Filmförderung Israel Die Katze und die Milch

Die israelische Kulturministerin Miri Regev will die Filmförderung neu regeln - um den geschlossenen liberalen Zirkel der Filmindustrie aufzubrechen. Und auch, um die erfolgreichen Filme zu stärken, die Blockbuster.

Von Alexandra Föderl-Schmid

Der israelischen Kulturministerin Miri Regev zufolge wurde "Geschichte geschrieben", für die Vorsitzende der Vereinigung der Filmproduzenten, Yifat Prestelnik, beginnt "eine neue Ära, aber keine positive": Das israelische Parlament hat mit 44 zu 32 Stimmen ein Gesetz gebilligt, das weitreichende Auswirkungen hat. Es sichert dem Ministerium bei der Zuteilung von Fördergeldern stärkeren Einfluss auf die Arbeit von Filmschaffenden in Israel. Die Kulturministerin will damit mehr Diversität in Filmen erreichen. Die Produzentin befürchtet "ein Ende der Unabhängigkeit und die Zerstörung der Filmindustrie".

Das Gesetz sieht gravierende Änderungen bei der Filmförderung vor. So soll ein dem Ministerium unterstellter Pool von 200 Lektoren gebildet werden, die Empfehlungen abgeben, ob ein Film förderungswürdig ist oder nicht. Regev will damit die Schaffung von "zionistischen, jüdischen, arabischen und charedischen (ultraorthodoxen, A. d. R.) Filmen ermöglichen". So sollen auch Filme "aus der Peripherie des Landes" und aus jüdischen Siedlungen im besetzten Westjordanland gefördert werden. Ihrer Ansicht nach seien derzeit nur Sichtweisen "einer Gruppe der israelischen Gesellschaft" in Filmenexistent, nämlich die von säkularen und liberalen Juden.

Die Filmindustrie sei "ein geschlossener Zirkel", kritisierte Regev wiederholt. Ihrer Ansicht nach könne nicht sein, dass die Filmindustrie maßgeblich selbst über die Vergabe von Fördergeldern entscheidet. Die Kulturministerin wählte einen Vergleich: Das sei so, wie wenn eine Katze auf Milch aufpassen müsste.

Künftig sollen zwanzig Prozent des Jahresbudgets von 100 Millionen Schekel (rund 24 Millionen Euro) an Filme gehen, die eine hohe Zuschauerzahl erreichten. Die Unterstützung soll nachträglich ausgezahlt werden. Produzentenvertreterin Prestelnik befürchtet, dass damit von vorneherein mehr potenzielle Blockbuster bei Förderanfragen eingereicht würden, künstlerisch wertvollere Filme hätten noch geringere Chancen auf Unterstützung. Vor der Debatte in der Knesset hatte Regev damit gedroht, sollte das Gesetz nicht angenommen werden, werde die Filmförderung zum Jahresende auf 30 Millionen Schekel (7,1 Millionen Euro) reduziert. Nun soll es 20 Millionen Schekel (4,75 Millionen Euro) mehr geben.

Prestelnik ist überzeugt, dass Filmschaffende "sich nun zweimal überlegen, ob und welche Projekte sie einreichen". Sie rechnet mit dem Einfrieren von Projekten, da viele Filmemacher wohl abwarten würden, wie die neue Praxis aussieht. Regev wolle damit erreichen, dass "populäre, ultrazionistische und weniger kritische Filme" entstehen. "Die freie Meinungsäußerung wird damit eingeschränkt. Das hat massive Auswirkungen auf den gesamten Kulturbereich", sagt Prestelnik.

Durch den Film "Foxtrot", heißt es, werde "der gute Name der Streitkräfte beschädigt"

Obwohl die Knesset das Gesetz beschlossen hat, wollen die Filmschaffenden ihren "Kampf fortsetzen". Sie wollen erreichen, dass bei der Auswahl der Lektoren Erfahrung in der Filmbranche eine Voraussetzung ist und nicht nur ideologische Ansichten zählen. Sie verlangen Kriterien, nach welchen Gesichtspunkten ein Film als förderungswürdig eingestuft wird.

Regev hatte im September angekündigt, die staatliche Unterstützung für das Internationale Filmfestival Haifa auf den Prüfstand zu stellen, weil dort ihrer Ansicht nach "subversive Filme" gezeigt würden. Sie bezog sich insbesondere auf "Foxtrot" von Samuel Maoz, der sich kritisch mit dem Militär auseinandersetzt. Laut Regev werde "der gute Name der israelischen Streitkräfte beschädigt". Die Politikerin der rechten Likud-Partei war vor ihrer politischen Karriere Pressesprecherin der Armee im Rang einer Brigadegeneralin.

Aber Regev will nicht nur auf den Filmbereich, sondern auf die Kulturszene insgesamt mehr Einfluss ausüben. Ihre Bemühungen um ein sogenanntes "Loyalitätsgesetz" haben jedoch vergangenen Sonntag einen Rückschlag erlitten. Generalstaatsanwalt Shai Nitzan hat rechtliche Bedenken geäußert bei dem Vorhaben, Künstlern und Kulturinstitutionen staatliche Unterstützung zu streichen, wenn diese den Staat "anschwärzen". Nach Meinung des Juristen würde eine solche Gesetzgebung "die freie Meinungsäußerung beschädigen und Künstler dazu bringen, vor kritischen Inhalten zurückzuschrecken aus Angst, staatliche Unterstützung zu verlieren".