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Filmstarts der Woche:Welche Filme sich lohnen - und welche nicht

Matthias Schweighöfer gibt in der überdrehten Gute-Laune-Komödie "Vielmachglas" den Backpack-Abenteurer. In "Arthur & Claire" bemüht Josef Hader sich ein weiteres Mal, zu sterben.

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Arthur & Claire

Josef Hader Kinofilm Arthur & Claire

Quelle: Universum Film

Josef Hader bleibt sich treu. Was ihm in "Vor der Morgenröte" gelang, in seinem Regiedebüt "Wilde Maus" nicht, nimmt er sich nun erneut vor: freiwillig sterben. Miguel Alexandre lässt seinen Protagonisten Arthur (Hader) in Amsterdam auf die ebenfalls Suizid-willige Claire (Hannah Hoekstra) treffen, und mit der Begegnung verändert sich alles: ihr Blick aufs Leben und auf sich selbst, aber auch der Blick des Regisseurs auf die Stadt, die sich vom Touriziel zur beseelten Schmucklosen wandelt. Dazu gibt's starke Dialoge, eine feine Balance aus Tragik und Komik. Die Klavierszene in der Bar wirkt lange nach.

Bernhard Blöchl

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Death Wish

Death Wish Kinofilm Eli Roth

Quelle: Universum Film

Der Chirurg Paul (Bruce Willis) meidet Schlägereien und will mit Waffen nichts zu tun haben. Aber als seine Frau von einer Räuberbande ermordet wird, rüstet er auf und knallt als nächtlicher Racheengel nach und nach die Täter ab. Ein Remake des Charles-Bronson-Klassikers "Ein Mann sieht rot", für das Eli Roth sich an vorsichtigem Selbstjustizzynismus versucht, was aber auch nicht weniger reaktionär ist als das ironiefreie Original.

David Steinitz

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Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer?

Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer? Kinofilm Lola Randl

Quelle: Universum Film

Die Titelfrage werden alle Zuschauer mit einem klaren "Ja" beantworten, die einen allerdings vor dem Film, die anderen danach. Lola Randls Komödie über eine von der Arbeit gestressten und ihrer Ehe gelangweilten Frau (Lina Beckmann), die sich eine Doppelgängerin (ebenfalls Lina Beckmann) zulegt, ist betont überdreht und fängt in poppig bunten Fertighauskulissen die Absurditäten des Alltags ein. Das mag man erfrischend oder nervtötend finden, aber allemal überragt es üblichen deutschen Beziehungskomödientrott.

Josef Grübl

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Furusato - Wunde Heimat

Furusato Wunde Heimat Kinofilm

Quelle: Universum Film

Seit 2012 dreht Thorsten Trimpop immer wieder in der radioaktiv kontaminierten Umgebung des AKW Fukushima. Seine Dokumentation zeigt Menschen, die hier den Umständen zum Trotz leben, die traurige und die groteske Seite bei der Rekonstruktion eines Alltags inmitten unsichtbarer Gefahr. Drei Familien erzählen ihre Geschichte, darüber hinaus gibt es wenig Information. Dafür sind manche Bilder vom Verfall der Region von ausgesuchter Tristesse.

Doris Kuhn

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Jane

Jane Kinofilm Brett Morgen

Quelle: Universum Film

Eine junge Britin zieht 1960 in den Dschungel, um etwas über Affen zu erfahren. Erfahrung hat sie keine, eine Kamera auch nicht, also schickt man ihr den 2002verstorbenen Tierfilmer Hugo von Lawick hinterher. Brett Morgen hat aus den alten Aufnahmen eine fast schon irritierend warmherzige Geschichte gebastelt. Die Bilder erinnern an eine Natur, die es in absehbarer Zeit nicht mehr geben wird. Inmitten all dessen eine junge Frau, die keine Angst hat.

