bedeckt München -1°

Filmstarts der Woche:Welche Filme sich lohnen und welche nicht

Pokémon sind zum ersten Mal reale Wesen, allerdings ist die Story eine hölzern konstruierte Weltrettung. Bei "Stan & Ollie" hingegen können einem die Tränen kommen.

Von den SZ-Kinokritikern

1 / 15

Anything

Anything Kinostar Filmverleih GmbH

Quelle: Kinostar Filmverleih GmbH

Die Verfilmung des eigenen Theaterstücks von Regisseur Timothy McNeil hat alle Anlagen für ein gutes Indie-Drama über eine unwahrscheinliche Liebe. James Laxton ("Moonlight") steht hinter der Kamera und zwei exzellente Charakterschauspieler davor: der ewige Nebendarsteller John Carroll Lynch als depressiver Witwer, der nach einem Suizidversuch von seiner Schwester aus Mississippi nach L.A. geholt wird, und Matt Bomer als Transgender-Prostituierte. Deren Annäherungsgeschichte wird visuell aber überraschend zurückhaltend und dramaturgisch holprig erzählt, echte Nähe zu den Figuren entsteht nicht.

Annett Scheffel

2 / 15

Das Ende der Wahrheit

Das Ende der Wahrheit PROKINO Filmverleih GmbH / Walker + Worm Film / Bernd Schuller

Quelle: PROKINO Filmverleih GmbH / Walker + Worm Film / Bernd Schuller

Martin Behrens (Ronald Zehrfeld) ist ein BND-Agent der alten Schule: Er weiß genau, wie man eine schwierige Quelle zum Sprechen bringt, selbstverständlich kann er Arabisch und wenn es sein muss, verhandelt er auch mal monatelang um eine Geisel. Nach einem Anschlag in einem Münchner Café wird ihm brutal deutlich gemacht, dass solche Idealisten beim Geheimdienst nicht mehr gefragt sind. Regisseur und Drehbuchautor Philipp Leinemann skizziert internationale Verschwörungen. Ein ambitionierter und vielschichtiger Agentenfilm aus Deutschland, dem man ein paar holprige Dialoge und unfertige Figuren gerne verzeiht.

Nicolas Freund

3 / 15

Glam Girls

Glam Girls - Hinreißend verdorben

Quelle: CHRISTIAN BLACK; Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc.

Wuchtbrumme trifft Edelganovin: Nach den "Ghostbusters" und "Ocean's 8" ist Chris Addisons Neuverfilmung der Komödie "Zwei hinreißend verdorbene Schurken" aus dem Jahr 1988 ein weiteres Remake, das ehemals männliche Hauptfiguren durch weibliche ersetzt. Anne Hathaway als blasierte, ein wenig säuerliche Trickbetrügerin Josephine und Rebel Wilson als verfressen-prollige Berufskollegin Penny nehmen Millionäre aus, kämpfen aber auch gegeneinander mit ekligen Tricks. Der Film ist kalkuliertes Popcorn für den Mädelsabend, trotz toller Darstellerinnen aber ein eher laues Vergnügen.

Martina Knoben

4 / 15

Ink of Yam

Ink of Yam

Quelle: JIP Filmproduktion

Boom. Schweigen. Stille, Schreie - der ewige Rhythmus des Lebens in Jerusalem. Ein Moment des Innehaltens, dann geht das Leben weiter, auch im 1993 von zwei Russen eröffneten Tattoo-Studio "Bizzart". Ihr Laden ist eine Oase der Begegnung verschiedenster Nationalitäten, Religionen und Hautfarben, die der aus Rostock stammende Regisseur Tom Fröhlich in seinem Abschlussfilm porträtiert. In sieben Sessions lassen sich die Kunden ein Destillat ihres Lebens unter die Haut ritzen und erzählen zugleich die Geschichte einer Stadt voller Widersprüche.

