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Filmregisseur und DEFA-Mitgründer:Kurt Maetzig ist tot

Ein Leben geprägt von der deutschen Geschichte: Der Berliner Kurt Maetzig überstand die Repressalien der NS-Zeit, wurde zum Paraderegisseur der ostdeutschen DEFA, fiel zwischenzeitlich in Ungnade und schuf einige gelobte Filme. Nun ist er im Alter von 101 Jahren gestorben.

Der Regisseur und Mitbegründer der Defa, Kurt Maetzig, ist im Alter von 101 Jahren gestorben. Das teilte die Defa-Stiftung mit. Die Leipziger Volkszeitung berichtete unter Berufung auf seine Frau, dass er am Morgen in seinem Haus in Mecklenburg-Vorpommern verstorben sei. Berühmt wurden vor allem die Filme "Die Buntkarierten" (1949) und "Der Rat der Götter" (1959). Insgesamt drehte Maetzig 20 Filme. 1954 hob er als Gründungsrektor die in Potsdam-Babelsberg angesiedelte Deutsche Hochschule für Filmkunst aus der Taufe, wo er bis 1964 als Professor für Filmregie tätig war.

Regisseur Kurt Maetzig

Regisseur Kurt Maetzig im November 2010.

(Foto: dpa)

Maetzig wurde am 25. Januar 1911 in Berlin geboren. Nach dem Abitur studierte der gelernte Fotochemiker Jura, Soziologie und Psychologie, unter anderem in München und Paris. Ins Filmgeschäft kam Maetzig indirekt über seinen Vater, der eine Kopieranstalt für Filme betrieb. Es folgten erste Schritte als Regieassistent und die Gründung eines eigenen Trickateliers. 1935 promovierte Maetzig an der TU München über "Das Rechnungswesen einer Film-Kopieranstalt".

Weil seine Mutter Jüdin war, war Maetzig jedoch während des Dritten Reiches Repressalien ausgesetzt. 1937 entzogen ihm die Nationalsozialisten die Arbeitserlaubnis. Noch vor Kriegsende trat Maetzig 1944 der illegalen Kommunistischen Partei KPD bei. Aus Angst vor der Gestapo tötete sich seine Mutter kurze Zeit darauf.

Bereits kurz nach Kriegsende versuchte Maetzig, die Filmarbeit wieder in Gang zu bringen und gründete das "Filmaktiv" mit, den Vorläufer der Defa. Parallel entstand unter seiner Gesamtleitung die stark propagandistisch orientierten ostdeutsche Wochenschau "Der Augenzeuge". Dafür filmte er unter anderem die Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED, aber auch die Enttrümmerungs- und Wiederaufbauarbeiten in Berlin. Im Mai 1946 wurde er in Personalunion Lizenzträger, Künstlerischer Leiter und Chef der Defa. Die Firma hatte bis zum Ende der DDR das staatliche Monopol für Filme im Land.

1947 kam Maetzigs erster Spielfilm, die Defa-Profuktion "Ehe im Schatten", in die Kinos, der auch in Westdeutschland Anerkennung fand und für den er 1949 einen Bambi erhielt. Der Regisseur schilderte darin die wahre Geschichte eines deutschen Schauspielers und dessen jüdischer Ehefrau und deren Suizid während der NS-Zeit.

In der Folge sollte die Defa jedoch vor allem im Dienste der SED-Politik und -Propaganda stehen. Berühmt wurden in dieser Phase vor allem Maetzigs Filme "Die Buntkarierten" (1949) und "Der Rat der Götter" (1959).

"Was ich bedauere, ist die Selbstkritik"

1965 fiel Maetzig jedoch mit der Produktion "Das Kaninchen bin ich" bei den Kulturverantwortlichen der DDR in Ungnade. Der Film wurde noch vor der Uraufführung aus dem Verkehr gezogen, zusammen mit fast der kompletten Jahresproduktion der Defa. Der Film kritisierte die Terrorjustiz der Ostzone während Stalins Diktatur. Anfang des Jahres 1966 übte sich M. denn auch in Selbstkritik. Er entschuldigte sich in seinem diesbezüglichen Artikel mit "großer Beschämung" dafür, dass er um der Massenwirksamkeit seiner Arbeit wegen nicht nur "den Posten des Planers und Leiters, sondern auch den des Kämpfers" verlassen habe. Der Film wurde auch danach über 25 Jahre weitestgehend totgeschwiegen. Erst nach der Wende und und dem Zusammenbruch des SED-Regimes kam "Das Kaninchen bin ich" 1990 in die Kinos.

Einmal vom Podest des lauteren Vorkämpfers für die sozialistische Sache gestoßen, konnte M. durch seine Selbstkritik zwar weiter als Filmemacher arbeiten, es gelang ihm aber nicht mehr, seine frühere Aussagekraft zu erlangen. Er drehte bis 1975 noch einige weitere Filme, von denen jedoch keiner wesentliche Bedeutung erlangte. 1991, ein Jahr nach der deutsch-deutschen Wiedervereinigung äußerte M.: "Ich bedauere nicht, diesen Film gemacht zu haben (...) Was ich bedauere, ist die Selbstkritik, mit der ich die falschen Anschuldigungen noch bestätigt habe".

Rückblickend sagte er über seine Rolle in der DDR: "Man kann die Dinge, die passiert sind, nicht auf eine Hand voll Personen abladen. Wir haben hier gearbeitet, und wir haben ja nicht gegen das Regime gearbeitet. Sondern wir haben versucht, einen Sozialismus zu schaffen, der unseren Idealen näher kam als das, was wir erleben mussten. Wir haben nicht vermocht, die Entwicklung zum Besseren zu lenken. Davon kann sich niemand freisprechen".

Seit 1950 war Maetzig Mitglied der Deutschen Akademie der Künste (heute Akademie der Künste). Seit 1956 fungierte er als Vorsitzender der Vereinigung der Filmclubs in der DDR, 1979 wurde der Künstler zum Ehrenpräsidenten der Internationalen Filmcluborganisation, FICC, ernannt. Bereits 1954 hob er als Gründungsrektor die in Potsdam-Babelsberg angesiedelte Deutsche Hochschule für Filmkunst aus der Taufe (heute hff), wo er bis 1964 als Professor für Filmregie tätig war.

© Süddeutsche.de/Munzinger Archiv/dpa/dapd/ihe/pak
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