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Filmfestspiele:Das sind die Wettbewerbsfilme der Berlinale

Auffallend oft handeln sie von der harten Realität im privaten Bereich. Ein kurzer, subjektiver Ausblick auf die Filme des Berlinale-Wettbewerbs 2016.

Von Philipp Bovermann

23 Bilder

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Quelle: Friede Clausz; Festival

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24 Wochen

Deutschland 2016, Regie: Anne Zohra Berrached. Darsteller: Julia Jentsch, Bjarne Mädel, Johanna Gastdorf, Emilia Pieske, Maria Dragus

Eine bekannte Kabarettistin ist schwanger und erfährt, dass ihr Kind nicht gesund zur Welt kommen wird. Das Drama begleitet sie durch eine emotionale Achterbahnfahrt, in der ihr klar wird, wer hier eine Entscheidung treffen muss: nicht ihr Mann, nicht die Öffentlichkeit, sondern sie. Der einzige deutsche Beitrag im Wettbewerb.

Fotos: Berlinale

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Quelle: Christine Schroeder; Festival

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Alone in Berlin / Jeder stirbt für sich allein

Deutschland / Frankreich / Großbritannien, 2016. Regie: Vincent Perez. Darsteller: Emma Thompson Brendan Gleeson Daniel Brühl Mikael Persbrandt Monique Chaumette

Berlin im Jahr 1940, eine Stadt im Rausch des deutschen Sieges über Frankreich. Nur das Ehepaar Quangel ist ernüchtert: Ihr Sohn ist an der Front gefallen. Eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Hans Fallada über zwei Menschen, die sich zum Widerstand entschließen.

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Quelle: Festival

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Boris sans Béatrice / Boris without Beatrice

Kanada 2016, Regie: Denis Côté. Darsteller: James Hyndman, Simone-Élise Girard, Denis Lavant, Isolda Dychauk, Dounia Sichov

Boris geht in Maßanzügen durch das Leben und hat alles im Griff - bis seine Frau von einer Depression befallen wird. Als dann auch noch ein Fremder auftaucht, der ihn in einem Wald treffen will und unangenehme Fragen stellt, entwickelt sich ein Psychothriller, in dem alles aus den Fugen gerät.

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Quelle: Festival

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L'avenir / Things to Come

Frankreich / Deutschland, Regie: Mia Hansen-Løve. Darsteller: Isabelle Huppert, André Marcon, Roman Kolinka, Edith Scob, Sarah Le Picard

Eine Pariser Philosophie-Dozentin und das praktische Problem der Freiheit: Ihre Kinder sind aus dem Haus, als ihr Mann beschließt sie zu verlassen. Wohin mit der Zukunft? Eine Meditation über die Einsamkeit - und das Verhältnis von Philosophie und Alltag.

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Quelle: Festival

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Cartas da guerra / Letters from War

Portugal 2016, Regie: Ivo M. Ferreira. Darsteller: Miguel Nunes, Margarida Vila-Nova, Ricardo Pereira, João Pedro Vaz, João Pedro Mamede

Ein poetischer Essay nach den Briefe von António Lobo Antunes, die er 1971 seiner Frau nach Portugal geschickt hat und die unter dem Titel "Leben, auf Papier beschrieben" erschienen sind. Die spirituellen Botschaften kommen aus einem Universum des Untergangs, dem Kolonialkrieg in Angola. Eine Geschichte über den Krieg und die Liebe.

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Quelle: Festival

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Chang Jiang Tu / Crosscurrent

China 2015, Regie: Yang Chao. Darsteller: Qin Hao, Xin Zhi Lei, Wu Lipeng, Wang Hongwei, Jiang Hualin

Das Leben als Fluss, in einem magischen Universum: Der junge Kapitän eines Frachtschiffs ist gemäß seines Glaubens für die Befreiung der Seele seines Vaters verantwortlich, zugleich sucht er die Liebe seines Lebens. Aber alle Frauen, die er unterwegs trifft, sind ein und dasselbe Wesen, das immer jünger wird.

Chi-Raq

Quelle: Parrish Lewis

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Chi-Raq (außer Konkurrenz)

USA 2016, Regie: Spike Lee. Darsteller: Nick Cannon, Teyonah Parris, Wesley Snipes, Angela Bassett, John Cusack

Spike Lee hat eine moderne Variante der Komödie des antiken Dichters Aristophanes gedreht, mit feministischem Einschlag. Schauplatz ist die South Side von Chicago, der als Mord-Hauptstadt der USA der Spitzname "Chi-Raq" verliehen wurde. Ein Sexstreik der Frauen soll die Gewalt beenden - und schlägt unerwartet hohe Wellen.

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Quelle: Festival

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Ejhdeha Vared Mishavad! / A Dragon Arrives!