Anke Sterneborg

5 / 15

Jibril

Jibril

Quelle: missingFILMs - Filmverleih & Weltvertrieb

Maryam verliebt sich in Jibril. Unglücklicherweise sitzt dieser im Gefängnis. Henrika Kull erzählt in ihrem dokumentarisch anmutenden Spielfilmdebüt unglaublich poetisch und in betörend intimen Bildern die Liebesgeschichte zwischen einer dreifachen Mutter und einem Häftling. Atemlos folgt man dem grandiosen Spiel der Laiendarsteller und spürt Sehnsucht, Verlangen und Schwierigkeit dieser gleichzeitig magischen und verzwickten Beziehung zweier Menschen, die sich kaum kennen.

Anna Steinbauer

6 / 15

Kleine Germanen

-

Quelle: brave new work, Little Dream Entertainment

Wie wachsen Kinder auf, die von rechtsextremen Eltern erzogen werden? Das wollten Mohammad Farokhmanesh und Frank Geiger für ihren Dokumentarfilm wissen. Dazu interviewen sie rechte Aktivisten, Radikale und Szeneaussteiger. Außerdem erzählen sie in Form eines Animationsfilms die Geschichte eines Mädchens, das durch ihren Opa zum Neonazi wurde. Filmisch etwas holprige Aufbereitung eines komplizierten Gesellschaftskomplexes.

David Steinitz

7 / 15

Macht das alles einen Sinn?

Laudenbach

Quelle: Wilckefilms

Wer beim aktuellen Theatertreffen die alte, vor zwei Jahren rüde abgewickelte Castorf-Volksbühne schmerzlich vermisst, kann sich mit Andreas Wilckes neuem Dokumentarfilm trösten. Er dürfte alten Verehrern des Theaters das Herz wärmen. Der Filmemacher hat die Volksbühne in ihrem letzten Castorf-Jahr, dem 25. seiner in vieler Hinsicht maßlosen Intendanz, auf Gastspielen in Athen und Paris, bei Proben und der Arbeit in den Werkstätten begleitet. "Ich bedanke mich bei meinen Feinden, weil sie mir klargemacht haben, dass Kunst zu polarisieren hat", bringt Castorf im Film sein ästhetisch-politisches Programm auf den Punkt.

Peter Laudenbach

8 / 15

Master Z

Master Z

Quelle: 24 Bilder

Blocken, kicken, weit in die Höhe springen - die unterschiedlichsten Kampfkünste kommen zum Einsatz, wenn ein ehemaliger Wing-Chun-Meister in Hongkong gegen lokale Drogendealer und koloniale Machthaber antritt. Die Stadt sieht aus, als wäre sie in einem Sixties-Rausch, der Held ist ein melancholischer alleinerziehender Vater, und Martial-Arts Regielegende Yuen Woo-Ping legt bei den Fights viel mehr Wert auf die Choreografie als aufs Blutvergießen.

Doris Kuhn

9 / 15

Nur eine Frau

Nur eine Frau

Quelle: Mathias Bothor; Mathias Bothor

Die 23-jährige Hatun Aynur Sürücü wird von ihrem Bruder in Kreuzberg auf der Straße erschossen, weil sie sich den Regeln des orthodox kurdisch-muslimischen Glaubens nicht fügt. Vierzehn Jahre nach ihrem Tod gibt Regisseurin Sherry Hormann Aynur (Almila Bagriacik) die verlorene Stimme zurück. Statt einen Fall zu rekonstruieren, erzählt sie basierend auf umfassenden Recherchen, oszillierend zwischen Dokumentation und Spielfilm auf unmittelbar wahrhaftige, aber auch völlig unpolemische Weise eine unvermindert aktuelle Geschichte.

Anke Sterneborg

10 / 15

Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu

-

Quelle: AP

Zum ersten Mal sind Pokémon keine Zeichentrickfiguren, sondern hüpfen als reale Wesen durch einen Film. Dabei findet der Teenager Tim einen niedlichen, sprechenden Pikachu mit Detektiv-Ambitionen als Freund. Das ist der charmante Teil. Allerdings hätte Rob Letterman seinen Versuch, die bisherigen Pokémon-Animes aufzupeppen, auch auf die Story ausdehnen sollen. Die liefert, bei allen optischen Tricks, bloß sehr hölzern konstruierte Weltrettung.

