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Film:Tupac Shakur

Sein Aufstieg, der Bandenkrieg, der Mord - Tupac Shakurs Leben wirkte selbst wie eine Hollywoodproduktion, jetzt hat Benny Boom sich tatsächlich an ein Biopic gewagt.

Die Aura eines Stars vor dem Mikrofon und der Kinokamera. Die Attitüde eines Gangsters mit Tattoos, Goldketten und Bandana. Ein kurzes Leben von 25 Jahren, von denen er ein ganzes im Gefängnis verbrachte. Ein heftiger Krieg zwischen den Rappern der West- und der Ostküste. Das berüchtigte HipHop-Label Death Row und eine große Liebesgeschichte mit Jada Pinkett, die inzwischen Mrs. Will Smith ist: Die Zutaten von Tupacs Leben sind bereits reines Kino.

Statt jedoch noch einmal den Mythos zu beschwören, will der Musikvideoregisseur Benny Boom lieber den vielschichtigen Menschen erforschen und beginnt damit sozusagen im Mutterleib. Denn schon da, so seine These, wurde dem Fötus der Kampfgeist seiner in der BlackPanther-Bewegung aktiven, alleinerziehenden Mutter eingeimpft. Später wurde aus dem kleinen Lesane Parish Crooks dann ein Musiker, der seiner Wut auf die diskriminierenden Verhältnisse nicht einfach nur als rüder Gangsterrapper Luft machte. Stattdessen unterfütterte er sie mit Bildung und Charisma, Eloquenz und Intelligenz. Das heißt allerdings nicht, dass er so leise und bedacht war, wie der Film, der sich ihm jetzt, gut zwanzig Jahre nach dem bis heute ungeklärten Mord, widmet. "Alle Augen auf mich!", forderte Tupac im Titel seines letzten, zu Lebzeiten veröffentlichten Albums. Ganz so unausweichlich ist der Film über ihn zwar nicht geworden, weniger ein Kommando zum Aufruhr, als eine Einladung zur Reflexion. Ja, man hätte ihm ein roheres, wilderes Biopic gewünscht. Aber auch dieser wehmütig stimmende Film macht schmerzlich spürbar, wie sehr Tupac, der gestern seinen 46. Geburtstag gefeiert hätte, bis heute fehlt, in den unruhigen Zeiten der jüngsten Rassenunruhen in Ferguson und Baltimore, wo weiße Polizisten noch immer weitgehend ungestraft auf unbewaffnete Schwarze schießen. Ein Glücksfall dagegen ist der junge Schauspieler Demetrius Shipp Jr. Dass er sich die Rolle wie eine zweite Haut überstreifen kann, hat nicht nur mit seiner verblüffenden physischen Ähnlichkeit zu tun, sondern auch damit, dass er als Newcomer nicht mit dem Gepäck vorangegangener Rollen belastet ist.