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Filmbranche:Droht Hollywood der große Schauspielerstreik?

Nach den Drehbuchautoren sind nun die Mimen dran: Ein eventueller Schauspielerstreik in USA hat prominente Fürsprecher.

Die Dramaturgie ist natürlich nicht sonderlich originell, verlässt sich auf bewährte Kniffs und Effekte. Am Dienstag hat die Alliance of Motion Picture and Television Producers (AMPTP) in Los Angeles ein Letzte-Minute-Angebot vorgelegt, "the final offer", um die Gespräche zwischen ihr und der großen Schauspielergewerkschaft (SAG) über den neuen Drei-Jahres-Vertrag doch noch zur Einigung zu führen.

"Bahnbrechend"

42 Tage lang war da bereits verhandelt worden, und um Mitternacht würde der alte Vertrag auslaufen. Das neue Angebot bot insgesamt 250 Millionen Dollar mehr für die SAG-Mitglieder und sollte allen Schauspielern "bedeutenden wirtschaftlichen Gewinn" bringen und außerdem "bahnbrechende neue Rechte in der Medienauswertung".

Genau dies aber kann die SAG nicht erkennen in dem Angebot - auf den ersten Blick, denn das Konvolut der AMPTP umfasst 43 Seiten und muss erst mal gründlich studiert werden, möglichst bis zum neuen Treffen am Mittwoch.

Eine Annahme des Angebots ist, wie man Andeutungen des SAG-Verhandlungsführers Doug Allen entnehmen kann, ziemlich unwahrscheinlich, weil die wesentlichen Punkte nicht befriedigend geklärt sind. Die SAG kämpft um bessere Bedingungen für die mittlere Gehaltsgruppe ihrer 120 000 Mitglieder, außerdem um entsprechende Beteiligung bei DVD- und Internet-Abrechnungen.

Um eben diese Punkte ging es auch bei den Verhandlungen der Produzenten mit den Drehbuchautoren im Winter - der Monate andauernde Streik hatte erst Anfang Februar beendet werden können, kurz vor der Oscar-Nacht, und hat die Industrie etwa zwei Milliarden Dollar gekostet.

Tom Hanks, Jack Nicholson

Der drohende Sommerstreik steht daher unter ein wenig anderen Vorzeichen. "Unsere Industrie befindet sich jetzt in einem De-Facto-Streik", hatte die AMPTP am Montag erklärt, "die Filmproduktion ist quasi lahmgelegt und die TV-Produktion ernstlich bedroht."

Vor allem das Fernsehen ist erneut von Ausfällen und Aufschüben bedroht. Aber bei der SAG scheut man noch den organisatorischen Aufwand eines wirklichen Streiks. Zudem hat die zweite, kleinere Schauspielergewerkschaft, die American Federation of Television and Radio Artists (AFTRA), in der nur TV-Akteure organisiert sind - 70 000 Mitglieder, davon sind 44 000 auch in der SAG -, einen Deal mit der AMPTP angeschlossen, der bis nächste Woche von den Mitgliedern ratifiziert werden soll. So lange wird auch die SAG erst mal abwarten - eine Ablehnung des Deals kann ihre Position nur stärken.

Die Interferenz der beiden Gewerkschaften könnte die Verhandlungen auf unerwartete Weise beflügeln. Beide haben potente Fürsprecher unter den Hollywoodstars gefunden - die AFTRA Tom Hanks, die SAG Jack Nicholson. Der Allesversöhner George Clooney warnt vor einem Duell Hanks/Nicholson und hält sich neutral.

Vielleicht ist es wirklich sinnvoll, in dieser Partie auf Zeit zu spielen - beim Schreiberstreik im Februar schien die Situation auch blockiert und brachte dann plötzlich eine entspannende Lösung. Ein längeres De facto könnte am Ende genügen, effektiver als ein mühseliger wirklicher Streik.