Süddeutsche Zeitung

Filmförderung:Filme von Frauen werden weniger gefördert als Filme von Männern

  • Projekte von Regisseurinnen, Drebuchautorinnen und Produzentinnen werden bei der Filmförderung im Vergleich zu denen ihrer männlichen Kollegen benachteiligt.
  • Kritiker fordern deshalb eine Regelung wie in Schweden, wo die Hälfte des Förderungsbudgets automatisch an Frauen geht.

Frauen sind im deutschen Filmgeschäft noch immer unterrepräsentiert. Regisseurinnen, Drehbuchautorinnen und Produzentinnen erhalten nicht die gleiche Filmförderung wie ihre männlichen Kollegen. Das geht aus Angaben des Medienboards Berlin-Brandenburg hervor, auf die sich die SPD-Abgeordnete Klara Geywitz in einer Anfrage an die Landesregierung über Parität in der Filmförderung bezieht.

Danach hatten Regisseurinnen im vergangenen Jahr 14 Millionen Euro Fördergelder für 72 Langfilme beantragt, aber nur 4,4 Millionen für 29 Filme erhalten. Den männlichen Kollegen dagegen bewilligte das Medienboard 14,6 Millionen von den erwünschten 34,5 Millionen Euro für 127 Filme. Damit wurden 66 Filme realisiert.

In ihrem Geschäftsbericht bestätigt die Fördergesellschaft das Missverhältnis zwischen den Geschlechtern. "Frauen stoßen - trotz guter Ausbildung - in der männerdominierten Film- und Fernsehbranche immer wieder an die berühmte gläserne Decke. Ihnen fehlen nicht so sehr weibliche Regievorbilder, aber dafür tragfähige Netzwerke und familienfreundliche Arbeitszeiten."

In Schweden geht die Hälfte des Filmförderungsbudgets an Frauen

Auch die Landesregierung verweist in ihrer Antwort an die SPD-Politikerin Klara Geywitz darauf, dass sich "branchenkulturelle Herausforderungen und Barrieren" stärker auf Frauen als auf Männer auswirken, lehnt aber eine Filmförderung wie in Schweden ab. Dort gibt es eine Regelung, wonach die Hälfte des Filmförderungsbudgets an Regisseurinnen, Produzentinnen und Drehbuchautorinnen vergeben werden muss.

Nach Angaben des Schwedischen Film Instituts wurden von 2013 bis 2017 rund 56 Prozent der geförderten Filme von Frauen produziert, 44 Prozent aller Filme von Regisseurinnen gedreht, und 40 Prozent der Drehbücher von Autorinnen geschrieben. Doch nach Ansicht der brandenburgischen Landesregierung ist dieses Modell für die Hauptstadtregion nicht tauglich, weil es zu wenige Anträge auf Produktionsförderung gebe.

Dem widerspricht der Verein Pro Quote Film, ein Zusammenschluss von rund 400 weiblichen Filmschaffenden, der sich für einen höheren Frauenanteil bei Kino- und TV-Produktionen einsetzt. "Eine Quote von 50 Prozent bei den Filmförderungen wäre ein Anreiz für Produktionsfirmen, Projekte mit Frauen in den Schlüsselpositionen einzureichen", sagt Regisseurin und Drehbuchautorin Barbara Teufel vom Vorstand des Vereins.

In den vergangenen 20 Jahren hätten etwa genauso viele Frauen wie Männer in den Fächern Regie, Produktion und Drehbuch die deutschen Hochschulen absolviert. "Filme von Frauen laufen erfolgreicher auf Festivals und gewinnen mehr Preise, das ist auch in Studien belegt", sagt Teufel, die mehrere Jahre als Professorin für Spielfilmregie an der Kölner Kunsthochschule für Medien arbeitete. "Das erfolgreiche schwedische Modell lässt sich ganz einfach auf Deutschland übertragen, es fehlt bisher lediglich der Wille dazu."

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