Süddeutsche Zeitung

Filmstarts der Woche:Welche Filme sich lohnen - und welche nicht

Hugh Jackman jagt in "The Greatest Showman" dem großen Traum vom Zirkus nach. In "Das Leuchten der Erinnerung" begibt sich ein altes Ehepaar auf einen Roadtrip.

Von den SZ-Kinokritikern

Alte Jungs

Zu unmündigen Kindern degradiert im Altersheim versauern? Nicht mit Fons, Lull und Jängi. Gemeinsam mit dem Zigaretten und Adult-TV schmuggelnden Nachtportier Nuckes beschließen sie, ihr eigenes Wohnprojekt auf die Beine zu stellen. Doch Frauen vereiteln ihren Plan. Schauspieler wie André Jung und Marco Lorenzini spielen Chauvinisten mit Großvaterbonus. Die Männer-Tragikomödie des Luxemburgers Andy Bausch ist liebenswert, doch an manchen Stellen zu seicht und klischeehaft erzählt.

Die Dschungelhelden

Ein Pinguin mit Tigerstreifen ist der Anführer der Dschungelhelden. Mit seinen furchtlosen Mitkämpfern will Maurice verhindern, dass der gemeine Koalabär Igor den Dschungel mit explosiven Pilzen zerstört. Parallel dazu muss er den Generationenkonflikt mit seiner Adoptivmutter, der Tigerin Natacha, lösen, deren Bande einst für Gerechtigkeit sorgte. Die Animation ist schön detailreich und ständig lässt David Alaux etwas durch die Luft wirbeln. Ein wenig von dieser Dynamik hätten auch die Gags vertragen.

Glory

Auf unglückselige Weise verheddern sich die Schicksale zweier Menschen, als die toughe Karrierefrau Julia den einsiedlerischen Eisenbahner Tsanko, der auf seiner Bahnstrecke eine große Menge Bargeld gefunden und den Behörden übergeben hat, zum Helden einer PR-Kampagne macht und ihn damit in einen bürokratischen Albtraum stürzt. Kristina Grozeva und Petar Valchanov kreuzen den Sozial-Realismus der Dardenne-Brüder mit Galgenhumor und schaffen nach "The Lesson" ein weiteres messerscharfes Porträt einer bulgarischen Gesellschaft zwischen Korruption und sozialer Ungerechtigkeit.

The Greatest Showman

Die klassische amerikanische Geschichte: Ein Mann jagt seinen Träumen nach, und die Träume werden wahr. Hugh Jackman spielt P.T. Barnum, der mit einem Zirkus zum Millionär wird - was seiner Frau (Michelle Williams) völlig reicht, aber nicht seinem Ehrgeiz, auch ihren Vater zu beeindrucken. Michael Gracey inszeniert das ganz geradeheraus nach traditionellen Musicalvorbildern und versucht, das Genre nur über die Lieder zu modernisieren. Ein paar hübsche Ideen sind dabei, die Songs nehmen beispielsweise die Geräusche rundum mit auf. Die Musik selbst aber ist eine Popsoundsauce, die in den Achtzigern jede Disco auf Ibiza verweigert hätte.

Das Leuchten der Erinnerung

Seit 50 Jahren verheiratet, fliehen John und Ella im Vintage-Wohnmobil aus der Überwachung von Ärzten und Kindern. Die innige Zärtlichkeit einer in vielen Jahrzehnten gewachsenen Liebe muss auf dem abenteuerlichen Road Trip gegen Alzheimer und Krebs verteidigt werden, weshalb Witz und Verzweiflung manchmal schwindelerregend nah beieinander liegen. Das US-Debüt des italienischen Regisseurs Paolo Virzi ruht auf den Schultern von Donald Sutherland und Helen Mirren, die mit einem fragilen Blick und einer minimalen Geste in die Tiefe gehen, wo die Romanadaption eher oberflächlich bleibt.

Lux - Krieger des Lichts

Der schlimmste Feind des Superhelden ist §17a Absatz 2 des Versammlungsgesetzes: das Vermummungsverbot. Auch wer für das Gute kämpft, kann in Deutschland nicht einfach mit einer Maske überm Kopf demonstrieren gehen, lernt Lux (Franz Rogowski) auf seinen Streifzügen durch Berlin. Regisseur Daniel Wild stellt in seiner Tragikomödie über die realen Herausforderungen des Heldentums das Genre gekonnt auf den Kopf.

Score - Eine Geschichte der Filmmusik

Ohne die kreischenden Geigen des Komponisten Bernard Herrmann hätte die Duschszene in Hitchcocks "Psycho" kaum an den Nerven gezerrt. Matt Schrader untersucht in seiner Doku Wirkung und Entstehung der Filmmusik. Er fokussiert dabei zu sehr auf klassische Orchestrierung, Pop und Synthesizer kommen zu kurz. Aber wenn Größen des Handwerks - unter anderem Quincy Jones, Hans Zimmer und James Cameron - aus dem Nähkästchen plaudern, ist das trotzdem interessant.

Die Spur

Gibt es einen gerechten Mord? In der Waldwildnis Polens wird ein Mitglied des Jagdvereins nach dem anderen tot aufgefunden. In der Nähe der Leichen finden sich Huf- und Pfotenspuren im Schnee, Tiere starren aus dem Dickicht. Es ist Rache, sagt Druszejko, die warmherzig-verrückte Tierschutzrentnerin, die sich für die gute Sache mit Nachbarn, Polizei und Kirche anlegt. Agnieszka Mandat spielt sie mit gewaltiger Präsenz und einer so überzeugenden Hyperemotionalität, dass ihr Auftritt diesen wenig konzentrierten Film von Agnieszka Holland zusammenhält.

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Quelle:
SZ vom 04.01.2018
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