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Filme im Wettbewerb der Berlinale:Der ganze Herzschmerz der Jugend

Ein wenig ähnlich ist das Thema des Drehbuchs auch - denn wieder geht es am Ende darum, den moralischen Kompass nicht zu verlieren in einer Welt der gnadenlos operierenden Großkonzerne. Hier sind es die Erdgasförderer der USA, die den Farmern Millionen für Bohrrechte versprechen und dann beim "Fracking" Chemikalien in ihre Erde pumpen, mit möglicherweise fatalen Folgen für die Umwelt. Matt Damon spielt Steve, einen Topverhandler der Gas-Riesen - auch er war mal ein Farmjunge, er kennt diese Menschen und das unausweichliche, bittere Ende ihres Lebensstils, er will wirklich helfen. Und muss dann doch, nach einigen bösen Enthüllungen, in einer sentimentalen Turnhallen-Rede vor den Locals bekennen: Ich war ein Werkzeug des Bösen.

Solche Storys waren schon zu Frank Capras Zeiten nicht leicht zu verkaufen - heute ist es wirklich fast unmöglich. Und "Promised Land" hat noch andere Probleme: der unbeugsame Alte, der warnend seine brüchige Stimme erhebt, die herzensgute und patente Lehrerin, die aber nicht zu hübsch sein darf, das Mädchen am Limonadenstand, das nicht mal Trinkgeld annimmt - all das sind Drehbuchfiguren aus der Grabbelkiste. Man spürt durchaus, dass es Damon ernst meint mit seinem Thema, dass er ein politischer Filmemacher werden will - aber das braucht wohl noch Arbeit. Sein Buddy George Clooney, mit dem er jetzt in Berlin um die Häuser zieht, ist ihm da deutlich voraus.

Die Festivalregie will es, dass dann auch der dritte Film aus dem Wettbewerb in ländliches Elend führt, diesmal in Österreich. Mit "Paradies: Hoffnung" hat Ulrich Seidl eine Trilogie vollendet, die voriges Jahr mit "Liebe" in Cannes begann und mit "Glaube" in Venedig weiterging: ein veritabler Hattrick dieses gnadenlos konsequenten, wahrheitssuchenden und untergründig auch komischen Filmemachers. Im ersten Teil geht es um eine österreichische Durchschnittsfrau, die nach Kenia fährt und sich dort in eine fordernde, machtbewusste und zugleich verzweifelte Sextouristin verwandelt; der zweite Teil zeigt ihre erzkatholische Schwester im Ehekrieg mit ihrem behinderten muslimischen Ehemann; jetzt ist die Tochter dran.

Berlinale 2013

Wer ist wer in der Jury?

Melanie, dreizehn Jahre alt und deutlich übergewichtig, wird für den Sommer in ein Diätcamp verfrachtet, in einem sonst leerstehenden, kasernenartigen Sport- und Tagungskomplex in den Bergen - die Vorhölle, erbaut im Stil des Arbeiter-und-Bauern-Modernismus. Dort gibt es dann täglich Sport und Disziplin mit wirklich dicken Jugendlichen, unerschöpfliche Quelle für gruselige und komische Seidl-Tableaus, die man auf Großformat aufblasen und an die Wand hängen möchte (macht er ja auch schon, zur Zeit in der Galerie c/o Berlin).

Die Überraschung sind dann aber die Diätcamp-Mädchen um Melanie, die auf ihrem Vierbettzimmer solch glaubwürdiges Leben entfalten, dass sich jeder Gedanke verflüchtigt, sie könnten hier vorgeführt werden. Melanie, grandios verkörpert von der Newcomerin Melanie Lenz, verliebt sich in den viel zu alten Camp-Arzt, ein seinerseits tragikkomischer Stenz, der aber seine Verantwortung als Erwachsener doch nie ganz vergisst. In der Folge darf der ganze Herzschmerz der Jugend blühen - und man muss schon sehr lange zurückdenken, wann man das zuletzt so glaubwürdig und berührend gesehen hat. So findet diese durchgehend starke Trilogie ein Ende, das dem Titel "Hoffnung" nicht einmal Hohn spricht.

Und zum Schluss, ach ja: Hier die neuesten Recherchen der Berliner Prominentenjäger. Charlize Theron wurde von "Cinema for Peace" eingeflogen, der große Russe Gérard Depardieu wird einen Werbeauftritt für eine Wodka-Marke absolvieren - nur von Hugh Grant weiß offenbar niemand, was er in Berlin wirklich vorhat. Das darf naturgemäß nicht so bleiben - sachdienliche Hinweise bitte an die Berliner Lokalpresse.

Berlinale 2013

Welche Stars das Festival besuchen