Philipp Bovermann

6 / 11

Kevin Roche - Der stille Architekt

Kevin Roche Der stille Architekt Noonan Kinofilm

Quelle: Universum Film

Es gibt ein Standardrezept für Architektenfilme: Klassikmusikteppich großzügig ausrollen, Gebäude im starken Gegenlicht filmen, dazu Weggefährten reden lassen. Mark Noonan hält sich an diese Formel. Das ergibt zwar einige stimmungsvolle Momente, wirklich nah kommt man aber dem heute 95-jährigen irisch-amerikanischen Architekten Roche, der über 300 Gebäude vor allem in den USA entworfen hat, dabei leider nicht.

Laura Weissmüller

7 / 11

Lucky

Lucky John Carroll Lynch Kinofilm

Quelle: Universum Film

Realismus ist ein Ding. Wenn Lucky das sagt, dann glaubt man das. Lucky wird verkörpert von Harry Dean Stanton, in der ersten Regiearbeit des Schauspielers John Carroll Lynch. Er lebt in einem sonnigen kalifornischen Kaff, führt gern Bar- und Café-Gespräche. Viele seiner Geschichten sind von Stanton persönlich, er war neunzig, als gedreht wurde, ist kurz nach dem Film gestorben. Einmal singt er, und das ist wirklich herzzerreißend. Noch eine von Luckys Weisheiten: Die Seele? Existiert nicht. (SZ von Mittwoch).

Fritz Göttler

8 / 11

Molly's Game - Alles auf eine Karte

Molly's Game Kinofilm

Quelle: Universum Film

Molly Bloom war Ausrichterin exklusiver Underground-Pokerrunden mit Stars wie Ben Affleck und höchsten Einsätzen, bis das FBI kam. In Aaron SorkinsRegiedebüt wird sie von der superben Jessica Chastain verkörpert. Während die brillanten Dialoge sich jagen und der Champagner fließt, wird sie zur weiblichen Super-Souveränin, der Männer wurscht sind und die nur eines will: gewinnen, finanziell und moralisch.

Philipp Stadelmaier

9 / 11

Operation: 12 Strong

Operation 12 Strong Fuglsig Kinofilm

Quelle: Universum Film

Hier wird die amerikanische Einheit begleitet, die nach 9/11 als erste nach Afghanistan geschickt wurde, um mit einem lokalen Stammesfürsten die Taliban zu bekämpfen. Nicolai Fuglsigs Inszenierung kümmert sich darum, dass man gut und böse nicht durcheinanderbringt, Musik und Mentalitäten sorgen für patriotischen Overkill. Dazwischen, zu Pferd in den wilden Bergen, ist man in einem Karl-May-Film mit Panzerfäusten als Dreingabe.

Doris Kuhn

10 / 11

Vielmachglas

Vielmachglas Matthias Schweighöfer Kinofilm

Quelle: Universum Film

Dreadlocks auf dem Kopf, immer ein tibetisches Sprichwort auf der Zunge: Matthias Schweighöfer spielt bei Florian Ross den Backpack-Abenteurer. Seine Schwester Marleen macht sie es sich lieber bei den Eltern gemütlich. Dann verändert ein Unfall alles. Der Film, von der starken Jella Haase als Marleen gezogen, verpasst durch viel Überdrehtheit die Chance, mehr als eine Gute-Laune-Komödie zu werden.

Ana Maria Michel

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Walter Pfeiffer - Chasing Beauty

Walter Pfeiffer Chasing Beauty Iwan Schumacher Kinofilm

Quelle: Universum Film

Immer wieder fängt Walter Pfeiffer die flüchtigen Moment der Jugend ein, die Jungs ein bisschen lieber, aber auch viele Mädchen. Iwan Schumacher lässt nicht nur den entwaffnend offenen und lebensfreudigen Fotografen zu Wort kommen, sondern auch viele seiner früheren Modelle. Er blättert in Scrapbooks, schwulen Underground-Magazinen und Hochglanz-Modezeitschriften, auf den Spuren eines Werks, das die Wirklichkeit surreal überhöht.

Anke Sterneborg

© SZ.de/frw

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