Doris Kuhn

11 / 15

Ray & Liz

Ray & Liz

Quelle: kinofreund eG 2018

Ein Alptraum-Paar sind Ray und Liz, in Lethargie und Alkoholismus gefangen, unfähig, sich um ihre beiden Kinder zu kümmern. Der britische Künstler Richard Billingham breitet in seinem großartigen Spielfilmdebüt die Erinnerungen an seine eigene Kindheit aus, in einer dysfunktionalen Familie in einer Sozialwohnung in Birmingham - ohne jede Sentimentalität, aber in Bildern, die sorgsam arrangiert ihre eigene Geschichte erzählen.

Susan Vahabzadeh

12 / 15

Scheich Jackson

Scheich Jackson

Quelle: Der Filmverleih

Der tiefgläubige Sheikh Khaled Hani (Ahmad Alfishawy) hat einen Ring mit zwei Knöpfen, einem roten und einem grünen. Für jede Sünde drückt er den roten, für jede gute Tat den grünen. Am Tag, an dem er von Michael Jacksons Tod erfährt, verliert er die Fähigkeit zu weinen und muss sich seiner Vergangenheit stellen. Im Tumult um die neuerlichen Missbrauchsvorwürfe gegen Jackson ist Amr Salamas Film ein erfrischend anderer Blick auf den Weltstar und seinen Einfluss, der aus lizenzrechtlichen Gründen ohne Musik von Michael Jackson auskommen muss.

Juliane Liebert

13 / 15

Stan & Ollie

-

Quelle: Aimee Spinks

Ein herrliches Werk der Liebe, die Wiederbelebung eines der schönsten Kinomomente: wie zwei Herzen sich vereinigen im einsam fahlen Mondlicht. Steve Coogan verkörpert Stan Laurel, John C. Reilly ist Oliver Hardy im Film von Jon S. Baird. Die beiden Komiker sind alt geworden, aber sie denken nicht, dass ihre Zeit - es ist das Jahr 1953 - schon vorüber ist. Sie werkeln an einem neuen Film, haben Auftritte in Music Halls in England und Irland. Das ist mühsam, aber nie hoffnungslos. Wenn sie vom "Trail of the Lonesome Pine" singen, können einem auch hier die Tränen kommen.

Fritz Göttler

14 / 15

Von Bienen und Blumen

Von Bienen und Blumen

Quelle: Zorro Filmverleih

Wenn den Stadtmenschen die Landlust überkommt, dann muss es möglichst ursprünglich zugehen: Schafe scheren, mit altem Gerät pflügen, imkern. In ihrer vergnüglichen Mockumentary dokumentiert Lola Randl ihr Vorhaben, mit Familie und Freunden das Gelände einer alten Gärtnerei in der Uckermark landwirtschaftlich zu betreiben. Auf der Suche nach neuen Lebensformen in und mit der Natur liefert der Film eine treffsicher-ironische Betrachtung des sinnsuchenden kapitalistischen Individuums.

Anna Steinbauer

15 / 15

Wine Country

Wine Country

Quelle: Colleen Hayes; Netflix

Wir alle sind in der Show Saturday Night Live groß geworden, wir alle sind um die fünfzig, und wir alle haben eine Menge Shit erlebt: Zeit für eine Wiedervereinigung! So dachte sich das wohl die Regisseurin Amy Poehler, als sie sechs Ex-Kolleginnen für einen Frauentrip ins Napa Valley lud. Es geht um das Leben an sich, Details sind schön beobachtet, aber der Film kommt nie wirklich in Fahrt. Weil dies eine ziemlich solidarische Schwesternschaft ist, hat Poehler viel von ihrer Bosheit zu Hause gelassen - und damit wohl auch die besten Pointen (ab 10. Mai auf Netflix).

Tobias Kniebe

© SZ vom 09.05.2019/cag
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema