Filmtipp des Tages München im Zerrspiegel

(Foto: Deutsche Exotik)

Regisseur Philipp Dettmer gewährt Einblick in den Alltag der Münchner

Da ist die junge Frau, die vor den Glockenbachsuiten steht und sich beklagt . Nicht etwa über die Glockenbachsuiten, wie das einige Münchner tun, sondern über den Kiosk gegenüber ("Schandfleck"), über Lärm und Leute ("stinkendes Gesocks"). Oder der alte Herr, der über den öffentlichen Nahverkehr spricht. Er schimpft nicht, er lobt ("Wintereinbrüche stellen überhaupt kein Problem dar"). Der Independent-Filmer Philipp Dettmer ("Nightsession") hält seiner Stadt in "089" den Zerrspiegel vor. Schelmisch, verrückt, in hoher Frequenz. Seine satirische Collage ist weder Dokumentarfilm (aber mit dokumentarischen Elementen) noch Spielfilm, eher ein überdrehter Hybrid ("Hyper Hybrid" hieß Ende 2017 ein von Dettmer initiiertes Festival im Werkstattkino). Schauspieler parodieren Kulturschaffende, ein "Die Partei"-Politiker erklärt als "kompetenter Leiter Kompetenzteam" einer Kulturjournalistinnendarstellerin im Minikleid das Kreativquartier. Was gespielt, was persifliert, was spontan und echt ist, bleibt ebenso offen wie die Frage, was eigentlich mit dem Typen nicht stimmt, der vom Monopteros herunterjault wie ein Werwolf. Das Ende der Filmrevue, die bis Montag im Werkstatt die perfekte Heimat gefunden hat, gehört der Kellerbar "Bergheini".

089 - Big Trouble In Little Minga, Regie: Philipp Dettmer, Do., 6. Juni, 18 Uhr, weitere Vorstellungen täglich bis Mo., 10. Juni, Werkstattkino, Fraunhoferstraße 9, t 260 72 50