Filmfestival von Locarno Publikumspreis für "Lore"

Achtungserfolg für das deutsche Kino: Beim Internationalen Filmfestival in Locarno ist das Antikriegsdrama "Lore" mit dem Publikumspreis ausgezeichnet worden. Ein deutscher Dokumentarfilm gewann in einer Nebenreihe. Der Hauptpreis des Festivals ging nach Frankreich.

Beim 65. Internationalen Filmfestival in Locarno hat das deutsche Kino zwei wichtige Auszeichnungen gewonnen. Den Hauptpreis in der Sektion "Woche der Kritik" bekam Regisseur David Sieveking für Vergiss mein nicht, die sensible Dokumentation über das Leben seiner an Demenz leidenden Mutter.

Der Film "Lore" (hier bei seiner Vorführung auf der Piazza Grande in Locarno) gefiel den Zuschauern am besten. Der Publikumspreis ging an das Drama von Regisseurin Cate Shortland.

(Foto: REUTERS)

Den renommierten Preis für den besten Film im Freiluftprogramm auf der Piazza Grande errang die deutsch-australisch-britische Koproduktion Lore. Regisseurin Cate Shortland entfaltet darin feinfühlig die Geschichte von elternlosen Kindern am Ende des Zweiten Weltkriegs.

Einen Überraschungserfolg gab es im Hauptwettbewerb: Die Jury unter Vorsitz des Filmemachers und bildenden Künstlers Apichatpong Weerasethakul aus Bangkok zeichnete den Beitrag La fille de nulle part des Franzosen Jean-Claude Brisseau mit dem Goldenen Leoparden aus. Den Jury-Preis nahm die amerikanische Produktion Somebody Up There Likes Me von Bob Byington mit nach Hause.

Viel einfacher als bei La fille de nulle part kann eine Filmproduktion kaum ablaufen: gedreht vom Regisseur in seiner eigenen Wohnung - mit sich selber als Hauptdarsteller und Leintuch-Gespenstern als Special Effects. Das beweise, dass "Wunsch und Wille und Einbringung seiner ganzen Seele" reichen, um einen guten Film zu machen, erklärte Jurypräsident Weerasethakul: "Wir haben den Film gewählt, der uns ins Herz getroffen hat." In dem vor allem durch eine geradezu magische Bildgestaltung beeindruckenden Kammerspiel beschreibt Regisseur Brisseau die von verblüffenden Gefühlen und verwirrenden Geistererscheinungen geprägte Begegnung eines alten Mann und einer jungen Frau.

Überzeugender Nachwuchs aus Japan und Amerika

Zwei Preise im Hauptwettbewerb - für die Regie und für die beste Darstellerin (An Nai) - erhielt der südkoreanisch-chinesische Film Wo hei you hua yao sho (When Night Falls) von Ying Liang. Erzählt wird die Geschichte eines jungen Polizistenmörders, dessen Mutter von der Justiz durch monatelange Internierung daran gehindert wird, dem Sohn juristischen Beistand zu verschaffen. Den Leoparden für den besten Darsteller erhielt Walter Saabel aus der österreichischen Produktion Der Glanz des Tages.

In der Nachwuchskategorie "Cineasti del presente" ging der Goldene Leopard an den japanischen Film Inori und der Regiepreis an Ape des Amerikaners Joel Potrykus; der Film über einen erfolglosen Comedian, der einen Pakt mit dem Teufel eingeht, erhielt auch eine spezielle Erwähnung der Erstlingsjury. Die französische Produktion Camille Redouble von und mit Noémie Lvovsky erhielt den Variety-Preis.

Insgesamt bewarben sich 19 Spiel- und Dokumentarfilme um den "Goldenen Leoparden" und die übrigen Ehrungen im wichtigsten Wettbewerb des Festivals. Das Schweizer Filmfest am Lago Maggiore zählt hinter Cannes, Berlin und Venedig zu den wichtigsten europäischen Filmfestivals.