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Filmfest München:Nabelschau in sieben Teilen

Fassbinder, Welles, Pasolini: Beim Münchner Filmfest beschäftigen sich in diesem Jahr auffallend viele Werke mit der eigenen Zunft.

Von Anna Steinbauer

1 - Pasolini

Der New Yorker Filmemacher Abel Ferrara hat einen Film über den letzten Tag im Leben des italienischen Regisseurs Pier Paolo Pasolini gemacht. Willem Dafoe spielt den skandalträchtigen Meister des Exzesses und der Formstrenge, der im November 1975, im Alter von nur 53 Jahren, ermordet wurde. Im Film wird eines von Pasolinis Manuskripten, das von der Utopie der freien Liebe handelt, verfilmt. (Fr., 26.6., 20 Uhr, Sa., 27.6., 22.30 Uhr, City)

2 - Arabian Nights: 1-3

In seinem epischen, insgesamt sechsstündigen Episodenwerk schafft Regisseur Miguel Gomes eine Gesellschaftsanalyse, die an Pasolinis Trilogie des Lebens erinnert. Gomes benutzt eine altbekannte Erzählweise, um die Situation im heutigen Portugal zu beleuchten, das durch gesellschaftliche und ökonomische Krisen gebeutelt ist. Er lehnt sich hierbei an das Prinzip der Märchen aus 1001 Nacht an, in der die schöne Scheherazade dem König 1001 Nächte lang Geschichten erzählt, um ihre Hinrichtung aufzuschieben. Es gibt mehrere Handlungsstränge, die diegetisch ineinander verschachtelt sind: Neben korrupten Politikern und Menschen, die in der Krise ihren Job verloren haben, gibt es einen unentschlossenen Filmemacher. Außerdem tauchen regelmäßig dieselben Schauspieler und Schauspielerinnen in verschiedenen Rollen und Geschichten auf. (Mo., 29.6., 17 Uhr, Q&A mit Regisseur Miguel Gomes, Sa., 4.7., 14.30 Uhr, Münchner Freiheit)

3 - Fassbinder - Lieben ohne zu fordern

Dieser anrührende Dokumentarfilm zu Rainer Werner Fassbinders 70. Geburtstag stammt vom dänischen Regisseur Christian Braad Thomsen. Der Film entstand auf der Basis von persönlichen Erinnerungen, Gesprächen und Interviews mit Fassbinder, die Thomsen in den siebziger Jahren führte und bisher nicht veröffentlicht hat. Auch Irm Hermann und Harry Baer kommen in dieser Hommage an den früh Verstorbenen zu Wort. Besonders bewegend sind die Aufnahmen vom Festival in Cannes im Jahr 1978, die Fassbinder am Rande des körperlichen und nervlichen Zusammenbruchs zeigen. (Mi., 1., 22.30 Uhr und Do, 2. Juli, um 15 Uhr jeweils im Filmmuseum, anschließend Q&A mit Regisseur Christian Braad Thomsen)

4 - The Voice of Sokurov

An den 1951 in Sibirien geborenen Alexander Sokurov sollte man sich mit Blick auf den Erfolg des Schipper-Thrillers Victoria erinnern: Sein Film Russian Ark von 2002 ist ein Weltrekord, er besteht aus einer einzigen, 92-minütigen Einstellung ohne Schnitt. Regisseurin Leena Kilpeläinen hat in St. Petersburg an unterschiedlichen Orten Gespräche mit Sokurov geführt und einen Dokumentarfilm über ihn gedreht. (Fr., 26.6., 22 Uhr, Münchner Freiheit; Sa., 27.6., 19Uhr, HFF, So., 28.6., 22.30 Uhr, Rio, jeweils nach dem Film Q&A mit Regisseurin Leena Kilpeläinen)

5 - Return to Beethoven Street: Sam Fuller in Germany

Gleich zwei Filme von und über Samuel Fuller sind zu sehen: Die Doku von Robert Fischer beschäftigt sich mit Fullers Tatort, der 1973 im deutschen Fernsehen lief. (Sa., 4.7., 17.30 Uhr , Filmmuseum, Q&A mit Regisseur Robert Fischer.) Auch Fullers Krimi Dead Pigeon On Beethoven Street, den ihm der Filmkritiker Hans-Christoph Blumenberg vermittelte, wird dort gezeigt. (Fr, 3.7., 22.30 Uhr, Q&A mit Christa Fuller)

6 - Magician: The Astonishing Life and Work of Orson Welles

Sein erster Kinofilm, Citizen Kane, gilt als eines der bedeutendsten Werke der Filmgeschichte: Orson Welles war ein Filmgenie und Multitalent. Chuck Workman widmet sich in seiner Dokumentation zum 100. Geburtstag Welles' dem Regisseur, Schauspieler und Drehbuchautor. (Sa., 27.6., 22.30 Uhr und So., 28.6., 14.30 Uhr, Filmmuseum)

7 - Memories on Stone

Der irakische Regisseur Shawkat Amin Korki verarbeitet in seiner Tragikomödie eigene Erfahrungen. Er ist 1973 im kurdischen Teil des Irak geboren und wurde von der irakischen Miliz gezwungen, in den Iran zu fliehen. Sein Film über den Genozid an der kurdischen Bevölkerung spielt nach dem Sturz Saddam Husseins: Zwei Jugendfreunde beschließen darin, einen Film über die Anfal-Operationen zu drehen. (Sa., 27.6., 17.30 Uhr, Münchner Freiheit, Q&A mit dem Regisseur, So., 28.6., 17 Uhr, HFF, Mo., 29.6., 19.30 Uhr, Münchner Freiheit)

© SZ vom 25.06.2015
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