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Filmstarts der Woche:Welche Filme sich lohnen - und welche nicht

"Rampage" erzählt die Geschichte von Dwayne Johnson und seiner großen Liebe zum Affen George. "I Feel Pretty" mit Amy Schumer trifft nicht den feministischen Nerv, auf den er zielt.

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Auf der Jagd - Wem gehört die Natur?

Wem gehört die Jagd?

Quelle: BROADVIEW Pictures

Dem Jäger in Deutschland ergeht es ein wenig wie dem Wolf: Er tötet, also hat er nicht das beste Image. Aber warum genau tötet er - weil es ihm Spaß macht oder weil er muss? Die Dokumentarfilmerin Alice Agneskirchner hat tief in den deutschen Wald geschaut, sie hat Jäger, Förster, Bauern und Tierschützer besucht. "Auf der Jagd - Wem gehört die Natur?" beschreibt den Interessenskonflikt zwischen Wildtier und Mensch in einem Lebensraum, der längst domestiziert ist. Ein großartiger Film mit magischen Naturaufnahmen und Mut zur Komplexität.

Tanja Rest

2 / 12

Die Augen des Weges

Die Augen des Weges

Quelle: Arsenal Filmverleih

Wie der Fluss, über den Hipólito Peralta Ccama sinniert, durchquert der spirituelle Meister die Anden. Die Natur, ihre Geister und die Abkehr der Menschen von eben diesen sind Gegenstand seiner Überlegungen. Durch die Augen des Weisen wirft Regisseur Rodrigo Otero Heraud einen Blick auf das Leben der indigenen Bevölkerung und vermittelt die Schönheit dieser alten Kultur und der peruanischen Landschaft. Die Länge und Langsamkeit der Erzählung setzen allerdings Ausdauer und spirituelles Interesse beim Zuschauer voraus.

Tatjana Michel

3 / 12

Der Buchladen der Florence Green

Kinostart - 'Der Buchladen der Florence Green'

Quelle: dpa

Die Witwe Florence (Emily Mortimer) kommt Ende der Fünfzigerjahre in ein verschlafenes englisches Küstenstädtchen, eröffnet einen Buchladen und erobert damit das Herz des Dorf-Griesgrams (Bill Nighy), der Menschen an sich für eine Zumutung hält. Das klingt nach einer romantischen Story und gar nicht nach der Regisseurin Isabel Coixet, aber der erste Eindruck täuscht. Unter der Oberfläche handelt dieser Film von schleichender Subversion, denn Florence handelt sich mit ihren Büchern hochkarätige Gegner ein. Aber ihr Widerstandsgeist ist dann doch ansteckend.

Susan Vahabzadeh

4 / 12

Dance Fight Love Die - Unterwegs mit Mikis Theodorakis

Dance Fight Love Die

Quelle: déjà vu Filmverleih / Asteris Kutulas

Der große musikalische Freiheitskämpfer Mikis Theodorakis tourt durch die Metropolen der Welt und strahlt als gefeierter Komponist und Sirtaki-Legende. Die oft recht experimentell fotografierten und im Sekundentakt aneinandergehängten Doku- und Spiel-Szenen von Asteris Kutulas, gerne in der unscharfen und munteren farbpsychedelischen Bildsprache der Siebziger, ergeben dann einen doch eher karnevalesken Glamour in Form eines Neverending-Konfettiregens, der einen schwindlig macht, und auch ein bisschen schläfrig.

Helmut Mauró

5 / 12

I Feel Pretty

Kinostart - 'I Feel Pretty'

Quelle: dpa

Ein Ziegelstein-auf-den-Kopf-Plot wie aus den Neunzigerjahren: Mauerblümchen Renee hält sich nach einem Sturz vom Spinning-Rad plötzlich für extrem schön und walzt mit ihrem neuen Selbstvertrauen alle Hindernisse auf dem Weg zum Glück nieder. Hätte Amy Schumer nicht nur die Hauptrolle, sondern auch das Schreiben des Skripts übernommen, hätte diese Komödie von Abby Kohn und Marc Silverstein vielleicht tatsächlich den feministischen Nerv getroffen, auf den sie zielt. So aber fordert sie am Ende statt "seid schön!" nur etwas Neues von den Frauen: "Seid selbstbewusst!"

Kathleen Hildebrand

6 / 12

Isle of Dogs

Kinostart - 'Isle of Dogs - Ataris Reise'

Quelle: dpa

Im Japan der nahen Zukunft macht sich eine gefährliche Ideologie breit: Hundefeindlichkeit. Ein Virus ist nur der Vorwand für den Bürgermeister von Megasaki, sämtliche Köter auf eine postapokalyptische Müllinsel im Meer zu verbannen. Hier geht es ums Überleben, Streuner und Luxuspinscher müssen sich zusammenraufen und dem Jungen Atari helfen, seinen besten vierbeinigen Freund wiederzufinden. Wes Andersons Puppenstuben-Welt, im Stop-Motion-Verfahren animiert, lebt von seinem einzigartigen, spleenigen Humor, der auch unter Hunden nie langweilig wird.

