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Filmstarts der Woche:Welche Filme sich lohnen und welche nicht

In "American Assassin" verwandelt sich Dylan O'Brien in eine Art Hardcore-Karate-Kid und "Schumanns Bargespräche" um den Barkeeper-Guru Charles Schumann überzeugt auch im nüchternen Zustand.

Von den SZ-Kinokritikern

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American Assassin

Kinostart - 'American Assassin'

Quelle: dpa

Nach einem Terroranschlag, bei dem seine Verlobte getötet wird, radikalisiert sich Mitch Rapp zum Anti-Islamisten. Dabei ist er so leidenschaftlich, dass ihn die CIA als Terroristenjäger rekrutiert. Im Wald wird er von einem alten Haudegen (Michael Keaton) zu einer Art Hardcore-Karate-Kid mit Waffen ausgebildet. Das ist auch nötig, denn sein Feind hat dasselbe Training durchgemacht. Die Vorgeschichte zu Vince Flynns Romanreihe ist eine gnadenlose Agentenjagd um den halben Globus. Homeland-Regisseur Michael Cuesta gibt in der zweiten Hälfte die interessante Idee der umgekehrten Radikalisierung zu Gunsten eines brutalen Actionfilms vom Reißbrett auf. Trotzdem spannend.

Nicolas Freund

2 / 13

Captain Underpants

Captain Underpants

Quelle: DreamWorks Animation; Twentieth Century Fox France

George und Harold sind beste Freunde. Sie lieben Comic-Bücher, Streiche und Pups-Witze. Der Schuldirektor will sie in unterschiedliche Klassen stecken, also hypnotisieren sie ihn. Fortan ist er Captain Underpants. Zur gleichen Zeit taucht ein Bösewicht auf, der das Lachen ausmerzen will - und deshalb natürlich gestoppt werden muss. Bleibt die Frage, für wen dieser Film eigentlich gedacht ist. Einerseits ist er kindisch und albern, andererseits reflektiert er ständig seinen eigenen Status. Das macht ihn seltsam faszinierend.

Constanze Radnoti

3 / 13

Darkland

-

Quelle: Concorde Filmverleih

Dänemark, dieses immer erstaunliche Filmland, hat jetzt seinen eigenen Vin Diesel. Er heißt Dar Salim, kommt ursprünglich aus dem Irak und spielt hier - gelungene Integration! - einen Herzchirurgen mit schwangerer Frau. Leider stirbt sein Bruder - gescheiterte Integration! - in der Drogenunterwelt Kopenhagens, und der Arzt mutiert zum schwarzen Selbstjustiz-Exekutor. Macht Regisseur Fenar Ahmad, ebenfalls irakischstämmig, hier nur aufpoliertes Rachekino - oder doch Vorschläge zum Umgang mit kriminellen Migranten? Schwer zu sagen.

Tobias Kniebe

4 / 13

Der Einsiedler

Kinostart - 'Die Einsiedler'

Quelle: dpa

Alpenidylle sieht anders aus: In Ronny Trockels Spielfilmdebüt ist das Leben auf dem Südtiroler Berghof düster, schlammbraun und von dicken Nebelwolken verhangen. In langen, strengen Einstellungen erzählt Trockel von den Rissen zwischen archaischem Bergleben und moderner Arbeitswelt: Sohn Albert arbeitet unten im Tal im Steinbruch, Mutter Marianne ertränkt oben ihre Einsamkeit in grimmigem Arbeitseifer und die Katzenbabys in der Regentonne. Die Trostlosigkeit dieser Welt und ihre wortkargen Bewohner fahren einem eisig in die Glieder. Ein eindringlicher, aber qualvoll steifgefrorener Film.

Annett Scheffel

5 / 13

Happy End

Kinostart - 'Happy End'

Quelle: dpa

Michael Haneke porträtiert eine großbürgerliche französische Familie in Calais. Es gibt Eindringlinge (ein junge Verwandte, schwarze Migranten am Strand) und drei Selbstmordversuche (einer klappt, zwei nicht). Außerdem gibt es Isabelle Huppert, Jean-Louis Trintignant und andere Verweise auf frühere Haneke-Filme. Ein ebenso leiser wie wichtiger Haneke, der seine früheren Filme neu entdecken lässt.

Philipp Stadelmaier

6 / 13

Louis & Luca

Louis & Luca

Quelle: Kinostar Filmverleih GmbH

Basierend auf Kjell Aukrusts Kinderbüchern, gefilmt in traditioneller Puppen-Stopp-Motion-Technik, entwirft das zweite Animationsabenteuer des Elster-Igel-Duos Louis & Luca ein herrlich skurriles, märchenhaftes Universum. Der vorwitzige Elster-Junge und sein ängstlicher Igel-Kumpel wollen für ihr Dorf den Sieg im Käserennen erringen und lernen bei der halsbrecherischen Jagd durchs ländliche Norwegen, dass der Zusammenhalt ihrer Freundschaft wichtiger ist als der Erfolg.

Rainer Gansera

7 / 13

Maleika

Maleika

Quelle: Camino Filmverleih

Maleika muss ihre sechs Babys in der Serengeti vor Feinden schützen. Matto Barfuss hat sie begleitet. Ein Lehrfilm ist daraus nicht geworden. Ohne Liebe funktioniert die Gepardenfamilie nicht, lernt man. Ein bisschen wie bei Disney, nur mit echten Tieren. Fressen und gefressen werden ist für Geparden dramatischer Alltag. Die vielen Jagdszenen können auf den abgestumpften Zuschauer bald redundant wirken. Aber: Wann kommt man diesen faszinierenden Tieren schon einmal so nah?

Ana Maria Michel

8 / 13

Pre-Crime

Pre-Crime

Quelle: Rise and Shine

Was ist die Wahrscheinlichkeit, dass in einer bestimmten Straße morgen ein Raubüberfall stattfindet? Die Doku Pre-Crime dreht sich um Software, die Verbrechen vorhersagt, bevor es passiert. Polizei, die am Tatort ist, bevor der Täter auch nur ankommt. Listen der Mörder von morgen, berechnet von Algorithmen. Was nach Hollywood-Thriller klingt, wird beispielsweise in Chicago gerade real. Doch woher kommen die Daten für diese Algorithmen? Wer entscheidet, wer von ihnen beschützt wird und wer nicht? Ein Ausblick in die Verbrechensbekämpfung der Zukunft.

Juliane Liebert

9 / 13

Schumanns Bargespräche

Kinostart - 'Schumanns Bargespräche'

Quelle: dpa

Der Barkeeper-Guru Charles Schumann reist um die Welt, spricht mit Kollegen, lässt sich von ihnen kunstvoll einschenken und die Dokumentarfilmerin Marieke Schroeder ist mit dabei. Ein Film, wie geschaffen für eins dieser schicken, bewirteten Lounge-Kinos. Andererseits riskiert man dabei, viel Geld für teuren Alkohol auszugeben. Was gar nicht nötig wäre, denn der Film funktioniert auch nüchtern recht gut.

Philipp Bovermann

10 / 13

Vorwärts immer!

Vorwärts immer!

Quelle: BELLA ; DCM

Auf der Theaterbühne gibt Otto Wolf schon einen ziemlich guten Honecker. Als die DDR-Regierung im November 1989 mit Waffengewalt gegen die Leipziger Montagsdemonstranten vorgehen will, schleust das Ensemble den falschen Staatschef auf der echten politischen Bühne ein. Wie schwindelerregend komisch so eine Konstellation aussehen kann, hat Lubitsch in Sein oder Nichtsein gezeigt. Im Vergleich dazu ist Franziska Meletzkys aus sicherem Abstand von den realen Ereignissen gedrehter Film eine gemütliche Posse, in der Jörg Schüttauf mit spürbarem Vergnügen als doppelter Honecker vom Leder zieht.

Anke Sterneborg

11 / 13

The Wailing

The Wailing

Quelle: Alamode Film

In einem Bergdorf in Südkorea kommt es zu Mordfällen, in die auch der ermittelnde Polizist und seine Tochter hineingezogen werden. In seinem Film, der dieses Jahr in Cannes lief, mixt Na Hong-jins meisterhaft Thriller-, Horror- und Mystery-Elemente. Die Auseinandersetzung mit den Geistern bleibt maximal realistisch, am Schluss wartet das absolute Glaubensdilemma.

Philipp Stadelmaier

12 / 13

Wenn Gott schläft

Kinostart - 'Wenn Gott schläft'

Quelle: dpa

Der deutsch-amerikanische Filmemacher Till Schauder porträtiert den iranischen Rapper und Sänger Shahin Najafi. Wegen eines satirischen Rapsongs verhängten Großajatollahs in seiner Heimat 2012 eine Todes-Fatwa. Najafi floh nach Deutschland, wo ihn Schauder über mehrere Jahre begleitete. Seine Doku sucht den Menschen zwischen den Wirren aus Politik, Religion und Schlagzeilen ("Rushdie des Rap"), zwischen den langen Armen des Regimes und der deutschen Skepsis gegenüber Muslimen - und findet einen müden, unbeugsamen Starrkopf, der weitermacht und weitermachen muss. Ein Film über großen Mut und gegen das Vergessen.

Annett Scheffel

13 / 13

What happened to Monday?

Kinostart - 'What Happened To Monday?'

Quelle: dpa

Noomi Rapace mal sieben. So viele Frauen spielt sie - Schwestern, die nur überleben können, wenn sie sich als eine Person ausgeben. In der Zukunft, die der Regisseur Tommy Wirkola in seiner düsteren Dystopie entwirft, gilt nämlich eine strenge Einkindpolitik, überzählige Geburten werden buchstäblich eingeschläfert. Deshalb verlässt jede der Schwestern ihr Versteck nur an dem Tag in der Woche, dessen Namen sie trägt. Es ist ein faszinierendes Gedankenspiel und actionreich erzählt - eine passende Ergänzung zum aktuellen neuen Blade Runner.

Martina Knoben

© Süddeutsche Zeitung vom 12.10.2017

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