Filmstarts der Woche:Welche Filme sich lohnen und welche nicht

Der neueste Teil der "Mission: Impossible"-Reihe mit Tom Cruise verkauft totale Verlässlichkeit. In "Asado" brutzeln Argentinier Steaks mit beinahe sexueller Hingabe.

Ana Maria Michel

1 / 9

8:30

8:30

Quelle: déjà-vu film UG

Wenn Franz Kafka heute lebte, dann würde er wohl solche Szenen beschreiben: Ein Handelsvertreter für IT-Sicherheit läuft durch gleichförmige Reihenhaussiedlungen und Gewerbegebiete der Vorstadt, schaut in sein Mobiltelefon, isst Sushi zum Lunch. Dann aber merkt er, dass er in einer Zeitschleife gefangen ist. Laura Nasmyths und Philip Leitners Filmessay zeichnet mit großem ästhetischen Witz ein dystopisches Bild der Gegenwart.

Kathleen Hildebrand

2 / 9

Asado, mein Lieblingsgericht aus Argentinien

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Quelle: SZ

Die Anzeichen mehren sich, dass Fleisch zu essen in absehbarer Zeit als verantwortungsloser Luxus gelten könnte, so wie SUV fahren und Vielfliegermeilen sammeln. Umso spannender ist das Porträt, das die argentinischen Dokumentarfilmer Mariano Cohn und Gastón Duprat mit skurrilem Humor von der Grillkultur ihres Landes zeichnen. Dort brutzeln die Asadores mit geradezu sexueller Hingabe. Wie das bei guter Kunst immer so ist: Man hat das Gefühl, dass einem der Gegenstand, nämlich Fleisch, dabei fremder und fremder wird.

Philipp Bovermann

3 / 9

Destination Wedding

Kinostart - 'Destination Wedding'

Quelle: dpa

Nach drei Minuten weiß man, wie Victor Levins Film enden wird. Aber hier gilt: Der Weg ist das Ziel. Der besteht aus weiteren 87 Minuten mehr oder weniger amüsanter Wortgefechte zwischen zwei Nervensägen, immerhin Winona Ryder und Keanu Reeves. Sie können sich nicht leiden, verbringen zwangsweise ein Wochenende auf der Hochzeit gemeinsamer Freunde und hören nie auf zu reden. Auch nicht beim Sex - so sieht der lustige Part aus.

Doris Kuhn

4 / 9

Egal was kommt

Egal was kommt

Quelle: Busch Media Group GmbH & Co KG

Getrieben von der Biker-Sehnsucht nach Freiheit steigt Christian Vogel auf sein Motorrad und fährt los. Der Fernsehjournalist hat seinen Job gekündigt, die Eltern und seine neue Liebe hinter sich gelassen. Er will ein Mal um die Welt. Nicht immer läuft alles gut, doch die Hilfsbereitschaft der Menschen ist groß. Starke Bilder aus fernen Ländern wechseln sich in dem Dokumentarfilm mit Interviews mit den Daheimgebliebenen ab. Sie haben eher TV- als Kinoqualität, sind deshalb aber nicht weniger emotional.

Ana Maria Michel

5 / 9

Grenzenlos

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Quelle: Warner

Ein Trip ins Herz der Finsternis. Danielle (Alicia Vikaner) forscht als Biomathematikerin in der Tiefe des Ozeans nach dem Ursprung und der Zukunft des Lebens. James (James McAvoy) soll als MI6-Agent in Somalia eine islamische Terrorzelle auskundschaften. Wissenschaft und Glaube werden durch die Liebe verknüpft, die sich in der abgeschiedenen Idylle eines paradiesischen Küstenortes in der Normandie entzündet. Die Hektik moderner Krisen hinterlässt ihre Spuren im Werk von Wim Wenders. In seiner Verfilmung eines Romans von J.M. Ledgard setzt Kameramann Benoît Debie der sprunghaften Hektik des Erzählens eine rauschhafte Sinnlichkeit des Moments entgegen.

Anke Sterneborg

6 / 9

Mission: Impossible - Fallout

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Quelle: AP

Der Wert, der Freunden des Actionkinos hier verkauft wird, heißt totale Verlässlichkeit. Ja, Ethan Hunt alias Tom Cruise sieht immer noch jung und fit aus. Ja, es gibt hochwertige Stunts und Verfolgungsjagden, schöne Frauen, Täuschung und Gegentäuschung, Gimmicks mit Gummigesichtsmasken, Hängen über Abgründen und in letzter Sekunde entschärfte Atombomben. Um Hunt richtig einzuheizen, wurde von Regisseur Christopher McQuarrie diesmal sogar Henry Cavill engagiert, der aktuelle Superman. Und was bitte brauchen wir, in den Zeiten von Trump und Seehofer, wenn nicht totale Verlässlichkeit?

Tobias Kniebe

7 / 9

Welcome to Sodom - Dein Smartphone ist schon hier

"Welcome to Sodom"

Quelle: Camino Filmverleih

Beeindruckende Dokumentation von Florian Weigensamer und Christian Krönes über "Sodom", eine gigantische und hochgiftige Elektromüllhalde in Ghana, und über die Menschen, die den Schrott recyceln, den die digitalisierte Welt hier (illegal) abgeladen hat. Ein Film aus einer vom schwarzen Rauch durchwehten Hölle, in der die Subalternen Afrikas vom Gift und vom globalen Kapitalismus langsam aufgefressen werden.

Philipp Stadelmaier

8 / 9

Zuhause ist es am schönsten

Zuhause ist es doch am schönsten

Quelle: Wild Bunch

Ein familiärer Katastrophenfilm, ein altes Ehepaar lädt zur goldenen Hochzeit Kinder und Kindeskinder zu sich auf die Insel Ischia ein, auch die Expartner dürfen mit. Konfliktpotenzial! Ein Sturm hindert die Gäste nach dem Feiern am Abreisen, sie müssen bleiben, mitsamt ihrem seelischen Ballast, all dem nicht verarbeiteten Frust und Hass. Gabriele Muccino, der erfolgreich Filme mit Will Smith drehte, kombiniert italienische Schauspielervitalität mit klassischem Hollywood Style. Das Chaos ist gewaltig, nicht mal die sonst alles versöhnende Musik hilft. Neffe Riccardo klimpert mit Hingabe "Azurro" vom Himmel, aber dann wird ihm doch plötzlich der Klavierdeckel zugeschlagen.

Fritz Göttler

9 / 9

Prinz Charming

Prinz Charming

Quelle: Big Picture Films

Animations-Mash-Up aus Märchen und Popmusical. Ein Königssohn zieht aus, das Leben jenseits des Palastes kennenzulernen, das ihn mit einer verschlagenen Räuberin, menschenfressenden Riesinnen und der bösen Fee konfrontiert. Freche Dialoge helfen, visueller Prunk auch, bloß die Suche nach der wahren Liebe, die der Film beschwört, interessiert auf Dauer eher Teenager. Aber für die hat Ross Venokur ihn ja gemacht.

Doris Kuhn

© SZ.de/doer
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