Tobias Kniebe

7 / 12

Liliane Susewind - Ein tierisches Abenteuer

Liliane Susewind

Quelle: Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH / Dreamtool Entertainment / Wolfgang Ennenbach

Frau Oberst hat auch einen Zoo. Oberst Essig wird die Direktorin genannt, gespielt von Meret Becker, die nicht nur finanzielle Sorgen plagen, sondern auch eine Gruppe Tierräuber. Da kann nur Liliane Susewind helfen, die die Sprache der Tiere versteht und damit so viel Tumult auslöst, dass ihre Eltern aus dem Umziehenmüssen gar nicht mehr rauskommen. Joachim Masannek hat liebevoll die bekannte Geschichte von Tanya Stewner verfilmt, allerdings kommt die Berliner Schnoddrigkeit (und der berlinernde Tonfall des Hundes Bonsai) nicht an die Anarchie von Masanneks großem Epos um die "Wilden Kerle" ran.

Fritz Göttler

8 / 12

Mein Leben mit James Dean

Mein Leben mit James Dean

Quelle: PRO-FUN MEDIA

Ein junger französischer Filmemacher kommt in die Normandie, um seinen Film zu präsentieren. Der ist, wie der Regisseur sagt, etwas "speziell". Ebenso wie er selbst (James Dean ist sein imaginärer Freund) und die Figuren, die er trifft. Seinen Ex-Lover tauscht er gegen einen neuen. Leben und Liebe sind, in Dominique Choisys selbstreferenziellem Film, dann doch wichtiger als das Kino.

Philipp Stadelmaier

9 / 12

Rampage - Big Meets Bigger

-

Quelle: AP

Die große Liebe von Dwayne Johnson aka The Rock, irgendwie hat man es immer geahnt, ist ein Affe. Der Affe heißt George und mutiert in Brad Peytons Film aufgrund böser Experimente geldgieriger Wissenschaftler zu einem stetig wachsenden alles zerstörenden Affen. Während The Rocks Versuch, seine große Liebe George zu retten, verwurstet Rampage alles, was man als Affen-, pardon, Actionliebhaber so mag (geheime Militärbasen, Männerfreundschaften, halbironische harte Sprüche, keinen wirklichen Plot). Für Tierfans mit Gewaltproblemen.

Juliane Liebert

10 / 12

System Error

System Error

Quelle: Port au Prince Pictures 2018

"Ihr seht scheiße aus", begrüßt der Hedgefondsmanager Anthony Scaramucci das Filmteam. Er selbst sei im Maßanzug stets bereit für den Fernsehauftritt. Der Dokumentarfilmer Florian Opitz verfolgt ausgehend von Marx-Zitaten die Frage, ob die Grenzen des Wachstums erreicht sind und hat sich dafür ins finstere Herz des Kapitalismus gewagt. Neben Scaramucci interviewt er Sojabauern in Südamerika, die am liebsten sofort den gesamten Regenwald abholzen würden, Allianz-Manager, deren Welt nur aus Zahlen zu bestehen scheint, und Börsenspekulanten, die Dinge sagen wie: "Viele unserer mathematischen Modelle kommen aus Bereichen wie Pferdewetten." Ihnen gegenüber stehen Wissenschaftler, die vor einem drohenden Systemzusammenbruch warnen. Gute Bestandsaufnahme der verschiedenen Wirtschaftsideologien, verrät aber wenig Neues.

Nicolas Freund

11 / 12

Wahrheit oder Pflicht

Wahrheit oder Pflicht

Quelle: Peter Iovino; Universal Pictures International France

Was als lustiges Partyspiel beginnt, wird tödlicher Ernst. Wer bei Wahrheit oder Pflicht lügt oder seine Mutprobe nicht erfüllt, stirbt. Der Freundeskreis von Youtuberin Olivia dezimiert sich zusehends. Jeff Wadlow will diese Story gleichzeitig als Horror und als Komödie inszenieren, beides klappt aber nicht so recht. Immerhin erfüllen die Charaktere die klassischen Teeniefilm-Klischees, aber die Aufgaben des Spiels sind durchweg vorhersehbar.

Runa Behr

12 / 12

Was werden die Leute sagen

Kinostart - 'Was werden die Leute sagen'

Quelle: dpa

Die Tür geht auf, und der Vater flippt aus. Seine 15-jährige Tochter hat einen Jungen im Zimmer. Die Familie lebt zwar in Norwegen, aber nach den streng patriarchalen Regeln ihrer pakistanischen Wurzeln. Um die seiner Tochter einzutrichtern, entführt er sie in seine Heimat, die nicht die ihre ist. Dort soll sie bei Verwandten leben. Die Regisseurin Iram Haq hat diese Erfahrung selbst gemacht. Vielleicht liegt es daran, dass den Film eine tagebuchartige Distanziertheit auszeichnet, so als würde die entscheidende Zutat fehlen: es selbst erlebt zu haben.

Philipp Bovermann

© SZ.de/doer
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