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Filmindustrie:Bis zu 17 Milliarden Dollar Verlust

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Der Start des Trick-Remakes „Mulan“ Ende März wurde abgesagt, die Dreharbeiten anderer Disney-Filme vorerst abgebrochen.

(Foto: Jasin Boland)

Von "Batman" bis "Stranger Things": Hollywood stoppt wegen des Virus fast alle großen Dreharbeiten - mit teuren Folgen.

Von David Steinitz

Das hat es in der Geschichte der Filmindustrie in diesem Ausmaß noch nie gegeben: Die großen amerikanischen Filmstudios haben die Dreharbeiten zu fast allen Blockbustern, die sich in Produktion befinden, unterbrochen. Während in anderen Ausnahmesituationen wie Kriegen die Filmproduktion manchmal sogar hochgefahren wurde, für Propaganda und Ablenkung, zwingt die Corona-Pandemie Hollywood in die Knie.

Universal hat alle Filmproduktionen in die Zwangspause geschickt, darunter die "Jurassic Park"-Fortsetzung "Jurassic World: Dominion", die gerade in London gedreht wird. Netflix hat unter anderem die Produktion der nächsten Staffel der Serie "Stranger Things" und dem Actionfilm "Red Notice" abgebrochen. Warner Brothers hatte bereits die Produktion eines noch unbetitelten Elvis-Presley-Films in Australien gestoppt, nachdem mit Tom Hanks einer der Hauptdarsteller an Covid-19 erkrankt war. Am Wochenende beendete das Studio auch die Dreharbeiten zu "The Batman" in England, dem nächsten Teil der Comic-Reihe.

Disney unterbricht derzeit die Dreharbeiten zum Comic-Film "Shang-Chi and The Legend of the Ten Rings", dem Remake des Trickklassikers "Arielle" und zu Ridley Scotts Abenteuerepos "The Last Duel" mit Matt Damon und Ben Affleck in den Hauptrollen. Weitere Filme wie das Remake von "Peter Pan" befinden sich erst in Vorproduktion, werden aber ebenfalls mit der Pausetaste belegt. Der Hollywood Reporter berichtet, dass die Zwangspause Disney um die 300 000 Dollar kostet - pro Tag und pro Film.

Mit den Folgen von Lagerkoller und Netflix-Müdigkeit lässt sich durchaus auch Geld verdienen

Die meisten Studios wollen erst mal etwa zwei Wochen abwarten. Aber wie lange die Unterbrechung des Alltags dauern wird, ist für Hollywood natürlich genauso ungewiss wie für den Rest der Welt auch. Was bedeutet, dass die Kinostartlisten der nächsten Monate und vielleicht sogar Jahre komplett durcheinandergewirbelt werden. Denn neben den Projekten, die derzeit nicht wie geplant fertig gestellt werden können, wurde in den vergangenen Tagen auch von den bereits fertigen Filmen ein Blockbuster nach dem anderen zurück ins Lager geholt.

Die Starts von "Mulan", dem James-Bond-Film "Keine Zeit zu sterben", "Fast & Furious 9" und etliche andere wurden vorerst abgesagt. Laut Hollywood Reporter beläuft sich der Corona-Schaden an den weltweiten Kinokassen bereits jetzt auf etwa sieben Milliarden Dollar und könnte, wenn der Ausnahmezustand bis Ende Mai anhält, bald bis zu 17 Milliarden Dollar betragen. Allein der nordamerikanische Kinomarkt, immer noch der größte der Welt, brach laut Variety im Vergleich zum Vorwochenende um bis zu 40 Prozent ein.

Wobei sich mit den Folgen von Lagerkoller und Netflix-Müdigkeit durchaus auch Geld verdienen lässt. Disney zum Beispiel zog den Digitalverkauf des letzten "Star Wars"-Abenteuers "Der Aufstieg Skywalkers" spontan um vier Tage nach vorn. Und der Streamingstart des Trickhits "Die Eiskönigin 2" wurde sogar um drei Monate vorgezogen. Zumindest in den USA ist der Film bereits jetzt auf der hauseigenen Plattform Disney Plus zu sehen, um "etwas Spaß und Freude in diese herausfordernde Zeit" zu bringen, wie die Firma am Wochenende mitteilte.

© SZ vom 16.03.2020

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