Fische Karpfenkalender

Er ergibt nicht nur berühmte Gerichte, nein, der Karpfen inspirierte den Fotografen Hendrik Pöhler auch zu einem Landschaftskalender. Die leicht bekleideten Frauen, die die Fische halten, stehen dabei praktisch gar nicht im Weg.

Von Rudolf Neumaier

Manche Angler bezeichnen den Karpfen als Wasserschwein. Das liegt wohl an seiner Lebensweise. Er suhlt sich lieber - wie die Sau - im Schlamm, als sich auf kiesigem Untergrund die Flossen aufzukratzen. Der Karpfen ist ein durch und durch gemütlicher Kerl und wesentlich besserer Schwimmer, als man ihm zutrauen würde.

Da es als unanständig gilt, Menschen mit Tieren zu vergleichen, es aber durchaus zulässig ist, Tiere anhand von Menschen zu beschreiben, lässt sich der Karpfen ungefähr als Mischung aus Obelix, Kanzleramtsminister Peter Altmaier, Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Ottfried Fischer charakterisieren. Allerdings hat der Karpfen im Gegensatz zu diesen Männern das Pech, dass der Mensch auf den Trichter kam, ihn zu Mahlzeiten zu verarbeiten. Denn wenn sein Fleisch richtig zubereitet wird und vor allem die vielen Y-Gräten im Filet unschädlich gemacht sind, stellt der Karpfen jede launische Forelle und jeden noch so tollen Hecht locker in die Ecke. Wer winters Gegenden wie Oberfranken und die Oberpfalz bereist und im Restaurant etwas anderes bestellt als Karpfen blau, Karpfen in Rieslingsoße oder Karpfen im Bierteig, verschmäht eine Delikatesse. Schon Goethe konnte abends und gleich am nächsten Morgen wieder Karpfen essen - allerdings vornehmlich mit polnischer Soße, wie er seiner Frau Christiane schrieb. Und bei den alten Abruzzern galt: "Chi mangia carpione, non è babbione" (Wer Karpfen speist, sich nicht als Depp erweist).

Vor einigen Jahren stieg der Karpfen (lateinisch cyprinus carpio) zu einer Kultfigur auf. Die Fantasie des Karpfenfreundes und Fotografen Hendrik Pöhler aus Emstek in Niedersachsen hat der Fisch zu einem Kalender inspiriert. Pöhler lässt seine Karpfen statt auf dem Herd in voller Pracht sowie in freier Natur posieren. Ins Bild gehalten werden sie von Frauen, ansonsten sind die Kalenderblätter nackt - auf Kalendersprüche verzichtet Pöhler. Allein der Karpfen soll wirken. Dabei gäbe es tiefe Karpfen-Weisheiten, über die man mal nachdenken müsste. "In die Angel der Wahrheit beißen nur Karpfen. Mit dem Netz der Lüge fischt man Lachse."