Iran 2016, Regie: Mani Haghighi. Darsteller: Amir Jadidi, Homayoun Ghanizadeh, Ehsan Goudarzi, Kiana Tajammol, Nader Fallah

Am 22. Januar 1965, einen Tag nach der Ermordung des iranischen Premierministers, nimmt ein Kommissar die Ermittlungen auf: Warum bebt die Wüste jedes Mal, wenn jemand darin beerdigt wird? 50 Jahre später wird eine Schachtel mit seinen Aufzeichnungen gefunden. Regisseur Mani Haghighi konstruiert um eine wahre Begebenheit eine absurde Versuchsanordnung.

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Quelle: Festival

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Fuocoammare / Fire at Sea

Italien / Frankreich, 2015. Regie: Gianfranco Rosi. Darsteller: Samuele Pucillo, Mattias Cucina, Samuele Caruana, Pietro Bartolo, Giuseppe Fragapane

Es könnte so schön sein auf dieser Insel im Mittelmeer, wären da nicht die Boote, die Toten. Ein Dokumentarfilm über eine Insel im Zustand der permanenten Katastrophe, die ebenso symbolisch wie real ist und in der zwei Welten auf engstem Raum zusammenprallen: Lampedusa. Rosi nähert sich dem Alltag und den Gefühlswelten ihrer Bewohner.

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Quelle: Marc Brenner; Festival

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Genius

Großbritannien / USA, 2016. Regie: Michael Grandage. Darsteller: Colin Firth, Jude Law, Nicole Kidman, Laura Linney, Guy Pearce

Das Debüt des Londoner Theaterregisseurs Michael Grandage basiert auf der Biografie des Lektors Max Perkins, dem im New York der Zwanzigerjahre ein chaotisches 1000-Seiten-Manuskript in die Hände fällt. Der Autor: Thomas Wolfe. Ein zähes, zärtliches Ringen um jeden Satz beginnt, bei dem sich Autor und Lektor, zwei grundverschiedene Menschen, näher kommen, argwöhnisch beobachtet von ihren Frauen.

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Quelle: Festival

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Hail, Caesar! (außer Konkurrenz)

USA / Großbritannien, 2015. Regie: Joel & Ethan Coen. Darsteller: Josh Brolin, George Clooney, Alden Ehrenreich, Ralph Fiennes, Jonah Hill

Die Coen-Brüder eröffnen die Berlinale mit einer süffisanten, überdrehten Liebeserklärung an das Goldene Zeitalter der Studio-Ära Hollywoods. Der Star (George Clooney, im Bild) einer pompösen Historienfilmproduktion wird entführt, ein Problemlöser (Josh Brolin) soll's richten.

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Quelle: Festival

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Hele Sa Hiwagang Hapis / A Lullaby to the Sorrowful Mystery

Philippinen / Singapur, 2016. Regie: Lav Diaz. Darsteller: Piolo Pascual, John Lloyd Cruz, Hazel Orencio, Alessandra De Rossi, Joel Saracho

Dieser Film dauert lang, sehr lang. Stolze 485 Minuten, um genau zu sein. Gezeigt wird ein Filmporträt des philippinschen Widerstandskämpfers Andrés Bonifacio y de Castro. Ein Kinoessay über die bewegte Geschichte des Landes.

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Quelle: Festival

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Inhebbek Hedi / Hedi

Tunesien / Belgien / Frankreich, 2016. Regie: Mohamed Ben Attia. Darsteller: Majd Mastoura, Rym Ben Messaoud, Sabah Bouzouita, Hakim Boumessoudi, Omnia Ben Ghali

Das Leben eines jungen Tunesiers läuft scheinbar ohne sein Zutun, jede Entscheidung wird ihm von außen diktiert, auf Autopilot steuert er auf eine Hochzeit zu. Da lernt er ein Mädchen kennen. Ein Gleichnis über den Abschied von Traditionen.

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Quelle: Festival

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Kollektivet / The Commune

Dänemark / Schweden / Niederlande, 2015. Regie: Thomas Vinterberg. Darsteller: Trine Dyrholm, Ulrich Thomsen, Helene Reingaard Neumann, Martha Sofie Wallstrøm Hansen, Lars Ranthe

Eine Geschichte frei nach den Kindheitserinnerungen des Regisseurs, die vom Glückversprechen der Siebziger und seinen Gefahren handelt. Die Umwandlung des großen, alten Familienhauses in eine Kommune soll die Langeweile aus einer Ehe vertreiben. Zumindest mit der Langeweile ist es bald vorbei.

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Quelle: Festival

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Mahana / The Patriarch (außer Konkurrenz)

Neuseeland / Australien, 2015. Regie: Lee Tamahori. Darsteller: Temuera Morrison, Akuhata Keefe, Nancy Brunning, Jim Moriarty, Regan Taylor

Die neuseeländische Natur und die Maori-Traditionen sind die Säulen dieser Geschichte, die um einen doppelten Konflikt kreist: zwischen zwei verfeindeten Clans und den Generationen.

