Film Echte Schwesternschaft

Tina Fey spielt die Gastgeberin der Schwesternschaft im Napa Valley.

(Foto: Colleen Hayes; Netflix)

Ein Projekt, bei dem die männerdominierte Filmindustrie einmal nichts versauen konnte: "Wine Country" von Amy Poehler.

Von Tobias Kniebe

Mit den Jahren sind sie so etwas wie die "Queens of Comedy" geworden: smart, böse, lustig - und im Auftreten doch auffällig unangestrengt. Tina Fey parodierte Sarah Palin bei "Saturday Night Live", Amy Poehler gab Hillary Clinton - und wenn sie gemeinsam auftraten, flogen wirklich die Fetzen. Dazu Dutzende andere Gagnummern, Film- und Fernsehrollen, dreimal führten sie zusammen durch die Golden Globes und wurden jedes Jahr besser, und auch bei den Oscars im Februar hatten sie wieder einen guten Auftritt.

Große Freude also, im Netflix-Programm den Spielfilm "Wine Country" zu entdecken: Amy Poehler hat ihn geschrieben, Regie geführt und eine Hauptrolle übernommen, und sie hat eine Figur für Tina Fey geschaffen - aber nicht nur für sie. Maya Rudolph ist auch dabei, dazu Rachel Dratch, Ana Gasteyer, Paula Pell und Emily Spivey. Die Namen wird man nicht alle kennen, aber der gemeinsame Nenner ist klar: Sie alle haben einige Jahre für "Saturday Night Live" geschrieben und gespielt, sie sind mit der Show groß geworden und dabei offenbar, trotz unterschiedlich erfolgreicher Karrieren, auch ziemlich beste Freundinnen. Zeit also für einen gemeinsamen Frauentrip, zum Entspannen ins kalifornischen Weinland des Napa Valley.

Eine echte Schwesternschaft also! Weibliche Gruppendynamik, weiblicher Humor in Reinform, um Männer wird es nicht gehen oder wirklich nur am Rande, dafür um alte Freundschaft, Solidarität, gemeinsames Älterwerden und die ewige Frage, wie man die ganzen Zumutungen des Lebens eben so meistert. Wollte man sich ein Traumprojekt ausdenken, bei dem die männerdominierte Filmindustrie einmal nichts versauen kann - die Konstellation von "Wine Country" käme der Sache schon ziemlich nahe. Und ja, die Bosse von Netflix haben die Ladies bestimmt einfach machen lassen, das ist schließlich die viel gepriesene Politik des Hauses.

Die Figuren, die die Frauen in dem Film spielen, sind schon lange Freundinnen, sie kennen sich aus gemeinsamen Zeiten als Kellnerinnen in einer Pizzeria, anders gesagt: Es sind Frauen aus dem Volk. Jetzt wird die älteste fünfzig, und endlich wollen sie sich mal wiedersehen, gemeinsam einen draufmachen in einer gemieteten Villa mit herrlichem Blick. Dort taucht dann auch (leider eher kurz) Tina Fey auf, die ist allerdings nicht aus dem Volk, sondern die reiche und etwas exzentrische Hausbesitzerin.

Die Folgen zeigen sich sofort. Tina Fey hat auf Anhieb die besten Gags. Alle anderen müssen, weil sie laut Drehbuch ja keine Intellektuellen und auch keine Komikerinnen und nicht mal exzentrische Hausbesitzerinnen sind, irgendwie mit angezogener Handbremse spielen. Außerdem sind sie, wie gesagt, solidarische weibliche Wesen, was bedeutet, dass sie nicht zu böse übereinander lästern dürfen. Die Männer, über die man natürlich endlos lästern könnte, scheiden als Thema wiederum aus, weil es viel zu oft um sie geht und hier eben nur ganz am Rande.

In sonnendurchtränkter Landschaft zwischen langen Rebenreihen entfalten sich also die typischen Drehbuchprobleme: Eine will alles kontrollieren und den anderen verheimlichen, dass sie ihren Job verloren hat, eine andere sieht sich als Geschäftsfrau und klebt an ihrem Smartphone, was den Rest nervt, das Geburtstagskind will nicht an sein Alter erinnert werden, und so fort. Man fragt sich, wann der Film endlich losgeht. Oder wann all diese bösen, smarten, ja erwiesenermaßen superwitzigen Frauen mit ihrer ganzen Lebenserfahrung endlich von der Leine gelassen werden. Aber ach, das passiert nicht.

Am ehesten kommt noch Stimmung auf, wenn Feinde von außen sichtbar werden: snobistische Sommeliers, passiv-aggressive Öko-Weinbauern oder unkreative, ahnungslose, dafür aber erschreckend selbstsichere Millennials. Aber auch da geht Amy Poehler nicht wirklich in die Vollen, will es offenbar anders machen als so mancher Haudrauf-Regisseur vor ihr. Wie man aber die volle weibliche Comedy-Power wirklich in einen Spielfilm packt, das kann sie bei diesem Versuch leider auch noch nicht zeigen.

"Wine Country" läuft auf Netflix.