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Filmstarts der Woche:Welche Kinofilme sich lohnen und welche nicht

Ein grandioser Essayfilm macht sich Gedanken zum Schwarzsein in den USA. Und der große finnische Kino-Fatalist Aki Kaurismäki wird langsam filmmüde.

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Die andere Seite der Hoffnung

Kinostart - 'Die andere Seite der Hoffnung'

Quelle: dpa

Es gab mal eine Zeit, der war der Finne Aki Kaurismäki der größte Fatalist des Weltkinos. Seine Filme waren gänzlich hoffnungslos, aber von gewaltiger Kraft. Mit der Geschichte eines noblen jungen Syrers (Sherwan Haji), der als Asylsuchender in Finnland auf Hass und Behördenkälte trifft, aber auch auf viel menschliche Hilfsbereitschaft, will Kaurismäki etwas ganz anderes: eine bessere Welt schaffen, seine Zuschauer zu mehr Empathie erziehen. Aber es ist ein Film voll tiefer Müdigkeit. Aus dieser Müdigkeit macht Kaurismäki auch längst keinen Hehl mehr - auf der Berlinale kündigte er seinen Abschied vom Filmemachen an.

Lesen sie hier eine ausführliche Kritik.

Tobias Kniebe

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Boss Baby

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Quelle: AP

Business not as usual, aber sehr, sehr komisch. Tom McGraths Dreamworks-Animationsfilm ist natürlich für Kinder, aber mehr noch für ihre Eltern gedacht. Komplexes Thema, Mobbing im Kinderzimmer: Welche seelischen Turbulenzen das plötzliche Auftauchen des zweiten Kindes im ersten auslöst, das bislang alleiniges und viel geliebtes Zentrum der Familie war. Nun aber ist das neue Baby der Boss, und das ganz wörtlich, mit schwarzem Anzug, Konferenzplan und den entsprechenden Allüren.

Fritz Göttler

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Gaza Surf Club

Gaza Surf Club

Quelle: Little Bridge Pictures / Niclas Reed Middleton

Philip Gnadt und Mickey Yamine porträtieren in ihrem Dokumentarfilm die Surfkultur im Gazastreifen (die der Männer, Frauen sind meist ausgeschlossen). Am Ende schafft es einer der Jungs nach Hawaii. Das Surfen als Symbol für die Sehnsucht nach freier Bewegung im umkämpften Gebiet, schön und gut. Leider sieht man in dem zu inszenierten und fernsehformatierten Film viele nette Bilder vom Surfen. Man hätte gerne mehr den Surfern zugehört.

Philipp Stadelmaier

4 / 12

Ghost in the Shell

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Quelle: AP

Aliens, Maschinen und Roboter nehmen in der Fantasie von Hollywoodregisseuren außergewöhnlich oft die Gestalt von Scarlett Johansson an, die deshalb in den letzten Jahren zur Standardhülle für transzendentale Überwesen geworden ist. In dieser Adaption eines japanischen Kult-Mangas wird sie von Rupert Sanders als Cyborg besetzt, auf der Suche nach ihrer menschlichen Herkunft in einem futuristischen Großstadtmoloch. Sieht gut aus, ist aber schnell vergessen.

Lesen sie hier eine ausführliche Kritik.

David Steinitz

5 / 12

I Am Not Your Negro

I Am Not Your Negro

Quelle: Dan Budnick

Raoul Pecks grandioser Essayfilm war für den Oscar als bester Dokumentarfilm nominiert und basiert auf einem Manuskript, das der afroamerikanische Autor und Sozialkritiker James Baldwin bei seinem Tod 1987 hinterlassen hat. Persönliche Erinnerungen an die ermordeten Bürgerrechtler Edgar Mevers, Malcolm X und Martin Luther King Jr. mischen sich mit Gedanken zum Schwarzsein in den USA und Bildern von Polizeigewalt. Das ist nicht nur Geschichtsstoff, sondern auch schockierend aktuell.

Jan Kedves

6 / 12

Tanna - Eine verbotene Liebe

Tanna

Quelle: Philippe Penel

Wie lässt sich diese ernüchterte Welt wieder verzaubern? Die großen Fragen des modernen Kinos beantworten sich an den entlegensten Orten: Eine Südseeinsel ist es in diesem zwischen Melodrama und Dokumentation oszillierenden Film von Bentley Dean und Martin Butler. Eingeborene sind Darsteller einer tragischen Liebesgeschichte inmitten von Stammesriten und Geisterglauben. Atemberaubend ist die Natur anzuschauen, durch die sie wandeln, der Lava speiende Vulkan, das undurchdringliche grüne Dickicht des Regenwaldes. Wie ein Blick in eine fremde Welt.

