Neu in Kino & Streaming:Welche Filme sich lohnen - und welche nicht

Lesezeit: 3 min

Neu in Kino & Streaming: "Der beste Film der Welt"? Hat das Potenzial, zum schlechtesten Film des Jahres zu werden. Mit dabei: Penélope Cruz als Regisseurin Lola Cuevas.

"Der beste Film der Welt"? Hat das Potenzial, zum schlechtesten Film des Jahres zu werden. Mit dabei: Penélope Cruz als Regisseurin Lola Cuevas.

(Foto: Manolo Pavon/Manolo Pavon)

Ein notorischer Lügner in "Axiom", "Der beste Film aller Zeiten" mit Penélope Cruz und eine neue Doku über Prinzessin Diana. Die Starts der Woche in Kürze.

Von den SZ-Kritikern

Abenteuer eines Mathematikers

Nicolas Freund: Stan ist verzweifelt. In seiner Heimat Europa tobt Krieg, und er sitzt in New Mexico in der Wüste, wo er mit an der Wasserstoffbombe baut, die den Frieden sichern soll, seiner schwangere Frau aber nur Angst macht. Er streitet mit Kollegen über den Sinn des ganzen Projekts und dann ist da noch der kleine Bruder in Harvard, ja, was macht der eigentlich gerade? Der deutsche Regisseur Thorsten Klein hat das Leben des polnischen Mathematikers Stanisław Ulam basierend auf dessen Autobiografie verfilmt und legt den Schwerpunkt auf die zwischenmenschlichen Beziehungen. Dabei kommt neben der souveränen Kameraarbeit und den pointierten Dialogen ausgerechnet das Emotionale dieser eigentlich sehenswerten Biografie etwas zu kurz.

Axiom

Annett Scheffel: Ein junger Mann, um die 30, Museumswärter, schlau, nach außen souverän. Den Kollegen erzählt er vom adeligen Stammbaum und einer Segelyacht, die es nicht gibt. Der WG vom Stipendium in Japan. Für seine neue Freundin ist er Architekt. Ständig stülpt er sich ausgedachte Identitäten oder geklaute Anekdoten über. Jöns Jönssons stilles Drama kreist um einen zwanghaften Lügner. Ein Mensch als große Leerstelle. Eine zunächst unterhaltsame, aber ganz und gar ungreifbare Figur, der man zwischen all den Ausreden und Ablenkungsmanövern am Ende nicht viel nähergekommen ist als am Anfang.

Der beste Film aller Zeiten

Philipp Stadelmaier: Mariano Cohns und Gastón Duprats Groteske, in der eine narzisstische Starregisseurin (Penélope Cruz) mit zwei narzisstischen Schauspielern (Antonio Banderas, Oscar Martínez) den "besten Film aller Zeiten" (?) drehen soll, ist dermaßen zynisch, trist und leer, dass sie Potenzial hat, zum schlechtesten Film des Jahres zu werden: willkommen in der auf "Selbsthass" gestellten Statusmeldung einer Kunstform, der es einmal darum ging, Bilder zu schaffen, die im Gedächtnis bleiben.

Mein Name ist Violeta

Eva Goldbach: Violeta ist gerade 11, hieß früher Ignacio und ist ein Transmädchen. Das wissen sie und ihre Familie schon lange. Ihre Eltern unterstützen sie, das ist aber nicht normal. Violetas Vater betont, er habe am meisten Angst vor der Gesellschaft. Andere Transpersonen, die in der Dokumentation von David Fernández de Castro und Marc Parramon vorkommen, berichten nämlich von tragischen Schicksalen. Mobbing, Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche oder von Prostitution als einzigem Ausweg. Beim Vorstellungsgespräch laufe alles noch gut, dann komme der Vertrag und wenn man als Geschlecht trans angebe, verliere man die Arbeit nach ein paar Tagen wieder, beschreibt zum Beispiel Iván. Ein Film über Schicksale, die stellvertretend für die vieler Transpersonen stehen.

Der menschliche Faktor

Susan Vahabzadeh: Jan (Mark Waschke) hat die Werbung für eine Partei am Rand übernommen, seine Frau Nina (Sabine Timoteo), Miteigentümerin der Agentur, ist damit nicht einverstanden. Die beiden sind mit ihren Kindern ins Ferienhaus nach Belgien gefahren, um sich auszusprechen - aber kurz nach der Ankunft sind Leute im Haus, nur Nina ist ihnen begegnet. Was ist passiert, wer glaubt wem? Ronny Trocker erzählt eine Familiengeschichte mit doppeltem Boden, mit sehr genau gezeichneten Figuren und einer bitteren Erkenntnis: Auch Liebe und Zusammenhalt sind eine Frage der Wahrnehmung.

Minions - Auf der Suche nach dem Mini-Boss

Josef Grübl: Sie stecken im Flugzeug-Klo fest, hauen sich Bretter gegen den Kopf und rollen die Straßen von San Francisco hinunter: Die gelben Spaßbomben aus dem Hause Illumination Entertainment sind auch in ihrem zweiten Solo-Film herrlich respektlos und hemmungslos infantil, ihr Humor ist direkt und kommt fast ohne Worte aus. In dem Animationsfilm von Kyle Balda geht es ins San Francisco der Siebzigerjahre, ein junger Schurke möchte böse werden, ein alter Schurke entdeckt seine netten Seiten. Und die Minions sorgen für Chaos und Anarchie, sie sind gaga wie eh und je. Das kann man doof finden oder saukomisch, eine gnadenlosere Komödie wird man diesen Kinosommer aber kaum finden.

The Princess

Kathleen Hildebrand: Natürlich kennt sie kaum jemand nicht, die Geschichte der schüchternen jungen Frau, die durch Märchenhochzeit und viel Leid zur berühmtesten Frau der Welt wurde. Wie der Dokumentarfilmregisseur Ed Perkins hier das Leben von Lady Diana erzählt, oder eher: sich selbst erzählen lässt, ist trotzdem spannend. Er fügt ausschließlich Archivmaterial zusammen, es gibt keinen Kommentar außer dem von Zeitgenossen aus alten Fernsehmitschnitten. Perkins nutzt nur Musik und die Bilder, um zu deuten: Als es zur tiefen Ehekrise zwischen Diana und Charles kommt, sind Videoaufnahmen einer herbstlichen Jagd zu sehen, irgendwo in England. Es ist dunkel, neblig, und die Hasen fliehen panisch vor den Hunden.

Wie im echten Leben

Fritz Göttler: Majestätisch liegt sie im nächtlichen Hafen von Ouistreham, die Autofähre, mit ihrer geheimnisvollen Illumination. Im Film des Schriftstellers Emmanuel Carrère erlebt man sie von der unglamourösen Seite, mit der Putztruppe, die bei jedem Anlegen an Bord muss, 230 Kabinen, für jede 4 Minuten, Betten, Toiletten, Spiegel. Juliette Binoche ist Marianne Winckler, eine Schriftstellerin, die vor Ort recherchieren will, wie das ist mit den rigiden neuen Arbeitsverhältnissen, dem Prekariat. Carrère hat sie mit lauter Nichtschauspielerinnen umgeben, die unglaubliche Intensität ausstrahlen in ihrer Würde, ihrem Stolz, ihrer Enttäuschung und Demütigung. Freundschaften entstehen, eine Liebe - und ein brennender Traum von Zugehörigkeit, zu dieser Welt, diesen Frauen, für immer.

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