Filmstarts der Woche:Welche Filme sich lohnen und welche nicht

"Kroos" überzeugt mit Gefühl fürs Timing. In "Spider Man: Far From Home" wirkt dieser angesichts neuer Herausforderungen ein bisschen kastriert.

Von den SZ-Kinokritikern

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Annabelle 3

Annabelle 3

Quelle: Warner Bros. Entertainment Inc.

Die Horror-Puppe aus dem "Conjuring"-Universum ist zurück. Diesmal spielt der Film im Haus der Dämonenjäger-Familie Warren. In einem Kellerraum sammeln Ed und Lorraine paranormale Artefakte. Als sie unterwegs sind, erweckt Annabelle die böse Kraft der Geister im Haus. Die Jagd auf Tochter Judy und ihre Babysitterinnen beginnt. Das vor allem in den ersten zwei Dritteln großartig gruselige Regiedebüt von Gary Dauberman funktioniert auch ohne Vorwissen als eigenständiger Film.

Maximilian Senff

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Apollo 11

Apollo 11

Quelle: Copyright 2019 Piece of Magic

Am 20. Juli 1969 landeten die ersten Menschen auf dem Mond, kurz darauf machte Neil Armstrong seinen berühmten Spaziergang. Zum 50. Jubiläum erzählt Todd Douglas Miller die Geschichte der ersten Mondlandung noch einmal neu, mit Hilfe von originalen, zu größeren Teilen unbekannten 70mm-Filmaufnahmen der Nasa und 11 000 Stunden Audiomaterial. Einen Kommentar oder Interviews gibt es nicht - der Film ist monumentales Cinema verité. Space-Nerds werden ihn lieben, aber auch alle anderen versetzt er in eine Zeit, in der die Zukunft noch ein Abenteuer und funkelndes Versprechen war.

Martina Knoben

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Don't Give a Fox

Don't Give a Fox

Quelle: Copyright Rise and Shine Cinema

Kaspar Astrup Schröders Dokumentarfilm begleitet eine Skateboard-Crew: Die jungen Frauen - jede mit eigenen Wünschen und Unsicherheiten - fahren auf ihren Boards gemeinsam durch die Vororte von Kopenhagen und durchs Leben, stürzen und stehen wieder auf, alles in inniger Verbundenheit. Eine Coming-of Age-Erzählung, in der eigentlich nicht viel passiert und die trotzdem nicht weniger ist als die Essenz eines Sommers in stimmungsvollen Bildern: ein Roadtrip im pinken VW-Bus, Identitätskrisen an Badeseen, wilde Partys - und der schöne Mut auf den vier Rollen einer von Männern dominierten Kultur zu stehen.

Annett Scheffel

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Erde

Erde

Quelle: Copyright NGF

Er versetze Berge. So beschreibt ein Mann seinen Job in Nikolaus Geyrhalters Dokumentarfilm. In weiten, ruhigen, so brillant fotografierten wie beklemmenden Bildern zeigt Geyrhalter den Raubbau des Menschen an der Erde. Rohstoffförderung nennt sich das, wenn sie umgegraben, ausgehöhlt, ihre Oberfläche gerodet oder gesprengt wird. Die Ingenieure und Arbeiter, mit denen Geyrhalter spricht, finden selbst keine guten Gründe, warum sie die Welt so plündern. Sie wirken winzig - verglichen mit den Erdmassen, die sie bewegen, aber auch innerhalb eines Wirtschaftssystems, das sich wie auf Autopilot Richtung Selbstzerstörung bewegt.

Martina Knoben

5 / 13

Geheimnis eines Lebens

Kinostart - 'Geheimnis eines Lebens'

Quelle: dpa

Der Theaterveteran Sir Trevor Nunn ist hier auf Abwegen, seine Heldin Joan ist eine Spionin im Kalten Krieg. Sie gerät an der Universität Cambridge in den dreißiger Jahren an Kommunisten, später ist sie als Wissenschaftlerin bei der Entwicklung der britischen Atombombe dabei - und sorgt dann, quasi zur Rettung der Welt, für ein Gleichgewicht der Kräfte. Judi Dench spielt Joan als alte Dame, ansonsten ist hier vorwiegend das britische Selbstverständnis interessant, und die seltsame Umdichtung einer eher unrühmlichen wahren Geschichte zum Heldenepos.

Susan Vahabzadeh

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Kaviar

Kaviar

Quelle: Copyright Camino Filmverleih GmbH

Eine ungewöhnliche Vision vom neuen Wohnen, ersonnen und angeleiert von Igor, dem russischen Oligarchen in Wien - wo, wie man weiß, einfach alles geht. Auf der Schwedenbrücke will Igor seinen neuen Palast errichtet haben, und mit einem Koffer voller Geld wird er die benötigten Geschäftemacher und Bürokraten dafür schmieren. Kontraproduktiv dazu arbeiten im ersten Film von Elena Tikhonova nur drei energische, kreative Frauen dagegen an, die es selber auf das Geld abgesehen haben. Dazu ist Geld halt da ... dass man es denen wegschnappt, die zu viel haben. Der tiefere Sinn der Immobilienblase, die Baustelle als Inszenierung.. Der Film ist so böse realistisch, wie nur Klamotten es sein können. Der geniale Georg Friedrich läuft sich schon mal warm für ein kommendes Strache-Filmstück.

Fritz Göttler

7 / 13

Nonna Mia!

Nonna Mia!

