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Filmfestspiele Venedig:Ich Mensch, du Alien

Film "Arrival"

Louise (Amy Adams) ist Linguistin und soll den Erstkontakt mit den Aliens herstellen, die auf der Erde gelandet sind.

(Foto: Festival)

Können Außerirdische die Erlösung bringen? Ist es okay, ein Findelkind einfach zu behalten? Beim Filmfest in Venedig geht es um zutiefst christliche Fragen.

Alles ist Wahrnehmung, die Gegenwart verändert das, was man sieht. Denis Villeneuve hat das sicherlich gewusst, als er die Szene am Anfang seines Films "Arrival" drehte - man hat vorher nur Fragmente gesehen aus dem Leben von Louise (Amy Adams), die ein Kind bekommt, sich freut, es liebt und dann an den Krebs verliert. Nun steht sie vor ihren Studenten, und überall piepen und summen die Handys, bis endlich ein Mädchen Louise bittet, einen Fernseher einzuschalten. Man hat ähnliche Szenen schon so oft am Anfang von Katastrophen- und Science-Fiction-Filmen gesehen, aber in der aktuellen Zeichensprache stehen die summenden Handys für Terror. Von Anfang an spielt "Arrival" mit Ängsten und kommt immer wieder zu dem Schluss, dass man sich von ihnen nicht den Verstand rauben lassen darf.

Louise ist Linguistin, sie erforscht die Ursprünge der Kommunikation. Bald ist sie allein in einem Haus, das keinen Schutz bietet, mit riesigen Fenstern auf einen See hinaus. Alle haben sich verkrochen, denn es sind keine Terroristen, die an zwölf Orten auf dem ganzen Erdball zugeschlagen haben, es sind riesige, eiförmige Raumschiffe gelandet.

Nachts donnert ein Helikopter auf die Wiese am See, ein Colonel (Forest Whitaker) holt Louise ab. Sie soll zusammen mit einem Mathematiker (Jeremy Renner) zu dem Ei kommen, das auf amerikanischem Boden steht, in Montana. Es sind Wesen dort oben, und Louise soll versuchen, Kontakt aufzunehmen. Wenn sie und der Mathematiker dann ängstlich und neugierig in das schwebende Ei hinaufgebracht werden, in dem die Schwerkraft auf den Kopf gestellt ist - das ist spannend und komisch. Die beiden Aliens oben, die bald Siebenfüßler genannt werden, will Louise unbedingt nicht als Bedrohung sehen.

Was bedeutet das Wort für Krieg in Sanskrit? Ich brauche mehr Kühe

Aus ihren Füßen spritzen sie Tinte, die sich zu kreisförmigen Symbolen formt - eine Sprache, das ist wirklich neu. Eine Science-Fiction über Linguistik? Was für eine großartige Idee, auf der Villeneuve aber nicht herumreitet, Louises Besserwisserei ist wohldosiert. Was bedeutet das Wort für Krieg in Sanskrit? Ich brauche mehr Kühe.

"Arrival" ist eine Heilsgeschichte, im Hintergrund entwickelt sich ein Militärthriller, bei dem die zwölf Staaten, in denen die Eier gelandet sind, nicht kooperieren. Louise aber konzentriert sich auf die Frage, warum die Aliens überhaupt gekommen sind. Sie bringen ein Geschenk, das die Welt zu einem besseren Ort machen könnte, mit Louises Hilfe, und letztlich zerbrechen sie das System der Zeit. Logisch ist das nicht - aber wer die Schwerkraft umbauen kann, kriegt auch die Logik in den Griff. Die ganze Geschichte ist zutiefst christlich, ohne das je zu benennen - in ihrer Konstellation, ihrem festen Glauben an das Gute und an Erlösung.

Was christlich denn eigentlich bedeuten sollte, das ist dann wohl ein Thema im 73. Wettbewerb von Venedig, es taucht gleich mehrfach auf. In "El Cristo Ciego" des Chilenen Christopher Murray wandert ein junger Mann von Dorf zu Dorf und macht den Scheinheiligen die armen Bauern abspenstig.

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