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Filmstarts der Woche:Welche Filme sich lohnen - und welche nicht

"Herrliche Zeiten" von Oskar Roehler ist eine schrille Satire über Dekadenz und Sadismus. Das Drama "Eleanor & Colette" hat einen leichten Drall Richtung Kitsch.

Von den SZ-Filmkritikern

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Eleanor & Colette

'55 steps'; Eleanor und Colette Film

Quelle: Bernd Spauke; Atlas International/Elsani/Warner Bros. GmbH

Eleanor hatte als Kind eine Hirnhautentzündung, sie ist ein bisschen zurückgeblieben und hat psychotische Schübe - aber ihr Urteilsvermögen ist gut. Bille August hat ihren Fall verfilmt, Ende der Achtziger erkämpfte sie mit ihrer Anwältin (Hilary Swank) das Recht, bei ihrer Medikation mitreden zu dürfen. Helena Bonham Carter spielt Eleanor ganz großartig und nuanciert, der Rest ist solide Arbeit, mit leichtem Drall Richtung Kitsch.

Susan Vahabzadeh

2 / 15

Familiye

Familiye Film

Quelle: Koryphäen Film

Nach fünf Jahren Gefängnis warten auf Danyal nur seine unselbständigen Brüder, Geldsorgen und eine neue, aus der Psychiatrie entlaufene Mitbewohnerin. Nicht gerade ideal für einen Neustart im Problembezirk Berlin-Spandau. Doch gerade der Kiez bietet auch Rückhalt - Sedat Kirtan und Kubilay Sarikaya skizzieren ihn mit einem wissenden und liebevollen Blick. Dafür lohnt es sich, über kleine erzählerische Mängel hinwegzusehen.

Tatjana Michel

3 / 15

Gutland

Kinostart - 'Gutland'

Quelle: dpa

Das hätte auch Roman Polanski oder Lars von Trier gefallen: Der Kleinkriminelle Jens (Frederick Lau) will sich als Erntehelfer in der luxemburgischen Provinz verstecken, doch hinter der Fassade des Dorflebens kommen allmählich Perversionen, Leichen und Horrormomente zum Vorschein. Nebenbei lässt Regisseur Govinda Van Maele aktuelle Fragen über der surrealen Handlung schweben: Wie ist es als Fremder im beschaulichen europäischen Nirgendwo? Ist die örtliche Musikkapelle die beste Art der Integration?

Annett Scheffel

4 / 15

Herrliche Zeiten

Kinostart - 'HERRliche Zeiten'

Quelle: dpa

Im Rotweinrausch gibt der Chirurg Claus eine Stellenanzeige auf: "Sklave/in gesucht". Dabei wollten seine Frau und er nur eine neue Putzfrau. Dann stellt sich ein williger Diener vor, der das Ehepaar zu begeisterten Sklavenhaltern umerzieht, woraus Oskar Roehler eine schrille Satire über Dekadenz und Sadismus macht. Tragikomisch auch hinter den Kulissen: Die Romanvorlage stammt von Thor Kunkel, der sich heute als Werbestratege der AfD verdingt (siehe Feuilleton vom Montag).

David Steinitz

5 / 15

Meister der Träume

-

Quelle: SZ

Sonia Kronlund begleitet Salim Shaheen, den Star des afghanischen Kinos, bei Dreharbeiten in gefährlichen Gegenden. Der Bud Spencer Afghanistans, der in seinen Werken jede Menge Ohrfeigen verteilt, gibt auch vor Kronlunds Kamera den großen Zampano. Seine Billigfilme sind aber Freiheitsräume in einer restriktiven Gesellschaft. Unglaublicher Typ, unglaubliche Doku - und unglaublich lustig.

Philipp Stadelmaier

6 / 15

Monika Hauser

Monika Hauser - Ein Portrait

Quelle: Barnsteiner-Film

Ein Film über und mit Monika Hauser, deren Organisation Medica Mondiale sich um vergewaltigte, traumatisierte Frauen kümmert, in Bosnien oder Afrika. Es gibt viele Konferenzen, Podiumsdiskussionen, Statements im Film von Evi Oberkofler und Edith Eisenstecken bleiben am Ende bei der persönlichen Geschichte, Hausers Jugend in der Schweiz und im Vinschgau, wo die Großmutter vom Arbeiten und Leiden der Frauen auf dem Land erzählte. Um ihre Erfahrungen weiterzugeben, hat sie mich ausgesucht, erzählt Monika Hauser.

Fritz Göttler

7 / 15

No Way Out

Kinostart - 'No way out - Gegen die Flammen'

Quelle: dpa

Feuerkatastrophen in Arizona und die jungen Männer, die sich den gefräßigen Flammen unter Führung zweier alter Haudegen (Josh Brolin und Jeff Bridges) entgegenstellen, sehr zum Kummer der zu Hause bangenden Frauen. Joseph Krasinski erdet das Abenteuer in den Verrichtungen des Alltags und Beziehungsgeflechten zwischen Männerfreundschaft und Liebe. Das Feuer ist ein weiterer Hauptdarsteller im beeindruckenden Ensemble.

Anke Sterneborg

8 / 15

Rara

Rara Film

Quelle: Cine Global

Sara wird 13. Sie hat eine liebe Familie und eine beste Freundin, sie schwärmt für einen Jungen und ist in Normalität geborgen. Doch weil ihre Mutter mit einer Frau zusammenlebt, klagt ihr Vater das Sorgerecht für die Töchter ein. Den Fall hat es tatsächlich gegeben, die Chilenin Pepa San Martín erzählt jedoch wenig vom Rechtsstreit der Eltern. Sie konzentriert sich ganz auf das Mädchen, das Durcheinander der Pubertät und die Liebe, die hier spürbar ist - zwischen Sara und ihrer kleinen Schwester, zu ihrer Freundin Pancha oder zwischen den beiden Müttern - jede ist anders, aber jede ist schön.

