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Film-Musical: "Once":Musik zwischen Mülltonnen

Der Straßenmusiker, der bei seinem verwitweten Vater lebt, in dessen Staubsaugerreparatur-Shop mithilft, steht nachts noch einsamer auf dem regennassen Bürgersteig, zwischen Mülltonnen und spärlich erleuchteten Schaufenstern für Damenmode. Jetzt singt er seine eigenen Songs, und die junge, mädchenhafte Frau, die gerührt stehen bleibt, kann ihm mit wenigen Fragen das Geständnis jener schmerzhaften Erfahrungen entlocken, die diese Songs inspirieren: Die langjährige Geliebte hat ihn verlassen.

Langsam aber zielstrebig, ganz genregerecht entwickelt der Film das Beinahe-Märchen vom Straßensänger und der Pianistin. Sie - eine tschechische Immigrantin (gespielt von der in Prag aufgewachsenen Sängerin/Pianistin Markéta Irglová, Hansards Lebensgefährtin), die allerlei Gelegenheitsjobs erledigt, zusammen mit ihrer zweijährigen Tochter und der Mutter, die kein Wort Englisch spricht, in einer dunklen Wohnung haust.

Am nächsten Tag bringt sie einen reparaturbedürftigen Staubsauger mit in die Fußgängerzone und zeigt dem Sänger mit dem gebrochenen Herzen das Musikgeschäft, wo sie, die Pianistin ohne Klavier, ihre Fingerübungen machen darf. Wunderbar, wenn sie Felix Mendelssohn Bartholdys "Lied ohne Worte" intoniert und dabei aufblüht, wenn die beiden zum ersten Mal vierhändig in die Tasten greifen und zweistimmig singen.

Kein gefälliges Happyend

In der Musik gelingt das also, das tastende Einander-Näherkommen, außerhalb begegnen die beiden einander scheu, hilflos, Missverständnissen ausgesetzt. Typisch, dass der Mann einmal, nach seiner Ex-Geliebten befragt, kein Wort hervorbringt, aber - herrliche Szene auf dem hintersten Sitz eines Omnibusses - seine Gitarre ergreift und den selbstironischen Song vom "Broken hearted hoover fixer sucker guy" erfindet. Es geht in diesem Film nicht um fertige Produkte oder Perfektion, sondern um die Fertigung, die Arbeit an der Musik und wie sie zusammengehört mit der Arbeit an Gefühlen und Beziehungen.

Die Pianistin-Muse inspiriert Hansard und kümmert sich realitätstüchtig darum, dass er ein Studio zur Produktion eines Demobandes mieten kann. Er fährt sie auf dem Motorrad des Vaters ans Meer. Aber Carney sucht kein gefälliges Happyend, belässt es beim Glück der Begegnung, das in den gemeinsamen Songs aufstrahlt. "Once" wurde auf zahlreichen Festivals mit Preisen bedacht, und Bob Dylan war so angetan, dass er Glen Hansard und Markéta Irglová (die zusammen schon ein Album mit dem Titel "The Swell Season" eingespielt haben) im Vorprogramm seiner jüngsten Welt-Tour präsentierte.

ONCE, Irland 2006 - Regie, Buch: John Carney. Kamera: Tim Fleming. Ton: Robert Flanagan. Musik: Glen Hansard, Markéta Irglová. Mit: Glen Hansard, Markéta Irglová, Hugh Walsh, Gerry Hendrick, Alaistair Foley, Bill Hodnett, Geoff Minogue. Kinowelt, 85 Minuten.