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Fotoausstellung:Kobane: Auf die Zerstörung folgt die Hoffnung

"Die Luftangriffe, die zum größten Teil von Assad und seinen Verbündeten wie Russland ausgehen, sind für das größte Leid in Syrien verantwortlich", sagt Wiedenhöfer, während er die Ausstellung entlang läuft. Aber klar, da sei auch noch der Islamische Staat.

War on Wall

Im zerstörten Kobane sah Kai Wiedenhöfer auch Hoffnung.

(Foto: Kai Wiedenhöfer)

Darauf verweist eine andere Fotoserie Wiedenhöfers, die zwischen den Porträtfotos der Kriegsverletzten hängt: Panorama-Aufnahmen der zerstörten Stadt Kobane, kurz nachdem die Kurden sie vom Islamischen Staat zurückerobert haben. Im März 2015 reiste Wiedenhöfer dorthin und fand eine Stadt in Trümmern. Seine Aufnahmen zeigen riesige Schutthaufen, Straßen, die erst allmählich wieder freigeräumt werden, zerbombte Häuser, in denen vereinzelt noch die Bilder der früheren Bewohner an der Wand hängen.

Es werden noch viele Flüchtlinge kommen

Aus einem Fotostudio barg Wiedenhöfer Hochzeitsbilder und Bilder von Kindern in Märchenkostümen, die teilweise noch im Herbst 2014 aufgenommen worden waren. Sie bilden einen seltsamen Kontrast zu seinen eigenen Trümmer-Bildern, die die Vorstellung an ein gewöhnliches Leben in der zerstörten Stadt kaum zulassen.

Doch Wiedenhöfer zeigt sich heute noch beeindruckt von der Hoffnung, die die Bewohner Kobanes zum Ausdruck brachten. Die Stadt gegen den IS verteidigt zu haben, erfülle sie mit großem Stolz. "Ich habe überall gehört: Wir bauen das wieder auf", sagt er. Hoffnung und Stolz - das sind wertvolle Gefühle, die sich viele Menschen in Syrien zurzeit nicht leisten können.

Das möchte Wiedenhöfer den Deutschen immer wieder ins Gedächtnis rufen. Zu lange habe der Krieg in Syrien die Menschen in Deutschland nicht interessiert. "Erst, als im vergangenen Jahr die Flüchtlinge zu uns kamen, war das Thema auf einmal präsent", sagt er. Und nun lehnten sich die Menschen angesichts des Türkei-Deals und der abgeriegelten Balkan-Route schon wieder zurück. "Dabei ist eines klar: Sollte Assad diesen Krieg gewinnen, dann werden mehr Flüchtlinge hierher kommen, als wir es uns jetzt vorstellen können", sagt der Fotograf. Denn für viele Syrer sei es inzwischen undenkbar, unter Assad weiterzuleben.

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