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Filmstudios:Revolution gegen die Maus

World of Avatar

Die Rechte, aus „Avatar“ einen Park zu machen, hatte Disney schon. Nun folgte das ganze Fox-Filmstudio.

(Foto: Disney)

Warum es sich als gute Nachricht fürs Kino erweisen könnte, dass Disney das Filmstudio Fox gekauft hat. Denn jetzt müssten die anderen sich abheben.

Nachdem die Disney Company am Donnerstag große Teile des Unterhaltungskonzerns 21st Century Fox gekauft hat, dürfte Joe Rohde vermutlich eine Flasche Champagner aufmachen. Oder vielleicht eher eine Flasche Rum, denn der Mann sieht mit seinen großen bunten Ohrringen und dem Kinnbart mehr nach dem Phänotyp Pirat aus "Fluch der Karibik" aus. Rohde ist einer der führenden Köpfe von Walt Disney Imagineering, jener Abteilung des Mauskonzerns, die für neue Attraktionen in den Vergnügungsparks zuständig ist.

Beim Gespräch im Sommer auf dem Gelände des Disneylands bei Los Angeles schwärmte der 62-Jährige von der Themenpark-Traumwelt, die er zuletzt drüben in Florida betreut hatte: "Pandora". Eine Art Erlebnis-Arena, inspiriert vom erfolgreichsten Film aller Zeiten, James Camerons "Avatar". Um die Lizenz für dieses Parksegment zu bekommen, das letzen Mai eröffnet wurde, mussten die Disney-Leute hart kämpfen, denn "Avatar" gehört dem Fox-Studio von Rupert Murdoch. Aktuell plant Cameron vier Fortsetzungen bis zum Jahr 2025, an den ersten beiden dreht er bereits. So eine wertvolle Marke hätten sie bei Disney, wo man schon seit Jahren erfolgreich Popkultur-Shopping betreibt, auch gerne im Repertoire. Deshalb ist "Avatar" einer der Gründe, warum Disney große Teile des Fox-Konzerns aufgekauft hat, darunter auch das traditionsreiche Filmstudio 20th Century Fox, wie diverse US-Medien berichten. Der stolze Preis: 52,4 Milliarden Dollar. Es ist eine der größten Übernahmen in der Geschichte der amerikanischen Unterhaltungsindustrie.

Disney hat die Bereiche FSK 0 bis FSK 12 für sich abgesteckt. Aber Erwachsene wollen ja auch Filme

Disney gehören bereits das Animationsstudio Pixar, die Marvel-Studios sowie "Star Wars". Diese Markenübermacht zeigt sich natürlich an der Kinokasse. Letztes Jahr stammten die fünf erfolgreichsten Filme weltweit aus dem Hause Disney. Auch 2017 sind bereits vier Disney-Filme unter den Top Ten der erfolgreichsten Filme, und bis zum Jahresende dürfte sich auch noch "Die letzten Jedi", der achte "Star Wars"-Teil, dazugesellen.

Mit dem Fox-Deal könnte der Siegeszug - und damit der Abstand zu den verbleibenden vier großen Konkurrenz-Studios in Hollywood - künftig noch krasser ausfallen. Aber nicht nur im Kino will Disney mit dieser Strategie seine Macht ausbauen, denn Bob Iger, 66, der Chef des Konzerns, denkt nicht in Filmen, sondern in Themenwelten. Er ist vor allem an Stoffen interessiert, die sich nicht nur auf der Leinwand, sondern auch im Disney Channel, im Disney Store und im Disneyland bei Joe Rohde verwerten lassen. Iger sagte, ebenfalls im Sommer in Los Angeles, dass man bei Disney regelmäßig tolle Drehbücher ablehnen müsse, weil sie nicht in dieses Konzept der Komplettverwertung passen.

Sehr wohl in dieses Konzept passen aber die Fantasy-Welten aus "Avatar" oder Superhelden wie die X-Men, alle in Fox-Besitz. Weshalb Kino-Pessimisten, die dem ganzen Franchise- und Fortsetzungswahn in Hollywood schon seit Jahren skeptisch gegenüberstehen, angesichts dieses Deals die endgültige Disneyfizierung des amerikanischen Films prophezeien. Aus Bob Igers Sicht ist genau das auch der Plan, denn er will ab 2019 einen Streaming-Dienst anbieten, auf dem nur hauseigene Titel abrufbar sein sollen; und um anderen Anbietern wie Netflix Konkurrenz machen zu können, braucht er dafür natürlich jede Menge Hochglanz-Mainstream-Stoff. Noch mehr "Star Wars", noch mehr "Captain America", noch mehr recycelte Disney-Klassiker wie "Das Dschungelbuch" und "Die Schöne und das Biest".

Die Überlegung, dass Hollywood deshalb künftig nur noch ein Synonym für Disney sein könnte, greift aber zu kurz. Denn vielleicht könnte sich der Kauf von Fox für die Disney-Konkurrenz als genau der Weckruf erweisen, den die verbliebenen großen Studios so bitter nötig haben, wenn sie weiterhin relevante Filme machen und Filmgeschichte schreiben wollen. Sony, Warner, Universal und Paramount machen derzeit nämlich in vielen Fällen nicht mehr, als Disney-Produkte zu kopieren und ähnlich aussehende Action- und Animationsfilme zu produzieren. Dass bloße Kopien anderer Erfolgsrezepte aber nicht zur Konkurrenzfähigkeit beitragen, hat man in den letzten Jahren schon auf dem heiß umkämpften Streaming-Markt gesehen. HBO, Netflix, Hulu und Amazon haben deshalb nicht die Mainstream-Konzepte des alten linearen Fernsehens kopiert, sondern an Alleinstellungsmerkmalen gearbeitet, was zu einer gesunden Konkurrenz und einer regelrechten Inflation guter Serien geführt hat. HBO konnte keine Kopie von Netflix' "House of Cards" gebrauchen, um Abonnements zu verkaufen, sondern wollte ein Alleinstellungsmerkmal wie "Game of Thrones".

Sollte es durch die Großoffensive von Disney eine ähnliche Gegenbewegung im Kinobereich geben, wäre das Blockbuster-Einerlei der letzten Jahre vielleicht endlich nicht mehr das Einzige, was aus Hollywood kommt. Da Disney die Bereiche FSK 0 bis FSK 12 abgesteckt hat, mit Filmen und Nebenprodukten, die für die ganze Familie auf der ganzen Welt funktionieren, könnten es die anderen Studios zum Beispiel mal wieder mit weniger Trickfiguren aus dem Computer und echter Erwachsenenunterhaltung probieren, die nicht zwangsweise jugendfrei sein muss, um zu funktionieren.

© SZ vom 15.12.2017

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