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Filmmusik:Martin Böttcher

Filmkomponist Martin Böttcher wird 90

Der Filmkomponist Martin Böttcher.

(Foto: dpa)

Den Geigensound hat jeder noch im Ohr: pathetisch, heldenhaft, breit dahinströmend. Winnetou verdankt seinen Erfolg auch der Musik von Martin Böttcher.

Immer sachlich und zurückhaltend - so hat Martin Böttcher, der überaus erfolgreiche Film- und Fernsehkomponist, über seine Fähigkeiten gesprochen. So auch über seine berühmteste Erfindung, die Musik zu den Karl-May-Filmen der Sechzigerjahre: "Es hat wahnsinnig viel Freude gemacht - nicht nur, weil mir die Melodien so viel Erfolg brachten, sondern weil die Filme meiner Mentalität entgegenkamen. Das Grundmotiv war die Freiheit und die Ungebundenheit des Menschen. Ich musste nicht lange überlegen, bis mir die passenden Noten einfielen, die Musik kam aus dem Bauch. Vielleicht ist sie gerade deshalb so ein Erfolg geworden." So hat er es im Gespräch mit dem Karl-May-Filmspezialisten Michael Petzel formuliert.

Dabei brauchte Böttcher eine Weile, um sich mit der Welt des sächsischen Fantasten anzufreunden, er sei allmählich hineingewachsen. Nun, die breit und weich dahinströmende "Old-Shatterhand-Melodie" wurde zum Ohrwurm und Hit. 1962 führte sie 17 Wochen lang die Charts an und wurde über hunderttausend Mal verkauft. Kritiker haben daher betont, dass Böttchers Musik mindestens die Hälfte des Erfolgs dieser Filme ausmache. Kein Wunder, dass auch bei der neuen Fernsehversion des "Winnetou"-Stoffs, Weihnachten 2016, Böttchers Musik im neuen Arrangement von Heiko Maile ihre Rolle spielte.

Böttcher, 1927 in Berlin geboren, brachte sich in Kriegsgefangenschaft das Gitarrenspiel bei, wirkte im Tanz- und Unterhaltungsorchester des NWDR mit, wurde ein gefragter Jazzgitarrist und übte sich als Arrangeur. Artur "Atze" Brauner ließ ihn 1955 die erste Filmmusik schreiben. Die zweite 1956 entstand für Georg Tresslers "Die Halbstarken" mit Horst Buchholz. Böttcher bildete dafür mit Klarinettist Fatty George, Vibrafonspieler Bill Grah, Posaunist Ernst Mosch und Hans Last (der spätere James Last!) am Bass die "Mister Martin's Band". Ob Hans Albers oder Heinz Rühmann, ob Romy Schneider oder Peggy March, ob Oswalt Kolles Aufklärungsfilme oder Fernsehkrimis, alle profitierten von Böttcher. Aber auch einem solchen Profi gelingt eine Karl-May-Cinemascope-Musik aus Sehnsucht, Kitsch und Weite nur einmal. Salut zum 90. Geburtstag!

© SZ vom 17.06.2017

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