Filmstarts der Woche:Welche Kinofilme sich lohnen und welche nicht

Der Ost-West-Blockbuster "The Great Wall" zeigt mehr Hollywoodtouch als asiatische Filmkunst. Lars Eidinger spielt in "Die Blumen von gestern" einen Holocaustforscher, der keinen Spaß versteht.

Von den SZ-Filmkritikern

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Ballerina

Kinostart - 'Ballerina'

Quelle: dpa

Nostalgie-Paris 1887. Der Eiffelturm befindet sich noch im Bau und zwei Waisenkinder aus der Provinz erobern die Stadt: Félicie als Ballerina, ihr Freund Victor als Erfinder. Französischer 3D-Animationsfilm (Regie: Éric Summer, Éric Warin), dem die Tanzschritte etwas staksig geraten, aber seine Pop-Märchen-Story stürmt mit Witz, Selbstironie und einem ganz aus kindlichem Übermut gespeisten Elan mitreißend voran.

Rainer Gansera

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Die Blumen von gestern

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Quelle: © Edith Held / Four Minutes Filmproduktio

Lars Eidinger ist schon wieder reichlich durchgeknallt. Ein Holocaustforscher, der keinen Spaß versteht, wenn jemand seinen Job nicht ernst nehmen will. Ein persönliches Trauma spielt bei ihm mit, ein Familientäterroman, wie auch beim Regisseur Chris Kraus. Der Film kann - und will - nerven, wenn Kraus, wie man das aus seinen anderen Filmen kennt, seine Schrauben immer noch eine Windung weiter dreht. Der Film kann bezaubern, wenn Adèle Haenel ins Spiel kommt, das Opferkind, und versucht, den Forscher Totila zu kurieren.

Fritz Göttler

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Bob, der Streuner

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Quelle: © 2016 Concorde Filmverleih GmbH

Märchenhaftes Buddy-Movie: junger Mann (Luke Treadaway) aus London entkommt seiner Heroinsucht durch die Freundschaft mit einem orangenfarbenen Kater. Verfilmung von James Bowens autobiographischem Bestseller-Roman. Schwankend zwischen Realistik und Kater-Comedy verzettelt sich Regisseur Roger Spottiswoode bei der Suche nach dem stimmigen Erzählton, doch es gelingen ihm unwiderstehliche Momente der Wahrhaftigkeit und Rührung.

Rainer Gansera

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The Great Wall

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Quelle: Universal Pictures

Nein, die Chinesische Mauer wurde nicht erbaut, um das Kaiserreich vor nomadischen Reitervölkern zu schützen, sondern um eine Invasion geifernder Monster zu verhindern. Ein westlicher Söldner (Matt Damon) kämpft gemeinsam mit den Mauerwächtern gegen die Horrorwesen. Zhang Yimou inszeniert die chinesisch-amerikanische Koproduktion als Ost-West-Blockbuster mit etwas mehr Hollywoodtouch als asiatischer Filmkunst.

David Steinitz

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Hell or High Water

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Quelle: Lorey Sebastian; © Wild Bunch

Ein Film wie ein großer alter Country-Song über Outlaws und Gesetzeshüter. Chris Pine (hier ohne jede Captain-Kirk-Glätte) und der tolle unterschätzte Ben Foster spielen zwei Brüder in Texas, die nur Filialen einer bestimmten Bank ausrauben - weil eben diese Bank ihre Wucherzinsen-Finger schon gierig nach der Familienfarm ausstreckt. Auf ihrer Spur sind zwei alte Texas Ranger (Jeff Bridges und Gil Birmingham) - auch sie eine Art Brüderpaar, ein Team von einmalig ruppiger Zärtlichkeit. Der schottische Regisseur David Mackenzie zeigt, dass Western-Spirit noch nie etwas mit der Geburtsurkunde zu tun hatte

Tobias Kniebe

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Die Hollars - Eine Wahnsinnsfamilie

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Quelle: © 2016 Sony Pictures Releasing GmbH

Die zweite Regiearbeit des Schauspielers John Krasinski ist mit flotten Indie-Gitarrensongs unterlegt. Sie verleihen der vorhersehbaren Geschichte über einen Großstadtkünstler, der wegen des Hirntumors seiner Mutter nach Hause zurückkehrt, Schwung. Krasinski persönlich spielt den jungen Mann, der in seiner Familie Beziehungsarbeit leisten muss, bevor er selbst Vater werden kann. In der besten Szene singen er, sein Vater und sein Bruder für die kranke Mutter, bevor diese in den OP geschoben wird.

