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Filmfestival Cannes:Goldene Palme geht an thailändischen Film

Überraschungen in Cannes: Der Thailänder Apichatpong Weerasethakul gewinnt die Goldene Palme. Und Jurypräsident Tim Burton sorgt für ein Novum.

Mit der Wahl des thailändischen Films "Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives" hat Jury-Präsident Tim Burton wie versprochen für eine Überraschung gesorgt. Kaum ein anderer Film hatte bei dem Festival in Cannes derart polarisiert.

Cannes 2010 - Abschluß und Vergabe der Goldenen Palme

Apichatpong Weerasethakul (r.) hat die Goldene Palme in Cannes von der französischen Schauspielerin Charlotte Gainsbourg überreicht bekommen.

(Foto: dpa)

Am Sonntag zeichnete die Jury das fast hypnotische Werk des Regisseurs Apichatpong Weerasethakul mit der Goldene Palme aus. "Ich komme aus einer anderen Welt. Das scheint mir alles surrealistisch", sagte der Filmemacher in seiner Dankesrede. Die Verleihung der Goldenen Palme sei ein wichtiges Ereignis für das thailändische Kino.

In seinem Film erzählt der 39 Jahre alte Regisseur in vielen Traumsequenzen von einem todkranken Mann, der die letzten Tage seines Lebens bei seiner Familie auf dem Land verbringen will. Dort erscheinen ihm seine tote Frau und sein verschollen geglaubter Sohn. Mit ihnen begibt er sich auf eine Reise zu dem Geburtsort seines ersten Lebens. Dabei setzt Apichatpong Weerasethakul auf die Vorstellungskraft und Fantasie der Zuschauer, was für einige hoch- poetisch, für andere extrem langweilig ist.

Zuvor hatte Tim Burton ein Novum bei dem renommierten Festival an der Côte d'Azur geschaffen: Mit dem Spanier Javier Bardem ("Biutiful") und dem Italiener Elio Germana ("La Nostra Vita") zeichnete die Jury gleich zwei Darsteller als beste Schauspieler aus.

Und beide erhielten den Preis für eine Vaterrolle: Bardem spielt einen todkranken Mann, der als Kleinkrimineller mit Herz kurz vor seinem Tod seinen beiden Kindern ein besseres Leben vorbereiten will. Germana stellt einen Vater dar, der sich nach dem Tod seiner Frau auf illegale Geschäfte einlässt, um seinen kleinen Kindern zumindest materiell ein gutes Leben zu ermöglichen.

Den Preis als beste Schauspielerin gewann die Französin Juliette Binoche für ihre Rolle als Kunstsammlerin in "Copie Conforme" des Iraners Abbas Kiarostami. Darin lässt sie sich gemeinsam mit einem englischen Schriftsteller in der Toskana durch den Tag treiben. Es wird viel gesprochen und philosophiert.

In ihrer Dankesrede sprach sie über den iranischen Regisseur Jafar Panahi, der seit zwei Monaten in Teheran im Gefängnis sitzt und daher nicht in der Jury des Festivals sein konnte. Vor einer Woche war der Filmemacher in einen Hungerstreik getreten. Der als Favorit für die Palme gehandelte Film "Des Hommes Et Des Dieux" des Franzosen Xavier Beauvois erhielt den Großen Preis der Jury.

Ebenfalls an einen Franzosen ging der Preis für die Beste Regie und zwar an Mathieu Amalric und seinen Film "Tournée", ein Road-Movie über einen erfolglosen Manager (gespielt von Amalric), der mit einer Truppe amerikanischer Burlesque-Tänzerinnen durch die französische Provinz tourt. Für das beste Drehbuch wurde der Südkoreaner Lee Chang-dong mit seinem Werk "Poetry" ausgezeichnet.

Erstmals bei dem Festival im Wettbewerb vertreten und gleich mit einem Preis ausgezeichnet wurde der Beitrag aus dem Tschad "A Screaming Man" von Mahamat-Saleh Haroun. Auch mit dieser Wahl entschied sich die Jury für einen sehr ruhigen Film, der ebenfalls einen Vater-Sohn-Konflikt thematisiert. Die Goldene Kamera für den besten Debütfilm erhielt der Mexikaner Michael Rowe für "Año Bisiesto".

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