Martina Knoben

9 / 15

Reggae Boyz

Reggae Boyz Film

Quelle: Reggae Boyz Film

Morgens arbeitet er in der Stahlfabrik, danach trainiert er mit der Nationalmannschaft. Tuffy Anderson ist der lokale Fußballsuperstar in Jamaika, die Zeitungen sind voll mit Geschichten über ihn. Dabei läuft es für seine Mannschaft, die Reggae Boyz, nicht gut. In der Qualifikationsrunde für die WM 2014 steht sie auf dem letzten Platz. Die deutsche Trainerlegende Winfried Schäfer soll's richten. Till Schauder hat das Drama begleitet und in Kingston allerlei Persönlichkeiten interviewt, darunter den ehemaligen Gitarristen Bob Marleys. Fazit: Hauptsache Spaß, irgendwer macht Musik und nicht alle stressen sich so wie Tuffy und Winnie.

Nicolas Freund

10 / 15

Rewind - Die zweite Chance

Rewind - Die zweite Chance Film

Quelle: Martin Valentin Menke; RealFiction

Ein Polizist (wunderbar melancholisch: Alex Brendemühl) verliert seine Frau, sie wird bei einem Banküberfall erschossen. Als kurz darauf ein Mann ums Leben kommt, der am selben Tag ebenfalls in der Bank war, vermutet der Witwer einen Zusammenhang. Der Film von Johannes F. Sievert beginnt wie ein typischer Krimi - und geht wie ein typischer Zeitreisefilm weiter, mit allem was dazugehört: superschlauen Physikern, Situationen, die bei jeder Wiederholung anders ablaufen und, ja, sogar den obligatorischen Flügelschlägen eines Schmetterlings.

Karoline Meta Beisel

11 / 15

Die Sanfte

Die Sanfte Film

Quelle: Sergei Loznitsa - Slot Machine

Ein Roadmovie, bei dem man schnell merkt, man wird nicht wirklich von der Stelle kommen. Eine Frau will ein Paket persönlich zustellen, für ihren Mann im Gefängnis, sie fährt mit dem Bus und dem Zug zu ihm. An den Toren der Haftanstalt verweigert man die Annahme und überhaupt jede Auskunft, die Frau gerät in den irrealen Terror der Bürokratie und der Träume. Kafkaesk, könnte man meinen, aber die Inspiration kommt von Dostojewski. Der magische Realismus, den Sergei Loznitsa in seinen Dokumentarfilmen entwickelte, prägt auch seine Spielfilme.

Fritz Göttler

12 / 15

Sherlock Gnomes

Kinostart - 'Sherlock Gnomes'

Quelle: dpa

Nachdem Gnomeo und Julia im ersten Animationsfilm der Gartenzwerge die Stars waren, wird Shakespeare auch in der Fortsetzung nicht in Ruhe gelassen. Als in London Zwerge verschwinden, ist das Liebespaar erneut dabei. John Stevenson macht daraus einen Fall für Sherlock Gnomes. Im Vorgarten mögen die Figuren der Weltliteratur ganz putzig aussehen und sogar irgendwie zu Elton John passen, der hier auch mitmischt. Als Film wird es einem aber schnell zu viel.

Ana Maria Michel

13 / 15

Sieben Tage in Entebbe

7 Tage in Entebbe

Quelle: EntertainmentOne

Ihre Waffen transportieren sie im Handgepäck, auch sonst haben die Terroristen leichtes Spiel bei dieser Flugzeugentführung, die sie im Jahr 1976 in die ehemalige Hauptstadt Ugandas führt. Der brasilianische Regisseur José Padilha stellt die bereits mehrmals verfilmte Befreiungsaktion als furios choreografierten Thriller nach, er zeigt die Debatten in israelischen Regierungskreisen, lässt ein Spezialkommando auf die Entführer (Daniel Brühl, Rosamunde Pike) los und schneidet dazu Bilder einer Tanztheater-Performance: künstlerisch ambitioniert, inhaltlich unentschlossen.

Josef Grübl

14 / 15

Therapie für Gangster

Therapie für Gangster Dokumentarfilm

Quelle: kinofreund eG / mindjazz pictures

Für seinen stillen Dokumentarfilm über neun Insassen einer Maßregelvollzugsanstalt in Duisburg hat der Filmemacher Sobo Swobodnik sich für vier Wochen mit ihnen in der forensischen Psychiatrie einschließen lassen. Trotzdem teilt der Film das Problem der Psycho- und Ergotherapeuten, der Lehrer und Wärter in der klinischen Atmosphäre dieser Anstalt: So richtig nah kommt er nicht an die Seelen dieser rauen Männer heran.

Kathleen Hildebrand

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Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?

Kinostart - 'Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?'

Quelle: dpa

Gott ist depressiv und gelangweilt, darum mischt er sich in das Familiendrama von Ehepaar Charlotte und Paul ein. In der Geschichte von Regisseurin Kerstin Polte gibt es drei problembeladene Generationen, keine kriegt irgendetwas hin, bis Charlotte (Corinna Harfouch) samt Enkelin durchbrennt und alle ihre wahre Bestimmung finden. Dabei führen sie schwer philosophische Monologe über die Liebe, den Tod, das Dasein - worüber man im deutschen Film halt so nachdenkt.

Juliane Liebert

© SZ.de/khil

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