Jonathan Horstmann

7 / 12

King Cobra

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Quelle: © Salzgeber & Co. Medien GmbH

Die wahre Geschichte des schwulen Porno-Starlets Brent Corrigan. Der stieg mit 17, minderjährig und pausbäckig, zum Goldesel der Firma Cobra Video auf. Christian Slater spielt den Chef. James Franco, mit fleißig aufgepumptem Oberkörper, ist der verschuldete Boss des Konkurrenz-Studios Viper Boyz. Geld macht gierig, es kommt zum Mord. Überraschung? Höchstens, dass Regisseur Justin Kelly keinen einzigen Penis zeigt, und manche auf Shrimping stehen. Tipp: Es hat mit Zehen zu tun ...

Jan Kevdes

8 / 12

Ein Kuss

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Quelle: © PRO-FUN MEDIA / GIANNI FIORITO

Sechzehn sein, Außenseiter sein, immer allein die Schule erdulden. So ist das für zwei italienische Teenager bis ein Neuer kommt. Der Junge ist schwul, er tritt auf wie ein Star, mit ihm werden sie zu einer Dreierbande, die sich der Welt mit Übermut und Kampfgeist stellt. Ivan Cotroneos funkelndes Drama trifft den Glamour der Jugend so genau wie ihre Realität, es zeigt, was Freundschaft kann und wo sie scheitert.

Doris Kuhn

9 / 12

La La Land

La La Land

Quelle: © SND

Große Hommage des Wunderkinds Damien Chazelle ans klassische Hollywood-Musical à la Vincente Minnelli. Ryan Gosling und Emma Stone tanzen und singen im Los Angeles von heute und träumen vom großen Glück in der Kunst und im gemeinsamen Leben. Bei Minnelli ging das noch zusammen - 2017 tanzt jeder nur noch für sich. Traum-Eskapismus? Nein: Chazelle begleitet die Welt, wie sie ist. Und macht trotzdem Freude.

Philipp Stadelmaier

10 / 12

Mr. Church

'Cook'

Quelle: Photo by Darren Michaels, SMPSP; © 2016 Warner Bros.

Mr. Church arbeitet als Koch bei der kleinen Charlie und ihrer Mutter. Was das Mädchen zunächst nicht weiß - die Mutter braucht diese Hilfe, weil sie krebskrank ist. Bald kocht Mr. Church nicht nur für die beiden, sondern wird auch Pfleger und Ersatzvater. Eddie Murphy, einmal in einer ernsten Rolle, ist sehenswert, ebenso Natascha McElhone als sterbende Mutter - aber Bruce Beresford verdickt den Film leider doch zu einer ungießbar klebrigen Kitschsuppe.

Thomas Feiler

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Why Him?

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Quelle: © Twentieth Century Fox France

Die Konfrontation zwischen Vater und Schwiegersohn ist seit Spencer Tracy ein bewährter Kinokomödienstoff. In ihrem Nachzügler-Weihnachtsfilm drehen Jonah Hill als Co-Autor und John Hamburg als Regisseur die Schrauben mit Blake Edwards-Anleihen noch um einige Umdrehungen weiter. Als absurd reicher und unverschämt aufgekratzter Silicon-Valley-Magnat geht James Franco in den zotig krassen Clinch mit Bryan Cranstons biederem Mittelstandsunternehmer, was manchmal ziemlich lustig, meistens eher albern ist und am Ende in dickem Familienfesttagszuckerguss getränkt wird.

Anke Sterneborg

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Wild Plants

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Quelle: © Close Up Films

Was die Pflanzen lehren: Geduld, dass alles Leben zyklisch verläuft, den Kontakt zur Erde, zu Licht, Luft und Wasser - den Elementen. Nicolas Humbert besucht in seinem Doku-Gedicht säende und erntende Menschen in den USA und in der Schweiz. Den Wildwuchs, den er dort findet und behutsam offenlegt, gefällt ihm auch politisch: Aus der Nische heraus soll das Ganze verändert werden, so machen es auch die Pionierpflanzen.

Martina Knoben

© SZ.de/alpi
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