Filmkunst Kurz und wild

Die Underground-Filmreihe "Normalzustand" im Lenbachhaus

Von Evelyn Vogel

Es flackert und flimmert und wackelt, und die Jüngeren im Publikum, die es gewohnt sind, jede Sekunde ihres Lebens mit dem Smartphone in HD-Auflösung filmen zu können, werden sich wohl die Augen reiben, welche Qualität damals als "Filmmaterial" durchging. Da ist ein vergrieseltes Wasserballett oder ein fast schon stummfilmmäßig durchs Bild hüpfender Schmetterlingsmann auf einer Wiese zu sehen; da sind schnell und holprig geschnittene, von Musik angetrieben Filme; auch solche mit narrativem Charakter sind dabei, mitunter ganz auf Text reduzierte Erzählungen bis hin zu einem Dokument eines Scheiterns, ein Stadtporträt über München, das darin besteht, dass der Filmverantwortliche der Filmemacherin am Telefon berichtet, dass auf dem Film, den sie eingereicht hat, nichts zu erkennen und alles schwarz ist - was zu einem fast absurd anmutenden Dialog führt.

Vor einem halben Jahrhundert war Super 8 geradezu revolutionär, konnte man doch endlich auch im privaten Bereich leicht und verhältnismäßig kostengünstig filmen. Und so amüsierte man sich bald köstlich über Onkel Wilhelms Geburtstagsfeier oder den letzten Strandurlaub der ganzen Familie an der italienischen Adria.

Doch auch Filmfreaks aller Couleur entdeckten das Schmalfilmformat als Ausdrucksmittel. Und gerade die anarchische und eben nicht perfekte Anmutung führte in den späten Siebziger-, vor allem aber den Achtzigerjahren dazu, dass einzelne Filmemacher, aber auch ganze Filmkollektive quer durch die damals noch BRD genannte Republik Super-8-Filme drehten. Auch die Generation Punk, die damals noch auf ihrem Höhepunkt war, wie die Reihe "Punk London" im vergangenen Jahr bewies, war davon fasziniert.

Das Lenbachhaus zeigt von diesem Dienstag an im Georg-Knorr-Saal die Filmreihe "Normalzustand. Undergroundfilm zwischen Punk und Kunstakademie" mit zahlreichen Kurzfilmen, gedreht mit Super-8-Kameras und nun nachträglich digitalisiert. Der Titel der Reihe "Normalzustand" geht übrigens auf den gleichnamigen Film von Yana Yo zurück, der die Reihe eröffnet. Es gibt zwei zu Loops zusammengeschnittene Serien, die ohne Eintritt während der normalen Museumsöffnungszeiten laufen: Teil eins bis zum 8. Oktober, Teil zwei vom 10. bis zum 22. Oktober. Am Dienstag, 26. September, um 19 Uhr wird Wolfgang Müller über das Filmkollektiv "Die tödliche Doris" und "die Gründerzeit des Außer-, Über- und Amusikalischen" sprechen. Am Mittwoch, 11. Oktober, um 19 Uhr ist Mahide Lein zu Gast, dann geht es um "PELZE-multimedia und LÄSBISCH-TV: Initiativen zur Förderung der weiblichen Sexualität".

Normalzustand. Undergroundfilm zwischen Punk und Kunstakademie, Lenbachhaus, Luisenstr. 33, 19. Sept. bis 22. Okt., Di. 10-20, Mi.-So. 10-18 Uhr, Georg-Knorr-Saal