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Filmstarts der Woche:Welche Filme sich lohnen und welche nicht

"Warten auf Schwalben" verwebt drei Schicksale zu einem eindrucksvollen Portrait über das Algerien der Gegenwart. "The Domestics" irrlichtert zwischen Ehedrama und Echtzeithorror.

12 Bilder

Kinostart - 'Action Point'

Quelle: dpa

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Action Point

Der Film wurde vorab nicht gezeigt.

Kinostart - 'BlacKkKlansman'

Quelle: dpa

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BlacKkKlansman

Der junge Polizist Ron Stallworth (John David Washington) beschließt, sich in den Ku Klux Klan einzuschleichen - in seinem Fall eine besonders gefährliche Angelegenheit, denn er ist schwarz. Es gelingt ihm, bei den Treffen springt Kollege Flip (Adam Driver) für ihn ein, und zusammen schaffen es die beiden, einen Anschlag zu verhindern. Die Geschichte klingt unglaubwürdig - aber sie ist eben tatsächlich passiert, und Spike Lee, der hier seinen besten Film seit Jahren abliefert, hat eine perfekte Balance hinbekommen zwischen hoffnungsvoller, komischer Leichtigkeit und furchteinflößender Wahrhaftigkeit.

Susan Vahabzadeh

Kinofilm 'Crazy Rich Asians'

Quelle: dpa

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Crazy Rich

Was für immense Erwartungen auf diesem Hollywood-Sommerliebesfilm lasten! Er soll nicht nur das untergegangene Genre der Romcom wiederbeleben, sondern auch noch asiatischstämmigen Amerikanern endlich zu Repräsentation auf der Leinwand verhelfen. Aber die Last merkt man der Aschenputtel-Geschichte um eine junge New Yorker Professorin, die unverhofft in die reichste Familie von Singapur einheiraten könnte, nicht an. Jon Chu hat aus der Bestseller-Vorlage von Kevin Kwan sympathische, glitzernd bunte Unterhaltung gemacht - angereichert mit sanft dosierter Analyse migrantischer Psychologien.

Kathleen Hildebrand

Der Doktor aus Indien

Quelle: mindjazz pictures

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Der Doktor aus Indien

Er mag das Wort quack, der indische Ayurveda-Spezialist Vasant Lad, er sagt es ein paarmal hintereinander, fröhlich schnalzend. Quack, die amerikanische Bezeichnung für einen Scharlatan, einen Quacksalber, und als solche werden die Leute, die mit Ayurveda heilen und Ayurveda predigen, gern bezeichnet von skeptischen Kollegen. In bestimmten Momenten des Films von Jeremy Frindel kann man durchaus verstehen, wie sie dazu kommen: ´Eine Schildkrötenmutter hat keine Milchdrüsen. Also ernährt sie ihr Kleines mit Blicken. So machen auch wir es bei Ayurveda.´ Nahrhafte Blicke ... Immer wenn Lads Medizinjünger anfangen, zu weihevoll zu klingen, bringt Vad uns zur Einfachheit der Lehre und seines Lebens zurück. Inzwischen ist er international bekannt und erfolgreich, auch in den USA. Amerika ist ein komplexes Land, heißt es einmal, es ist schwer, hier einfach zu leben.

Fritz Göttler

The Domestics

Quelle: Kinostar Filmverleih GmbH

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The Domestics

Eine Paartherapie der etwas anderen Art: Als Nina und Mark sich scheiden lassen wollen, besprüht die US-Regierung mal eben das ganze Land mit Pestiziden. Die Nebenwirkungen: Überlebende tragen Hirschköpfe als Helme und essen Buletten aus Menschenfleisch. Unser Pärchen startet trotzdem eine Kaffeefahrt zu Ninas Eltern. Keine gute Idee. Mike P. Nelsons Roadmovie irrlichtert irgendwo zwischen Ehedrama und Endzeit-Horror. Wahnsinnig deprimierend.

Jonas Lages

Kinostart - 'Gundermann'

Quelle: dpa

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Gundermann

Er war DDR-Liedermacher, Baggerfahrer im Braunkohlerevier, Stasi-Informant: Andreas Dresens Film über Gerhard Gundermann (Alexander Scheer) ist ein feinfühliges Biopic über eine widersprüchliche Figur. Vor allem aber ein klug erzähltes, weder verteufelndes noch verklärendes Fragment deutsch-deutscher Geschichte. Dresen kreist Gundermanns Leben umso genauer ein, weil er suchend darin herum tastet - zwischen Idealismus, Schuld, Verdrängung und dem trügerischen Wesen der Erinnerung.

