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Filmbiografie:Polyamorie

"Professor Marston & The Wonder Women" erzählt die wahre Geschichte eines Harvard-Psychologen zwischen zwei Frauen.

Wer Comics liest, kennt Wonder Woman. 1941 erschien sie in Amerika, die allererste Superheldin, und sofort sah Superman wie ein Langweiler aus, weil sie sich für aufregendere Dinge interessierte. Für die Rettung der Welt, das schon. Aber während Superman melancholisch im Cape arbeitete, trug sie kurze Röcke, warf ein magisches Lasso über ihre Gegner, hatte Spaß an Fesseln und sicherte sich so die Aufmerksamkeit von Sittenwächtern, Feministinnen und Lesern gleichermaßen. Diese Frau war die Erfindung des Psychologieprofessors William Moulton Marston.

Dessen Biografie erzählt Angela Robinson in "Professor Marston & The Wonder Women", und sie konzentriert sich dabei auf Marstons private Seite: Er liebt zwei Frauen, hat Sex zu dritt, Kinder zu dritt, führt ein ganzes Leben wider die gesellschaftliche Norm. Angela Robinson brachte offenbar viel unbekümmerten Erfindungsgeist in die Geschichte, was Marstons Enkelin Christie nach dem US-Kinostart mehrfach auf Twitter bemängelte. Dem Film allerdings schenkt das eine schicke Atmosphäre der Rebellion und ein paar Sequenzen von glamouröser Erotik. Robinson beginnt im Jahr 1928. Da lehrt Marston in Harvard Psychologie, mit seiner Frau Elizabeth als Assistentin. Das Paar hat sich der Wahrheit verschrieben: sexuelle Interessen sollten klar artikuliert, nicht hinter einer Fassade der Höflichkeit verborgen werden. Speziell Elizabeth hält sich an diese Vorgabe, was die Studentin Olive so hinreißt, dass sie sich verliebt. Daraus wird bald eine Dreierbeziehung, bei der die Frauen den Mann beinahe in den Hintergrund drängen, so klug und amüsant treten sie auf.

Prof Marston

Super, Heldinnen: Der Professor und die zwei echten Wonderwomen.

(Foto: Sony)

Zwar entwickeln die drei bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit eine frühe Form des Lügendetektors, trotzdem müssen sie für ihre Beziehung bezahlen: Wer die Regeln der Universität und die gängige Moral ignoriert, fliegt raus. Aber sie bleiben zusammen, beziehen ein Haus im Vorort und bemühen sich um Unauffälligkeit. Beide Frauen bekommen Kinder von Marston, Elizabeth verdient Geld als Sekretärin, irgendwann lehrt ein französischer Pornograf das Trio die Freuden von Fetisch-Sex. Das inspiriert Marston zum "Wonder Woman" Comic, er trägt das gemeinsame Leben als gezeichnetes Abenteuer an die Öffentlichkeit.

Der Film allerdings wird hier zu einer Liebesgeschichte, die sich in den Gefühlen ihrer Protagonisten verstrickt. Aber zugleich zeigt Robinson das konservative Amerika in vier Jahrzehnten, wie es immer wieder mit dem Lebensstil des Trios konfrontiert wird und in unterschiedlich bösartiger Form darauf reagiert. Da ist es ein Leichtes, den Bezug zur Gegenwart herzustellen, in dem eine polyamouröse Beziehung im falschen Umfeld noch genauso für Verdammnis sorgen kann.

Professor Marston & the Wonder Women, USA 2017 - Regie: Angela Robinson. Mit Rebecca Hall, Bella Heathcote, Luke Evans. Sony, 108 Min.

© SZ vom 02.11.2017

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