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Film und Umwelt:Grüner wird's doch

Filmförderer unterstützen nachhaltiges Produzieren

Am Anfang blieb er noch regelmäßig liegen, wenn sich aber alles eingespielt hat und er in ruhigen Schienen läuft, der neue Hochgeschwindigkeitszug zwischen München und Berlin, dann ist er ein großer Gewinn. Nicht nur für die Passagiere, sondern auch für die Umwelt. Christiane Dopp freut das besonders, sie ist bei der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein für das Thema "Grünes Drehen" zuständig. "Im Bereich Mobilität und Transport kann man am meisten einsparen", sagt sie, "wenn alle Schauspieler und Crew-Mitglieder vom Flugzeug auf die Bahn umsteigen würden, wäre das großartig." Denn gerade zwischen den beiden Produktionshauptstädten Berlin und München herrscht viel Film-Verkehr. Seit sechs Jahren vergeben die Hamburger Filmförderer den "Grünen Drehpass", eine Art Ökosiegel für Produzenten, die ihre Filme nachweislich umweltbewusst drehen. 2011 war Hamburg Umwelthauptstadt Europas, überall in der Stadt verordnete man sich hochgesteckte Ziele, um den CO2-Verbrauch zu drosseln. So kam man bei der Filmförderung auf die Idee mit dem Drehpass, mit dem Serien wie "Notruf Hafenkante" oder Kinofilme wie Bully Herbigs "Buddy" als besonders nachhaltige Produktionen ausgezeichnet wurden.

Über eben jenen Pass wurde zuletzt leidenschaftlich diskutiert, Auslöser war unter anderem die Berichterstattung über den hundertsten "Grünen Drehpass", der an die Constantin-Filmproduktion "Sauerkrautkoma" verliehen wurde. Klaus Schaefer, Chef des Film-Fernseh-Fonds Bayern (FFF), begrüßte in der Süddeutschen Zeitung ausdrücklich die Umweltschutzbemühungen der Filmemacher, die eine Selbstverpflichtung abgaben und Müll vermeiden, Mehrweggeschirr benutzen, Fahrgemeinschaften bilden und umweltschonende Generatoren verwenden wollten. Er gab aber zu bedenken, dass so ein Ökosiegel wenig Aussagekraft habe, so lange man den Einspareffekt nicht kontrollieren könne. Das nahmen ihm Umweltberater übel, er selbst wollte sich nicht weiter dazu äußern.

"Klaus Schaefer hat da natürlich recht, die Einsparungen werden nicht gemessen", sagt seine Förderkollegin aus dem hohen Norden. "Aber wir wollen auf das Thema aufmerksam machen, die Produktionsfirmen sollen ein Bewusstsein für grünes Drehen bekommen", sagt Christiane Dopp. Es gehe vor allem um die berühmten erste Schritte, die am schwersten sind - das Thema selbst sei natürlich noch ausbaufähig. Grundsätzlich lässt sich der Kohlendioxid-Verbrauch auch messen, das haben andere Branchen bereits vorgemacht - nur ist das eben sehr aufwendig, Produktionsassistenten oder Herstellungsleiter können das nicht nebenbei machen. Dafür müssten Spezialisten engagiert - und bezahlt werden. Letztendlich ist es also eine reine Kostenfrage, doch so schnell lassen sich die Umweltschützer in der Filmbranche nicht entmutigen: Ende des vergangenen Jahres trafen sich die Geschäftsführer der deutschen Filmförderungen in München und formulierten eine gemeinsame Stellungnahme. Darin bekräftigten sie, dass sie die Ansätze für nachhaltiges Produzieren anerkennen und die Mehrkosten für "Grünes Drehen" förderrechtlich mittragen würden. Da Filmförderung in Deutschland überwiegend Ländersache ist, wurde diese Erklärung von den zuständigen Institutionen aus Hessen, Bayern, Berlin oder Baden-Württemberg unterzeichnet.

"Das ist ein Meilenstein", behauptet Dopp, "damit erreichen wir auch Produzenten, die sich mit diesem Thema bisher nicht auseinandergesetzt haben." Und genau deshalb sei Kommunikation so wichtig, betont sie. Es gehe um ein Umdenken, schließlich könne jeder, der an einem Film mitarbeitet, einen kleinen Beitrag für die Umwelt leisten. Etwas merkwürdig formuliert ist die Stellungnahme aber trotzdem, einerseits bekennen sich die Filmförderer zwar zu umweltschonenden Maßnahmen und stellen eine Kostenübernahme in Aussicht. Gleichzeitig betonen sie aber auch, dass "Grünes Drehen" nicht zwangsläufig zu höheren Kosten führe, schließlich gebe es Entwicklungen und Techniken, die kosten- und ressourcenschonend seien. Das soll dann wohl so viel heißen, dass man als Produzent auf beiden Seiten sparen kann, also beim Budget und bei den Emissionswerten - man müsse es eben nur schlau genug anstellen. Hier schlägt dann die Stunde der Berater, die sich auf das Thema spezialisiert haben und die den Produktionsfirmen Ratschläge erteilen können. Solche Experten gibt es bereits, in den meisten Fällen beraten sie auf Projektbasis. Im Zweifelsfall suchen sie überforderten Schauspielern aber auch sicher passende Bahnverbindungen heraus.