden, die am Rande der Hauptstadt Accra die Umwelt verseuchen.

Doch McElvaneys Bilder entfalteten eine besondere Wirkmächtigkeit, weil er sie inszenierte. Die Frauen und Männer, die Metalle aus dem Schrott holen und sich so allmählich vergiften, ließ der Fotograf auf Bildschirme und Rechner steigen. Wie Statuen schauen sie herab, wütend, lächelnd, traurig. Es sind Werke von ikonischem Charakter. Der Guardian, Al-Jazeera und selbst der rechte US-Sender Fox News veröffentlichten die Aufnahmen.

McElvaney, mit Hipster-Bart und kastanienbraunen Haaren, hat die Gesichter der Menschen von der Müllkippe lesbar gemacht. So hat er es mit den Menschen im Township getan, mit Palästinensern im Westjordanland, mit ultraorthodoxen Juden in Antwerpen. Und nun mit den Minenarbeitern des Kawah Ijen, die Tag für Tag in die Todeszone hinabsteigen.

Ultraorthodoxer Jude in Antwerpen

(Foto: Kevin McElvaney)

Aus Erdspalten am Rande des Kratersees drückt der Vulkan den Schwefel rot heraus, nachts leuchtet er blau, manchmal brennt er. Einheimische haben lange Rohre in die Quellen gesteckt, durch die der Schwefel blubbert. Er kühlt ab in den Rohren, seine Farbe wandelt sich in leuchtendes Gelb, er tropft auf den Boden und verfestigt sich.

Die Arbeiter zerhacken den Schwefel zu Klumpen, die sie in Körbe geben. Mehr als 70 Kilogramm schleppen sie auf den Schultern 300 Höhenmeter zum Kraterrand. Für gerade mal sechs Cent pro Kilo.

Als der Vulkansee explodierte

Dutzende Männer starben vor einigen Jahren, als der Vulkan seinen See zum Explodieren brachte. Trotzdem arbeiten die Einheimischen wieder im Feuerberg. Sie wissen um die Gefahr. Vor allem, wenn der Wind ausbleibt und sich der giftige Dampf um die Arbeiter legt. So wie an dem Tag, als McElvaney kommt.

Er resigniert fast, da schiebt eine Bö den Rauch weg. Er nimmt die Gasmaske ab, atmet durch und beginnt mit der Arbeit. So entstehen die Fotos vom Kawah Ijen, die die SZ nun exklusiv zeigt.

Wie machtvoll der Schwefel ist, hat McElvaney nach der Rückkehr nach Hamburg bemerkt. Auch nach mehrmaligem Waschen riecht seine Kleidung nach faulen Eiern.

Kevin McElvaney Im Feuerberg Bilder

Schwefelarbeiter im Vulkan Kawah Ijen

Im Feuerberg

Der Fotograf Kevin McElvaney ist von Hamburg nach Java geflogen, um die Schwefelarbeiter im Kawah Ijen zu besuchen. Die SZ zeigt eine Auswahl seiner Fotos.