Quelle: Paolo Ciriello; Copyright Eksystent Distribution

Der italienische Staat ist bankrott, die Kunstrestauratorin Claudia auch. Ihre tote Nonna friert sie zwischen Tonnen von Tortellinis ein, um weiterhin deren Pension zu kassieren und ihre Angestellten bezahlen zu können. Und schon muss sie sich den verknallten Finanzpolizisten und den Liebhaber ihrer Großmutter vom Leib halten. Die temporeiche Liebeskomödie von Giancarlo Fontana und Giuseppe G. Stasi nimmt angenehm unvorhersehbare Wendungen. Ein paar unerträgliche Slapstick-Momente lassen die Kritik an Korruption, Betrug und Vetternwirtschaft eher harmlos ausfallen.

David Steinitz

8 / 13

Santa & Andrés

Santa & Andrés

Quelle: EZEF

Andrés schreibt vermeintlich konterrevolutionäre Bücher, außerdem ist er schwul. Beides ist verpönt in Kuba in den 1980er Jahren, also wird Andrés vom lokalen Parteikomitee unter Bewachung gestellt. Seine Bewacherin ist Santa, ungebildet, linientreu, aber Santa hat ein Herz. So knapp wie fesselnd schildert Carlos Lechuga die unerwartete Entstehung einer Freundschaft, die zumindest für Santa den Blick auf ihre Welt verändert.

Doris Kuhn

9 / 13

Spider Murphy Gang

Spider Murphy Gang

Quelle: Copyright Memo Rhein

Ihren Nummer-Eins-Hit "Skandal im Sperrbezirk" spielen sie gleich zu Beginn, danach geht es bergab. Jens Pfeifer erzählt die Geschichte der 1977 gegründeten "Spider Murphy Gang", die in den Achtzigerjahren große Erfolge feierte, sich dann aber aufreiben ließ: zu viele Platten, Auftritte, Drogen. Der sehenswerte Dokumentarfilm ist nicht nur eine musikalische Zeitreise, sondern auch eine in die Vergangenheit Münchens. Die Stadt mag nicht mehr dieselbe sein, doch Sänger Günther Sigl und Gitarrist Barny Murphy machen weiter, auf Volksfesten, Firmenjubiläen oder Faschingspartys. Aufhören? Das gehe nicht, sagen sie, die Band sei doch ihr Leben.

Josef Grübl

10 / 13

Tel Aviv on Fire

Kinostart - 'Tel Aviv on Fire'

Quelle: dpa

Ein junger Palästinenser (Kais Nashef) schreibt eine erfolgreiche Fernsehsoap - eine Spionagegeschichte während des Sechstagekriegs. Am Checkpoint gerät er an einen israelischen Offizier, der sich ins Skript einmischt, sein Koautor wird. In der intelligenten Satire des israelischen Regisseurs Sameh Zoabi wird das politische Geschehen selbst zur Soap, zum Feld der Hoffnung wie der Hoffnungslosigkeit in einem realen und unlösbaren Konflikt.

Philipp Stadelmaier

11 / 13

Traumfabrik

Kinostart - 'Traumfabrik'

Quelle: dpa

Ein Erdbeben für Cleopatra, die Geburt des Katastrophenfilms aus dem Alkoholdusel von Babelsberg. Dort, im DEFA-Studio für Spielfilme, spielt die melodramatische Komödie von Martin Schreier, sie beginnt im August 1961, mit dem Mauerbau. Man kennt das Genre aus dem amerikanische Kino, all die monströse Leichtigkeit des Scheins und seiner Fabrikation. Der Film ist manchmal zu wenig in die DDR-Realität verklammert, manchmal zu viel. Emilia Schüle als Double-Tänzerin und Dennis Mojen als unfreiwilliger Jungregisseur fungieren als Traumpaar, Heiner Lauterbach ist ein Babelsberg-Generaldirektor mit der Haltung eines kalten Ostfunktionärs und einem Anflug von coolem Hollywoodchef, Nikolai Kinski ist der arme Filmstar Omar, der kein fürsorglicher lover werden darf.

Fritz Göttler

12 / 13

Kroos

Kroos

Quelle: Broadview Pictures

Dafür, dass der Erfolg des Fußballers Toni Kroos auf Timing beruht - wann er wo steht, schleicht und passt -, ist das Timing dieser Dokumentation über seine Karriere kurios. Die Langzeitbeobachtung von Manfred Oldenburg kommt just nach jener Saison heraus, in der Kroos erstmals seit 2015 keinen Titel gewonnen hat. Trotzdem sind die Elogen von Verwandten und namhaften Gästen auf den lange unbesungenen Helden der WM 2014 oft spannend: Analytisches (eloquent: Marcel Reif), Privates und Emotionales (Robbie Williams) stehen in einem guten Verhältnis.

Milan Pavlovic

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Spider Man: Far From Home

Spider Man: Far From Home

Quelle: Copyright Sony Pictures

Spider-Man reist durch Europa, Venedig und Prag, Berlin und London, ein kurzer Ausflug auf eine holländische Tulpenfarm steht auch auf dem Programm. Fast ein bisschen kastriert sieht er dabei aus, weil die Fäden sich in den Hochhausschluchten seiner Heimatstadt New York natürlich besser spinnen als zwischen den Zwergenbauten des alten Kontinents. Aber Jon Watts hat ohnehin eine schwierigere Mission als das Fliegenlernen für ihn: den ersten Kuss.

David Steinitz

© SZ.de/qli
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