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Film:Horror, hurra

Rarität im Werkstattkino: der brasilianische Film "Esta Noite Encarnarei No Teu Cadáver" (1967) von und mit José Moijca Marins.

(Foto: Marins Iberica Films)

Seit zehn Jahren lädt das Werkstattkino zum "Kinokränzchen"

Von Dirk Wagner

"Was passiert, wenn wir mal einen richtig guten Film zeigen?", fragte Thomas Reitmair im Februar 2010, als die sechste Folge seiner damals noch jungen Horrorfilmreihe "Großmutters Kinokränzchen" am frühen Sonntagnachmittag das Werkstattkino gefüllt hatte. Neun Jahre später präsentiert Reitmair an diesem Sonntag, 10. Februar, bereits den 138. Horrorfilm in der zehn Jahre andauernden Reihe. Obwohl auch schon einige Höhepunkte des Horrorgenres zu sehen waren, liegt der Reiz der Serie vor allem darin, wie Thomas Reitmair mit seinen spannenden Einführungen selbst schlechte Filme aufzuwerten versteht. Wobei er selbst natürlich keinen der von ihm ausgesuchten Filme für schlecht befindet. Immerhin unterscheidet er einige dann doch von einem "richtig guten Film".

Genau einen solchen gibt es nun zu sehen, wenn der 1967 gedrehte brasilianische Film "Esta Noite Encarnarei No Teu Cadáver" vermutlich seine deutsche Erstaufführung hat. Zum zweiten Mal spielt darin der Regisseur José Moijca Marins den blasphemischen Totengräber Zé do Caixalo mit seinen übertrieben langen Fingernägeln. Vollmundig nennt der Kurator Reitmair diesen Film des Erfinders des brasilianischen Horrorfilms auch dessen "Citizen Kane". Die Begründung für dieses Lob wird er in seinem Vorwort zum Film liefern. Wobei allein schon Thomas Reitmairs Fähigkeit, am Horrorfilm die gesamte Menschheitsgeschichte zu erläutern, den Besuch lohnen dürfte.

Die Liebhaber von außergewöhnlichen Filmen jenseits der zunehmend den Markt bestimmenden Blockbuster schätzen das Kellerkino im Hinterhof des Fraunhofer-Wirtshauses ohnehin seit Langem für sein besonders "nischiges" Nischenprogramm. So laufen hier an diesem Samstag um 18 Uhr in der Berliner Kurzfilmreihe "Shorts Attack" acht Kurzfilme zum Thema "Teenage Riot". Und am Sonntag von 18 Uhr an diskutieren im sogenannten Comic-Café Kreative aus der Comic-Szene über aktuelle Comicverfilmungen und neue Comics. Womit das Werkstattkino eine Veranstaltung lang aufhört, ausschließlich Kino zu sein.

Andere Programmkinos hören ganz auf. So etwa die 1906 in München eröffneten Gabriel-Lichtspiele, die zu den ältesten Lichtspielhäusern der Welt zählen und, wie kürzlich bekannt gegeben wurde, wohl der zunehmenden Konkurrenz von Streaming-Angeboten weichen werden. Oder Kinos, die zu cineastischen Wellness-Oasen ausgebaut werden, um mit Bequemlichkeiten den erhöhten Eintritt zu rechtfertigen, der ein Kino angeblich erst rentabel macht. Die Stammgäste des Werkstattkinos, das auch Festivals wie "Bunter Hund" oder das "Underdox" beheimatet, genießen indes das außergewöhnliche Programm, das von wahren Filmliebhabern zusammengestellt wird. Aktuelle Filme und Klassiker aus der gesamten Welt korrigieren dabei einen allzu eurozentrischen Kulturbegriff. Und dann gibt es einmal im Monat ja auch noch das "Kinokränzchen" für die eingefleischten Horrorfilm-Fans.

Esta Noite Encarnarei No Teu Cadáver, So., 10. Feb., 14.30 Uhr, Werkstattkino, Fraunhoferstr. 9

© SZ vom 09.02.2019
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