Annett Scheffel

7 / 12

Una und Ray

Kinostart - 'Una und Ray'

Quelle: dpa

Was passiert, wenn ein erwachsener Mann mit Frau und Eigenheim ein dreizehnjähriges Mädchen verführt? Wenn der Mann für diese Tat ins Gefängnis muss, sich das Mädchen aber in ihn verliebt hat? Fünfzehn Jahre nach dem letzten Treffen begegnen die beiden sich wieder. Die Geschichte basiert auf dem Theaterstück "Blackbird" des britischen Dramatikers David Harrower, der australische Regisseur Benedict Andrews hat es für sein Spielfilmdebüt adaptiert. Im Film wird das Zusammentreffen von Una und Ray mit Bildern der Erinnerungen von damals erweitert und lässt somit einen tiefen Blick in diese tragische Beziehung zu.

Natalie Broschat

8 / 12

A United Kingdom

A United Kingdom

Quelle: Pathé

Schön, wie die Leidenschaftlichkeit dann doch das allzu Niedliche von Amma Asantes Historiendrama aufbricht. Die wahre Geschichte vom afrikanischen Prinzen aus Botswana, der 1948 eine Londoner Sekretärin zu seiner Königin macht. Black King - White Queen: ein Skandal, der das britische Empire erschüttert. Doch David Oyelowo und Rosamund Pike schenken der Romanze zarte Innigkeit, sodass am Ende tatsächlich wie im Kino wahre Liebe gegen Rassismus und Apartheid triumphieren kann.

Sehen Sie hier eine Rezension im Video.

Rainer Gansera

9 / 12

Die versunkene Stadt Z

Kinostart - 'Die versunkene Stadt Z'

Quelle: StudioCanal / Aidan Monaghan

James Gray erzählt in seinem wunderbaren, epischen Film die Geschichte des britischen Offiziers und Archäologen Perceval Fawcett (Charlie Hunnam), der zu Beginn desvorigen Jahrhunderts eine versunkene und geheimnisvolle Stadt am Amazonas sucht. Die hochromantische Hommage ans klassische Abenteuerkino handelt von einer lebenslangen, unauflöslichen Sehnsucht - und von einer notwendigen Überlebensutopie inmitten der Krise der westlichen Zivilisation.

Lesen Sie hier eine ausführliche Kritik.

Philipp Stadelmaier

10 / 12

Von Bananenbäumen träumen

Kinostart - 'Von Bananenbäumen träumen'

Quelle: dpa

Kommunalpolitik? Ist doch langweilig, oder? Antje Hubert beweist in ihrem Dokumentarfilm das Gegenteil. Über drei Jahre hinweg begleitet sie eine Gruppe von Dorfbewohnern bei ihrem Versuch, den drohenden Niedergang ihres Ortes zu stoppen - mit einem kühnen Plan: Darin spielen Gülle, eine Zucht afrikanischer Welse und Bananenbäume eine entscheidende Rolle; denn so soll wieder Geld in die Gemeindekasse fließen. Klingt irre? Selbst ansehen.

Martina Knoben

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Wenn der Vorhang fällt

Wenn der Vorhang fällt

Quelle: Zorro Filmverleih

Wenn Hip-Hop eine Person wäre, dann wäre sie hochgradig schizophren: weder weiß noch schwarz, vielleicht fett und zugleich mit gedrungener Gestalt und Emo-Frisur. Sie hätte jedenfalls ständig die Hände in der Luft und deshalb Probleme, durch kleine Türen zu gehen. Samy Deluxe, Fatoni, Smudo, Sido und andere Rap-Legenden verschmelzen ihre Erinnerungen und Gedanken in Michael Münchs Genre-Porträt zu einem Gedankenstrom über drei Epochen deutsche Hip-Hop-Geschichte, der den Staub von alten Plattentellern fegt.

Benedikt Mahler

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Zazy

Zazy

Quelle: Gilles·Mann Filmproduktion/Ralf M. Mendle

Die Mondscheinsonate, Erpressung, lichtdurchflutete Räume und Ruby O. Fee als angehende Schneiderin, die von einer Karriere als Filmstar träumt, und deswegen beginnt, eine ihrer Kundinnen zu drangsalieren. Zwischendurch gibt es sich ziemlich ähnelnde Sexszenen mit ihrem Freund zu klassischer Musik, die einen sehr dankbar sein lassen, dass man nicht mehr 18 ist, und GHB-Orgien, weil sich so alte Menschen Jung-und-Wildsein vorstellen. Der Thriller von Matthias X. Oberg könnte einem Hoffnung machen, lehrt aber nur: Der Mensch ist böse und wird auch mit Mozart unterlegt nicht besser.

Juliane Liebert

© SZ.de/doer
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