Filmstarts der Woche:Welche Kinofilme sich lohnen und welche nicht

Die Misere Amerikas aus Sicht eines Dackels. Und das geheime Leben der Hunde. In den Filmen der Woche geht es aber nicht nur um Haustiere.

Von den SZ-Filmkritikern

1 / 8

1001 Nacht, Volume 1

Kinostarts - '1001 Nacht'

Quelle: dpa

Miguel Gomes bedient sich der Erzählstruktur der persischen Märchen aus "1001 Nacht", um Geschichten aus dem Portugal von heute zu erzählen, das unter Armut und Sparpolitik ächzt. Der erste Teil seiner Trilogie, in dem es um Bienen, Schiffbau, einen Hahn und einen herzkranken Gewerkschafter geht, ist ein überzeugendes Manifest dafür, trotz einer miserablen Gegenwart weiter (wundervolle) Geschichten zu erzählen.

Philipp Stadelmaier

2 / 8

Dibbuk - Eine Hochzeit in Polen

Dibbuk

Quelle: Drop-Out Cinema eG

Pyton kommt aus London für seine Hochzeit ins schrecklich-schöne ländliche Polen zurück. In der verfallenden Scheune wird gefeiert und gesoffen, im verwilderten Garten daneben liegen Knochen vergraben - liegt über allem ein Fluch? Brachial und unheimlich aber treffend inszeniert Marcin Wrona das Totschweigen, den Hass und die Selbstgerechtigkeit der polnischen Nachkriegsgesellschaft im Brennglas ihres wichtigsten Festes: der Hochzeit. Während draußen das Land im Schlamm versinkt, bleiben die Hochzeitskleider fast bis zum Ende makellos.

Nicolas Freund

3 / 8

Heimatland

Kinostarts - 'Heimatland'

Quelle: dpa

Neun Schweizer Regisseure um Michael Krummenacher haben einen gemeinsamen Film gedreht, sie alle bedienen dasselbe Thema: Die bevorstehende Apokalypse. Sie zeigen eine Schweiz voll Aggression, Furcht oder Gleichgültigkeit, ihre Geschichten steigern die Bedrohung, statt ein Happy End anzusteuern. Das Katastrophen-Genre wird klug genutzt für einen gesellschaftspolitischen Kommentar.

Doris Kuhn

4 / 8

Legend of Tarzan

Kinostarts - 'Legend of Tarzan'

Quelle: dpa

Schöne, halbnackte Menschen schwitzen im Dschungel vor sich hin - der Hauptgrund, warum das amerikanische Kino seit bald 100 Jahren von der Tarzanlegende besessen ist. Auch David Yates möchte in seiner Neuauflage ein klassisches Hollywood-Abenteuer erzählen, nur ohne den Rassismus und die Misogynie von früher. Das Ergebnis ist eine etwas schizophrene Kolonialware, in der Exotikgelüste mit historischem Verantwortungsbewusstsein kollidieren.

David Steinitz

5 / 8

Pets (3D)

Kinostarts - 'Pets'

Quelle: dpa

Endlich wird es enthüllt, das geheime Leben unserer Haustiere! Wenn Herr- oder Frauchen nicht da sind, geht die Post ab - Chris Renaud und Yarrow Cheney malen das in leuchtenden Farben aus. Zwei Hunde werden von Tierfängern entführt und müssen sich im Moloch New York behaupten. Das ist eine immer wieder sehr komische Hommage an die Großstadt und ihre Viecher, die allerdings selbst für Großstadtkinder am Ende zu überdreht ist.

Martina Knoben

6 / 8

Seefeuer

Kinostart - 'Seefeuer'

Quelle: dpa

Der italienische Dokumentarfilmer Gianfranco Rosi hat ein Jahr lang das Leben auf der Insel Lampedusa beobachtet. Dort zeigt sich die Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer in aller Härte, was dem Film den Goldenen Bären auf der Berlinale eingebracht hat. Immer wieder gelingt Rosi aber auch das Kunststück, Alltagsbeobachtungen eine metaphorische Dimension zu geben. Großes Kino in der Tradition des italienischen Neorealismus - "Seefeuer" zeigt, wozu der Dokumentarfilm in der Lage ist, gerade auch in Abgrenzung zum Nachrichtenjournalismus.

Martina Knoben

7 / 8

Wiener-Dog

Kinostart - 'Wiener Dog'

Quelle: dpa

Krebs und Rauschgiftsucht, Erfolglosigkeit und Einsamkeit: Keiner malt die Misere Amerikas so liebevoll wie Todd Solondz, der vor zwanzig Jahren mit seinen Filmen Willkommen im Tollhaus und Happiness weltbekannt wurde. Vier neue kleine Geschichten hat er hier hingetupft, unter anderen mit Greta Gerwig und Danny DeVito, von der Kindheit bis ins Alter, das dann wieder in die Kindheit zurückführt. Der Wiener Dog ist in Amerika der Dackel, der Herrchen/Frauchen wechselnd die Episoden verknüpft. Unvergesslich, als Verkörperung trostloser Melancholie, eine dreiköpfige Mariachi-Band am Straßenrand.

Fritz Göttler

8 / 8

Zeit für Legenden

Kinostart - ´Zeit für Legenden"

Quelle: dpa

Kein klassisches Biopic, sondern die zwei entscheidenden Jahre im Leben der Olympia-Legende Jesse Owens. Boykottieren oder nicht, das war 1936 die Frage, die Sportler und Funktionäre, Politiker und Bürgerrechtler beschäftigte. Angesichts der Rassenunruhen in den USA ist das auch 80 Jahre später noch brisant, weshalb Stephen Hopkins wohl auch ein wenig zu vorsichtig und ausgewogen an die Sache herangeht. Mit Stars wie Stephan James, Jason Sudeikis, Jeremy Irons und David Kross gelingt es ihm dennoch, das Dilemma in vielen Aspekten aufzufächern.

Anke Sterneborg

© SZ.de/doer
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