Annett Scheffel

´Lebenszeichen - Jüdischsein in Berlin"

Quelle: dpa

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Lebenszeichen - Jüdischsein in Berlin

Stolpersteine, Gedenktafeln, Gedenkstätten - der Holocaust ist allgegenwärtig in Berlin, aber was bedeutet es für Juden in der dritten Generation danach, in Berlin zu leben? Nach dem Doppelportrait "Oma und Bella" sammelt Alexa Karolinksi im zweiten Teil einer geplanten Trilogie über jüdisches Leben in Deutschland Eindrücke und Gedanken von Überlebenden und Nachgeborenen, um sie angenehm unaufgeregt, aber auch ein wenig beliebig auf die Leinwand zu tupfen. Hier ein jüdisches Liedchen am Klavier, dort eine Aussage zur Rezeption des Fernseh-Events "Holocaust", eine Erinnerung an die Dunkelheit im Bunkerversteck, eingebettet in die Vorbereitungen zur großen Familientafel am Rosch ha-Schana Fest.

Anke Sterneborg

Mein Name ist Somebody

Quelle: KSM GmbH

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Mein Name ist Somebody

Der Film wurde vorab nicht gezeigt.

Nach dem Urteil

Quelle: KG_Productions

9 / 12

Nach dem Urteil

Wie schwer es sein kann, in Sorgerechtsstreitigkeiten die richtigen Entscheidungen zu treffen, das lotet Xavier Legrand in seinem Spielfilmdebüt auf beklemmend realistische Weise aus. Auch als Zuschauer weiß man lange nicht, wem hier zu trauen ist, der Mutter (Léa Drucker) und ihrem elfjährigen Sohn, die von häuslicher Gewalt sprechen, oder dem Vater, der um sein Umgangsrecht kämpft und von Denis Ménochet zwischen fürsorglicher Ruhe und explosiven Gewaltausbrüchen in der Schwebe gehalten wird. Während das Drama in der Gegenwart seinen Lauf nimmt, erschließt sich langsam aus behutsam eingestreuten Rückblenden die Vorgeschichte.

Anke Sterneborg

Silvana

Quelle: Rise And Shine Cinema

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Silvana

Dass die Regisseurinnen Mika Gustafson, Olivia Kastebring und Christina Tsiobanelis bisher nur Musikvideos gedreht haben, qualifiziert sie zwar für das Subjekt ihrer Dokumentation - die lesbische, in Litauen geborene, schwedische Rapperin Silvana Imam, die in ihrer Heimat mit feministischen Texten einen irren Aufstieg erlebte - nicht unbedingt aber für ein Langzeitporträt dieser nachdenklichen, zornigen Künstlerin. Zwischen Authentizitätsmonologen, Privatvideos und artifizieller Zeitlupen-Inszenierung bleibt Silvana eine Figur mit unscharfen Außenlinien.

Annett Scheffel

Slenderman

Quelle: Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

11 / 12

Slender Man

Der Film wurde vorab nicht gezeigt.

Warten auf Schwalben

Quelle: Hichem Merouche; Les Films Pelléas / Hichem Merouche

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Warten auf Schwalben

Ein Mann wird Zeuge einer Schlägerei und flüchtet, während das Opfer reglos auf der Straße liegen bleibt. Eine Frau soll mit einem ihr kaum bekannten Mann verheiratet werden, doch hegt Gefühle für einen anderen. Einem Neurochirurg wird vorgeworfen, ein Vergewaltiger zu sein, doch streitet er die Tat ab. Drei Geschichten verwebt Karim Moussaoui in "Warten auf Schwalben" zu einem Porträt über die Schicksale seiner Protagonisten und zu einem Porträt über das Algerien der Gegenwart. Heraus kommt eine Totale von Schönheit und Ödnis mit Liebe zum Detail, ein Episodenfilm, der am Ende darauf verzichtet, die Fäden zu lösen, die er gestrickt hat. Und das ist gut so!

Carolin Werthmann

© SZ.de/cco

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