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Quelle: Ben Rothstein; Festival

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Midnight Special

USA 2015, Regie: Jeff Nichols. Darsteller: Michael Shannon, Joel Edgerton, Kirsten Dunst, Jaeden Lieberher, Adam Driver

Ein Mix aus Science-Fiction und Familiengeschichte um ein Vater-Sohn-Gespann auf der Flucht. Auf ihren Fersen: die Regierung und religiöse Extremisten. Ein Film über die Paranoia der amerikanischen Provinz.

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Quelle: Festival

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Des nouvelles de la planète Mars / News from planet Mars (außer Konkurrenz)

Frankreich / Belgien, 2016, Regie: Dominik Moll. Darsteller: François Damiens, Vincent Macaigne, Veerle Baetens, Jeanne Guittet, Tom Rivoire

Die Geschichte eines Familienvaters, der es jedem recht machen will, sich aber mit allen möglichen exzentrischen Realitäten konfrontiert sieht, die ihm das Leben ziemlich schwer machen.

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Quelle: Festival

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Quand on a 17 ans / Being 17

Frankreich 2016, Regie: André Téchiné. Darsteller: Sandrine Kiberlain, Kacey Mottet Klein, Corentin Fila, Alexis Loret

Eine Coming-of-Age-Geschichte vor der rauen Kulisse eines französischen Bergdorfs. Zwei Jungen, von denen einer maghrebinischen Wurzeln hat, müssen plötzlich unter einem Dach zusammen leben, obwohl sie sich nicht mögen. Neben jugendlichen Hormonen prallen dabei auch die Milieus aufeinander.

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Quelle: Festival

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Saint Amour (außer Konkurrenz)

Frankreich / Belgien, 2016. Regie: Benoît Delépine, Gustave Kervern. Darsteller: Gérard Depardieu, Benoît Poelvoorde, Vincent Lacoste, Céline Sallette, Gustave Kervern

Das Regie-Duo schickt Vater, Sohn und einen Taxifahrer auf eine Reise durch die Weinanbaugebiete Frankreichs - eine dankbare Rolle für Gérard Depardieu als Senior des Gespanns. Der Autor Michel Houellebecq hat einen Gastauftritt. Mon dieu!

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Quelle: Festival

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Soy Nero

Deutschland / Frankreich / Mexiko, 2016. Regie: Rafi Pitts. Darsteller: Johnny Ortiz, Rory Cochrane, Aml Ameen, Darrell Britt-Gibson, Michael Harney

Nero lebt an der Grenze Mexikos, den Zaun nutzt er und die Gleichaltrigen auf der amerikanischen Seite als Volleyballnetz. Nero träumt von einer "Greencard" und einem Leben mit Zweitwagen. Um das zu bekommen, meldet er sich freiwillig zur U.S. Army. Plötzlich findet er sich im Mittleren Osten wieder.

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Quelle: Festival

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Smrt u Sarajevu / Death in Sarajevo

Frankreich / Bosnien und Herzegowina, 2016. Regie: Danis Tanović. Darsteller: Jacques Weber, Snežana Vidović, Izudin Bajrović, Vedrana Seksan, Muhamed Hadžović

Sarajevo im Jahr 2014. Im Hotel Europa soll zum 100. Jahrestages des Attentats, das zum Ersten Weltkrieg führte, ein feierlicher Appel für den Frieden stattfinden. Die Hotelangestellten haben aber ganz andere Sorgen: Nach Monaten ohne Lohn planen sie einen Streik.

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Quelle: Festival

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Zero Days

USA, 2016. Regie: Alex Gibney.

Ein Dokumentarfilm über die Büchse der Pandora im Cyberkrieg: Bis heute offiziell geleugnet, wurde der sich selbst reproduzierende Computervirus "Stuxnet" von den USA und Israel entwickelt, um das iranische Atomprogramm lahmzulegen. Doch der Virus lebt weiter.

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Quelle: Festival

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Zjednoczone stany miłości / United States of Love

Polen / Schweden, 2016. Regie: Tomasz Wasilewski. Darsteller: Julia Kijowska, Magdalena Cielecka, Dorota Kolak, Marta Nieradkiewicz, Łukasz Simlat

Das Porträt einer stagnierenden Gesellschaft, die sich neu zu erfinden versucht: Vier junge Frauen mit Sehnsüchten und Hoffnungen versuchen aus der lust- und körperfeindlichen Gesellschaft im Polen der frühen Neunzigerjahre auszubrechen - und das in einer Kleinstadt.

© SZ.de/pak
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