Süddeutsche Zeitung

Filmtipp des Tages:Das nackte Überleben auf dem Lande

Eine skurrile Komödie zeigt das solidarische Miteinander in Krisenzeiten

Dass Nacktheit medienwirksam ist, fotografisch oder in Worten festgehalten, ist bekannt. Blank ziehen für das nackte Überleben, die Strategie verfolgt Georges Balbuzard, Bürgermeister der Gemeinde Mêle-sur-Sarthe in der Normandie. Die Landwirte protestieren, denn sie leiden existenziell unter den sinkenden Fleisch- und Milchpreisen. Daher nutzt Balbuzard (François Cluzet, "Ziemlich beste Freunde") die Gunst des Zufalls, um die öffentliche Aufmerksamkeit auf ihre prekäre Lebenssituation zu lenken. Der New Yorker Fotograf Blake Newman (Toby Jones, "Die Tribute von Panem", "Snowwhite and the Huntsman") hat sein Kommen angekündigt. Für seine Massenakt-Fotografien vor idyllischer Landschaft genießt Newman einen hohen Bekanntheitsgrad. Eigens dazu angereist, will er ausgerechnet in Mêle-sur-Sarthe ein solches Projekt verwirklichen. Das Motiv auserkoren, fehlen dem Amerikaner einzig noch die Aktdarsteller. Trotz Balbuzards Überzeugungsarbeit wollen sich die Dorfbewohner die doppelte Blöße nicht geben - noch nicht. Schließlich heißt die Komödie des französischen Regisseurs und Drehbuchautors Philippe Le Guay im deutschen Titel "Ein Dorf zieht blank" (). Die skurrile Komödie entblößt einerseits den realpolitischen Notstand vieler Landwirte, zeigt andererseits aber auch das solidarische Miteinander in Krisenzeiten.

Ein Dorf zieht blank , Regie: Philippe Le Guay, in ausgewählten Kinos.

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Quelle:
SZ vom 16.08.2018 / rihi
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