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Filmbranche in der Krise:Kino & Corona

Das Müchner Dokfest soll online stattfinden. Die Filmförderer versprechen Zahlungen auch bei Drehabbruch, aber manche Produzenten wollen unbedingt weiterdrehen.

Das Münchner Dokumentarfilmfestival Dokfest wird aufgrund der Coronapandemie digital stattfinden. Das teilten die Veranstalter am Donnerstag mit. Unter dem Motto "Dokfest München@Home 2020" wolle man "mit dem Onlinefestival ein Zeichen setzen, dass die Kultur ein wichtiger Aspekt unseres gesellschaftlichen Austauschs und Zusammenhalts ist und unbedingt weiter stattfinden muss", sagte der Leiter Daniel Sponsel. Das physische Dokfest hätte vom 6. bis 17. Mai stattfinden sollen, eine Verschiebung sei nicht möglich gewesen. Deshalb die Online-Edition zum Streamen im geplanten Zeitraum. Das Team arbeite derzeit noch am Programm, das in den nächsten Wochen vorgestellt werden soll.

Derweil kündigte der Filmfernsehfonds Bayern ebenfalls am Donnerstag in München an, "dass eine Unterbrechung, Verschiebung oder Abbruch der Dreharbeiten keine negativen Auswirkungen auf erteilte Förderzusagen" habe.

Das solle Filmemachern, die wegen des Virus eine unfreiwillige und teure Zwangspause einlegen müssen, ein bisschen mehr Planungssicherheit geben. Außerdem befinde man sich im Gespräch mit den anderen deutschen Landesfilmförderungen, um alsbald "einheitliche Hilfsmaßnahmen" zu entwickeln, die "zeitnah und unbürokratisch" umgesetzt werden könnten.

Obwohl weltweit und auch in Deutschland reihenweise bereits Dreharbeiten abgebrochen wurden, wird bei manchen Projekten trotz der Pandemie immer noch weitergearbeitet, weil die Produzenten Angst vor dem Ruin haben. Manche fürchten, leider auf Kosten der Gesundheit der Mitarbeiter. Deshalb fordert zum Beispiel der Filmverband Südwest "sämtliche szenischen und werblichen Dreharbeiten und Vorproduktionen mit sofortiger Wirkung einzustellen."

Kein Set der Welt sei es wert, "Menschenleben dafür zu gefährden". Der FVSW appelliert deshalb an die baden-württembergische Landesregierung sowie die Gemeinden, "explizit Dreharbeiten zu untersagen und bereits ausgesprochene Drehgenehmigungen unverzüglich abzusagen". Viele Produktionsfirmen würden sich nicht trauen, die Arbeit von sich aus zu unterbrechen, weil das zu finanziellen Ausfällen führen würde, die zu zahlreichen Insolvenzen führen könne. Deshalb sei eine entsprechende staatliche Verfügung unumgänglich.

© SZ vom 20.03.2020

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