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Foto-Ausstellung "Beyond Faces":Seelen hinter der Stirn

Als Ex-Model weiß sie, wie es sich anfühlt, vor der Kamera zu stehen. Inzwischen postiert sich Romney Müller-Westernhagen hinter der Linse - als Fotografin, deren Porträts nun in der Berliner Galerie "Camera Work" zu sehen sind. Sie präsentiert Aufnahmen, die die Seelen von Menschen wie Wladimir Klitschko, Ehemann Marius oder einem tätowierten Gangster aus Kapstadt freilegen.

Paul Katzenberger

11 Bilder

Romney Mueller-Westernhagen fotografiert 'Beyond Faces'

Quelle: dapd

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Als Ex-Model weiß sie, wie es sich anfühlt, vor der Kamera zu stehen. Inzwischen postiert sich Romney Müller-Westernhagen hinter der Linse - als Fotografin, deren Porträts nun in der Berliner Galerie "Camera Work"  zu sehen sind. Sie präsentiert Aufnahmen, die die Seelen von Menschen wie Wladimir Klitschko, Ehemann Marius oder einem tätowierten Gangster aus Kapstadt freilegen.

Der Anspruch Mülller-Westernhagens ist hoch: "Ich bin immer bestrebt, die Seele der Menschen auf den Fotos zu erkennen", sagt die Ehefrau von Rock-Urgestein und Schauspieler Marius Müller-Westernhagen. Bis zum 22. September will das ehemalige Model in der Ausstellung "Beyond Faces" in Berlin nun erstmals auf circa 40 Aufnahmen von Politikern, Schauspielern, Künstlern, Sportlern und Menschen im Alltag demonstrieren, wie sehr sie hinter die Fassaden blicken kann.

Romney Müller-Westernhagen mit Ehemann Marius bei der Berlinale 2010.

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Quelle: Romney Müller-Westernhagen

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Um die Seele der Menschen zu erreichen, rede sie beim Fotografieren viel mit den Porträtierten, sagt Romney Müller-Westernhagen.

Die Fotografien sind an Orten wie New York, Südafrika, Südostasien oder auch im Umkleideraum der Esprit-Arena in Düsseldorf entstanden. Hier fotografierte Romney im Frühjahr 2010 den Boxweltmeister Wladimir Klitschko direkt nach seinem Kampf gegen den Amerikaner Eddie Chambers, den der Ukrainer in der 12. Runde schwer k.o. geschlagen hatte.

Da ihr Mann Marius Müller-Westernhagen vor dem Kampf aufgetreten sei, habe sie ihn direkt nach seinem Sieg in der Garderobe fotografieren dürfen.

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Müller-Westerhagen, die sich als Reportagefotografin und Street Photographer bezeichnet, wagt sich auch an Experimente, wie beispielsweise bei dieser Aufnahme des Künstlers Jonathan Meese. Die ausstellende Galerie "Camera Work" bezeichnet es als expressives Porträt.

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Ihr Ehemann Marius Müller-Westernhagen ist nach den Worten der gebürtigen New Yorkerin einfach zu fotografieren. Vor der Kamera sei er professionell und zugleich er selbst. Der Schauspieler ("Theo gegen den Rest der Welt") wisse genau, wie er sich bei Porträtaufnahmen zu verhalten habe, so die Künstlerin.

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Auch das Konterfei Joschka Fischers findet sich in Müller-Westernhagens Galerie der Köpfe. Fischer und seine Gattin Minu Barati-Fischer, die als Filmproduzentin tätig ist, sind mit Müller-Westernhagen gut bekannt. Bei der Premiere von Minu-Baratis Komödie "Ausgerechnet Sibirien" zeigte sich Müller-Westernhagen in Begleitung des Ehepaars Fischer.

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Ein Porträt in Müller-Westernhagens Ausstellung zeigt den ehemaligen Fußballtorwart Jens Lehmann. Ob seine Gesichtszüge sanft und emotional sind, wie die Fotografin sagt, oder der melancholische Blick eines sensiblen Menschen gezeigt werde, wie die Galerie Camera Work mitteilt, sei dahin gestellt. Auf jeden Fall steht die Fotografie Lehmanns im Gegensatz zu dem Image, das von ihm in der Öffentlichkeit existiert.

Die meisten Menschen würden Lehmann nur auf dem Fußballfeld kennen, sagt die Fotografin dazu: "Voller Adrenalin und Aggression." Privat sei er ganz anders. Das wolle sie in dem Porträt zeigen. "Wir kennen ihn sonst nur im Gladiator-Modus."

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Auf ungewohnte Weise blickt auch Frank-Walter Steinmeier auf den Betrachter seines Porträts. Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion wechselte zuletzt häufiger sein Brillengestell - nach der kantigen Hornbrille, mit der er noch im Juni 2012 auftrat, saß zuletzt wieder ein dezenteres Gestell mit runden Gläsern auf seiner Nase. Auf dem Bild Müller-Westernhagens wirkt der 56-Jährige ohne seine Brille nachdenklicher und schutzloser als auf den Pressefotos aus dem Politikbetrieb.    

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Um den deutsch-persischen Modeschöpfer Boris Bidjan Saberi aufzunehmen habe ihrer Überredungskünste bedurft, erzählt Müller-Westernhagen: "Der junge Künstler ist extrem schüchtern und war zunächst nicht bereit, sich fotografieren zu lassen. Aus dem Grund ist diese Aufnahme eine der ersten in meiner Serie."

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Das Porträt "Victoria, rauchend" zeigt eine junge Köchin aus Südafrika. "Ich fand sie vor der Kamera inspirierend, weil sie wie ein italienischer Filmstar der fünfziger Jahre wirkt", sagt Romney Müller-Westernhagen. 

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Ihr Werk "Linda Chang 1" sei durch Lindas Geheimnis inspiriert worden, so Müller-Westernhagen: "Neben ihrer Ruhe ist unendlicher Frieden in ihrem Antlitz." 

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Bei dem Bild "Banden-Mitglied Nr. 2", das in Südafrika entstanden ist, habe sie ihren Blick bewusst in eine andere Richtung gelenkt, sagt Müller-Westernhagen: "Ich wollte die Art von Gesichtern dokumentieren, die wir im Normalfall nicht sehen. Es ging mir um Menschen, die in Armut leben, und die um ihren Platz und Akzeptanz in ihrer Gemeinschaft kämpfen."

Romney Müller-Westernhagen ist in New York geboren und dort aufgewachsen. Sie studierte an der Parsons The New School for Design Modeillustration und Grafikdesign. Nach ihrem Abschluss zog sie nach Europa, entwarf für italienische Modeunternehmen Kataloge und konnte sich als Illustratorin etablieren. Später war sie selbst als Model 13 Jahre lang für Label wie Chanel, Azzedine Alaia, Yojhi Yamamoto, Versace und Jil Sander tätig. In der Folge entwickelte sich bei der Autodidaktin ein Interesse am Medium der Fotografie als Kunstform. Ab dem Jahr 2001 wurde sie in den Genres Reportagephotographie und Street Photography tätig. Romney Müller-Westernhagen lebt und arbeitet mit ihrem Ehemann Marius in Berlin und Südafrika.

Die Galerie "Camera Work" in Berlin zeigt die Ausstellung Beyond Faces von Romney Müller-Westernhagen vom 11. August bis zum 22. September.

© Süddeutsche.de/pak/lala
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