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Zum Tod von Florian Hufnagl:Kurator der Dingwelt

Florian Hufnagl leitete Die Neue Sammlung, die in der Pinakothek der Moderne in München, aber auch im Neuen Museum in Nürnberg den Bereich Design verantwortete.

(Foto: Catherina Hess)

Florian Hufnagl leitete 23 Jahre lang Die Neue Sammlung in München und hat mit seinem genauen Blick das Verständnis von Design geprägt.

Was haben handgemalte Filmplakate aus Ghana, die uralte Tradition der Urushi-Lackkunst aus Japan und DDR-Design miteinander zu tun? Auf den ersten Blick eher wenig und dann doch sehr viel. Zumindest wenn man das Glück hatte, die so unterschiedlichen Themen in den Ausstellungen und damit durch die Augen von Florian Hufnagl zu sehen. Denn der langjährige Chef der Neuen Sammlung, das Staatliche Museum für angewandte Kunst in München (heute The Design Museum), besaß die meisterliche Fähigkeit, die schier unbegreifliche Vielfalt von Design dingfest zu machen, als Ausdruck des menschlichen Gestaltungswillen, der bitteschön mehr umfasst als nur das Produkt. "Im besten Fall ist Design Kommunikation: Es bietet die Möglichkeit, voneinander zu lernen und sich anregen zu lassen."

Der Blick des stattlichen Hünen, den man immer mit verstrubbeltem Haar antraf, auf das Design war so genau wie weitschweifend und das, obwohl Hufnagl, 1948 als Sohn eines Münchner Architekten geboren, sein ganzes Leben an der Isar verbrachte. Er studierte dort Kunstgeschichte, Archäologie und Geschichte, volontierte am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und lehrte, neben seiner Tätigkeit für Die Neue Sammlung, wo er ab 1980 als Konservator arbeitete, bevor er 1990 für 23 Jahre die Leitung übernahm, an der LMU Kunstgeschichte und als Honorarprofessor an der Akademie der Bildenden Künste. Doch München war eben nicht immer dieser selbstzufriedene Ort als der er heute oft erscheint. Gleich nach dem Abitur half Hufnagl dem Kunstsammler und Jetset-Liebling Gunter Sachs bei seinem privaten Modern Art Museum München. Später assistierte er Siegfried Wichmann bei der Megaschau "Weltkulturen und Moderne Kunst", die hier anlässlich der Olympischen Spiele 1972 stattfand.

Gut möglich, dass diese Querdenker Hufnagl inspiriert haben. Er hielt nichts vom "Schachterldenken", weswegen für ihn die Pinakothek der Moderne als spartenübergreifendes Museum, wo Kunst, Architektur und Design sich gleichrangig gegenüberstehen, nichts weniger als das Museum der Zukunft war. "Das 20. Jahrhundert ist multimedial." Die Eröffnung 2002 kam dann einem Befreiungsschlag gleich, hatte Die Neue Sammlung zuvor doch nur 300 Quadratmeter im Bayerischen Nationalmuseum gehabt. Jetzt prägte sie das ganze Haus, mit dem Schaukasten, aber auch der Dauerausstellung zur Geschichte des Designs. Unter dem leidenschaftlichen Sammler und Jäger wuchs die Sammlung auf etwa 100 000 Objekte an und wurde die größte der Welt. Das ist Schatz und Bürde zugleich, gerade weil keine Museumssparte so im Umbruch steht wie die des Designs. Gedanklich hat der Museumsmann diese Revolution schon vorbereitet. Nun ist Florian Hufnagl nach langer Krankheit mit 72 Jahren gestorben.

© SZ vom 04.01.2020/cag

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